RAG startet PCB-Folgestudie

Untersucht werden mögliche gesundheitliche Folgen von PCB-Einsatz unter Tage.

 

Die RAG Aktiengesellschaft (RAG) beauftragt unabhängige Wissenschaftsinstitutionen mit einer Untersuchung, inwiefern der berufliche Kontakt mit polychlorierten Biphenylen (PCBs) im Steinkohlenbergbau nach Jahrzehnten nachweisbar ist und mit gesundheitlichen Auswirkungen verbunden sein könnte.

Pilotstudie 

Mit der neuen Studie schließt die RAG an eine Studie aus dem Jahr 2019 an. Damals initiierte die RAG eine Pilotstudie, um zu untersuchen, ob eine PCB-Belastung aus beruflichem Kontakt im Steinkohlenbergbau nach mehreren Jahrzehnten noch nachweisbar sein könnte. Forschende der RWTH Aachen untersuchten seinerzeit Blutproben von 208 ehemaligen Bergleuten und stellten bei 46 % der Proben erhöhte Werte für einzelne PCBs fest.

Grundsätzlich gelten PCBs heute als gesundheitsschädlich und werden unter anderem mit erhöhtem Risiko für bestimmte Erkrankungen wie Diabetes, Leber- und Schilddrüsenerkrankungen sowie einige Krebsarten in Verbindung gebracht. PCBs sind eine vielfältige Stoffgruppe und mögliche Auswirkungen hängen stark vom Gemisch und den spezifischen Umständen ab. Ob aus der typischen Belastung mit bergbauspezifischen PCBs im deutschen Steinkohlenbergbau gesundheitliche Risiken entstehen, konnten weder die Pilotstudie noch die existierende Studienlage abschließend beantworten. 


Folgestudie

Bereits bei der Pilotstudie stellte die RAG eine Folgeuntersuchung in Aussicht, zu der es nun kommt. In der groß angelegten Folgestudie MIA (Messung von PCB im Blut von Bergleuten und Identifikation möglicher gesundheitlicher Auswirkungen) sollen die Ergebnisse der Pilotstudie validiert werden und zudem die Abgrenzung zwischen Volkskrankheiten und möglichen PCB-spezifischen Gesundheitsrisiken geleistet werden. Die Studie wird durch ein Konsortium aus Forschenden der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU; IPASUM – Institut und Poliklinik für Arbeits- und Umweltmedizin) sowie Studienexperten der Oracle Life Science GmbH durchgeführt.

Für wissenschaftlich belastbare Aussagen zum Zusammenhang zwischen Erkrankungen und Umweltfaktoren ist je nach Erkrankung eine große Zahl an Studienteilnehmern notwendig. In der Folgestudie sollen bis zu 5000 ehemalige Bergleute hinsichtlich ihrer PCB-Werte und ihres generellen Gesundheitszustandes untersucht werden. Aus dem Vergleich mit der Allgemeinbevölkerung können dann statistisch Rückschlüsse auf möglicherweise im Zusammenhang mit erhöhten PCB-Werten erhöhte Erkrankungsrisiken abgeleitet werden.

Die Untersuchungen sollen im Frühjahr 2026 starten und werden in allen ehemaligen Steinkohlebergbaurevieren vorgenommen. 
 



PCB im Steinkohlenbergbau

PCBs wurden in den 1920er-Jahren entwickelt und aufgrund ihrer chemischen und physikalischen Eigenschaften in einer Vielzahl technischer Anwendungen und Produkte verwendet. Im Steinkohlenbergbau in Deutschland wurde ab den 1960er-Jahren aus Sicherheitsgründen der Einsatz von schwer-entflammbaren, PCB-haltigen Hydraulikflüssigkeiten vorgeschrieben. Die Erkenntnis, dass PCBs sowohl umwelt- als auch gesundheitsschädlich sind wurde erst spät gewonnen. Ab 1986 wurden PCBs bei der RAG nicht mehr eingesetzt und Ende der 1980er-Jahre in Deutschland verboten. Mit der sogenannten POP-Konvention von 2004 wurden Herstellung und Einsatz von PCBs weltweit endgültig untersagt.

FAQ PCB-Folgestudie


Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen rund um die PCB-Folgestudie der RAG. 
 

Die Abkürzung PCB steht für polychlorierte Biphenyle. Es handelt sich um eine Gruppe synthetischer, also nicht natürlicher, organischer Stoffe. PCBs wurden früher in Hydraulikölen, Transformatoren und anderen technischen Anwendungen genutzt. Sie sind langlebig, reichern sich im Körper an und können gesundheitsschädlich wirken. Die Herstellung und Verwendung von PCBs wurde in Deutschland 1989 verboten.

Die Gruppe der PCBs umfasst 209 Varianten, die sogenannten Kongenere. Diese unterscheiden sich durch die Anzahl und Position von Chlor-Atomen im Molekül. Die Kongenere weisen verschiedene technischen Eigenschaften auf und ihnen werden unterschiedliche umwelt- und gesundheitsschädigenden Wirkungen zugeordnet. PCBs wurden in der Regel in Gemischen verschiedener Kongenere eingesetzt, sodass pauschale Aussagen über die Auswirkungen von PCB-Belastung schwer zu machen sind. Es muss stets die spezifische Gesamtkonstellation aus PCB-Gemisch sowie Art und Dauer des Kontaktes betrachtet werden.

In der aktiven Bergbauzeit waren die Mitarbeitenden insbesondere unter Tage vielen Risiken ausgesetzt. Die RAG hat sich für die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeitenden stark engagiert und das Arbeitsschutzniveau immer weiter optimiert. Gerade beim Umgang mit schädlichen Substanzen ist für einen effektiven Schutz von Mitarbeitenden das Wissen um die Schädlichkeit ausschlaggebend. So wurde im deutschen Steinkohlenbergbau aufgrund schwerer Grubenunglücke ab den 1960er-Jahren der Einsatz von schwer-entflammbaren, PCB-haltigen Hydraulikflüssigkeiten zur Verbesserung der Sicherheit behördlich vorgeschrieben. Die Erkenntnis, dass PCBs sowohl umwelt- als auch gesundheitsschädlich sind wurde erst spät gewonnen. Ab 1986 wurden PCBs im deutschen Bergbau nicht mehr eingesetzt und Ende der 1980er Jahre in Deutschland verboten. Mit der sogenannten POP-Konvention¹ von 2004 wurden Herstellung und Einsatz von PCBs weltweit endgültig untersagt.

Grundsätzlich gelten PCBs heute als gesundheitsschädlich und werden unter anderem mit erhöhtem Risiko für bestimmte Erkrankungen wie Diabetes, Leber- und Schilddrüsenerkrankungen sowie einige Krebsarten in Verbindung gebracht. Ob aus der typischen Belastung mit bergbauspezifischen PCBs im deutschen Steinkohlenbergbau gesundheitliche Risiken entstehen, konnten weder die Pilotstudie noch die existierende Studienlage beantworten. PCBs sind eine vielfältige Stoffgruppe und mögliche Auswirkungen hängen stark vom Gemisch und den spezifischen Umständen ab.

Die Pilotstudie hat eine Belastung mit PCBs im Blut von Bergleuten identifiziert. Mögliche gesundheitliche Auswirkungen wurden in dieser Studie nicht betrachtet. Die RAG beauftragt die Folgestudie MIA, um dieser Fragestellung nachzugehen und für die ehemaligen Mitarbeitenden zur Aufklärung beizutragen. 

¹POP – persistent organic pollutants (langlebige, organische Schadstoffe); POP-Konvention = Stockholmer Übereinkommen über persistente organische Schadstoffe 

Der Einsatz von PCBs untertage wurde im deutschen Steinkohlenbergbau 1986 beendet. 

Die RAG beauftragte 2018 das IASU (Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin) der RWTH Aachen mit einer Pilotstudie, um zu untersuchen, ob eine PCB-Belastung aus beruflichem Kontakt mit Hydraulikflüssigkeiten im Steinkohlenbergbau nach mehreren Jahrzehnten noch nachweisbar sein könnte. Die Wissenschaftler untersuchten Blutproben von 208 ehemaligen Bergleuten auf das gesamte Spektrum der 209 PCB-Kongenere hin und stellten bei 46% der Proben im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung erhöhte Werte für einzelne PCBs fest¹. Es wurde somit ein bergbauspezifisches Belastungsmuster bei den Teilnehmenden vorgefunden. Die Gesundheit der Studienteilnehmer wurde hingegen in der Pilotstudie nicht untersucht.

Für die Pilotstudie wurden anhand von Tätigkeitsdaten bei der Rentenversicherung ehemalige Beschäftigte aus bestimmten Berufsgruppen angeschrieben, bei denen ein Kontakt zu PCB-haltigen Hydraulikflüssigkeiten als eher wahrscheinlach eingestuft wurde.

Die Ergebnisse der Pilotstudie wurden im Journal of Toxicology and Environmental Health nach ordentlichem peer-review veröffentlicht.¹

¹Esser A, Schettgen T, Kraus T. Assessment of a potential PCB exposure among (former) underground miners by hydraulic fluids. J Toxicol Environ Health A. 2020 Mar 18;83(6):219-232. doi: 10.1080/15287394.2020.1742261. Epub 2020 Apr 6. PMID: 32252610.

Die Pilotstudie 2018 hat untersucht, ob eine bergbauspezifische PCB-Belastung nach mehreren Jahrzehnten im Blut nachgewiesen werden kann. Die Pilotstudie hat nicht betrachtet, ob der Gesundheitszustand der Teilnehmenden von der vergleichbaren Allgemeinbevölkerung abweicht. 

Da eine Belastung in der Pilotstudie bei 46% der Teilnehmenden nachgewiesen werden konnte, adressiert die RAG mit der Beauftragung der Folgestudie nun die relevante Frage, ob eine Belastung möglicherweise mit erhöhten Erkrankungsrisiken einhergeht.

RAG möchte also wissenschaftlich fundiert evaluieren, ob ehemalige Beschäftigte, die möglicherweise mit PCB in Kontakt gekommen sind, ein erhöhtes Risiko für bestimmte Erkrankungen haben. 

Die Folgestudie soll klären, ob ehemalige Beschäftigte, die möglicherweise mit PCB in Kontakt gekommen sind, ein erhöhtes Risiko für bestimmte Erkrankungen haben. 

Die Teilnehmenden werden einmalig in ein Untersuchungszentrum eingeladen. Sie werden zu ihrer Berufslaufbahn und Gesundheit befragt. Darüber hinaus wird das Blut auf PCBs untersucht. Es werden typische Laborparameter gemessen (Blut-/Urinproben) und es findet eine körperliche Untersuchung statt. Gesundheitliche Auffälligkeiten werden den Teilnehmenden mitgeteilt.

In der Auswertung der gesammelten Daten wird analysiert, ob bestimmte Erkrankungen in der Gruppe der Teilnehmenden mit PCB-Belastung statistisch signifikant häufiger vorkommen als bei den nicht-belasteten Kollegen oder der Allgemeinbevölkerung.

Die Studienergebnisse können Aussagen zu einer Erhöhung von Erkrankungsrisiken durch die sektorspezifische PCB-Belastung machen. Individuelle Erkrankungsursachen können nicht eindeutig festgestellt werden.

Wird PCB über die Nahrung, Atmung oder Hautkontakt in den Körper aufgenommen, wird es nicht leicht wieder ausgeschieden, sondert reichert sich aufgrund seiner fettlöslichen Eigenschaften im Körper an. PCBs können im Körper in allen Geweben, sowohl im Fett als auch im Blut, nachgewiesen werden. Über Jahre und Jahrzehnte baut sich eine PCB-Belastung im Körper langsam ab. Die Dauer des Abbaus hängt unter anderem davon ab, welches der 209 PCB-Kongenere betrachtet wird (siehe auch „Was sind PCBs?“).

In der Folgestudie MIA werden, wie bereits in der Pilotstudie, die Mengen aller 209 PCB-Varianten in Blutproben gaschromatografisch ermittelt. Dieses Verfahren stellt den wissenschaftlichen Goldstandard und damit den aktuellen Stand der Wissenschaft dar.

(Müller J. Polychlorierte Biphenyle (PCB), Hexachlorbenzol (HCB) und Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) – Bestimmung von PCB, HCB und Dichlordiphenyldichlorethen (DDE) in Serum/Plasma bzw. Vollblut mittels GC-MS. Biomonitoring-Methode. MAK Collect Occup Health Saf. 2021 Dez:Doc933. DOI: https://doi.org/10.34865/bi701237doj21_1or).

Die PCB-Wertbestimmung im Blut zeigt zuverlässig die innere Belastung mit PCBs an und. Verfahren, welche die PCB-Gehalte direkt im Fettgewebe messen, wurden in historischen Untersuchungen angewendet, bringen jedoch keinen Mehrwert hinsichtlich der zu ermittelnden Werte und stellen gleichzeitig eine höhere Belastung für Probanden dar.

In der Pilotstudie (siehe auch FAQ „Was hat die Pilotstudie genau herausgefunden?“) wurde anhand von Blutproben festgestellt, dass für einzelne PCBs bei knapp der Hälfte der teilnehmenden Bergleute über 30 Jahre nach Ende des Einsatzes im Bergbau noch eindeutig erhöhte Werte aufwiesen.

Für wissenschaftlich belastbare Aussagen zum Zusammenhang zwischen Erkrankungen und Umweltfaktoren ist je nach Erkrankung und gerade bei selten auftretenden Diagnosen eine große Zahl an Studienteilnehmern notwendig. Für häufig auftretende Zivilisationskrankheiten sind dagegen deutlich weniger Teilnehmende notwendig. 

In der Folgestudie sollen bis zu 5000 ehemalige Bergleute hinsichtlich ihrer PCB-Werte und Gesundheit untersucht werden. Aus dem Vergleich mit der Allgemeinbevölkerung können dann statistisch Rückschlüsse auf möglicherweise im Zusammenhang mit erhöhten PCB-Werten ebenfalls erhöhte Erkrankungsrisiken abgeleitet werden.

Die Teilnehmenden der Folgestudie können sich nicht auf eigene Initiative hin melden. Die Probanden werden anhand objektiver Einschlusskriterien ausgewählt. Diese lassen sich aus den Datensätzen der Rentenversicherung Knappschaft Bahn-See auslesen. Auf Basis dieser Gesamtkohorte werden potenzielle Teilnehmende zufällig gezogen und direkt vom Studienkonsortium angeschrieben. Die Teilnahme an der Studie ist freiwillig. Die Übertragung der Kontaktdaten von der Knappschaft an das Studienkonsortium wurde vom Bundesamt für Soziale Sicherung genehmigt (Grundlage SGB X §75). 

Die Anschreiben werden in Wellen versendet, sodass die freiwilligen Teilnehmenden zeitnah nach Erhalt des Anschreibens einen Untersuchungstermin wahrnehmen können.

Die Probanden aus der Pilotstudie entsprechen den Einschlusskriterien und werden, um ihrem dokumentierten Interesse an dieser Forschung Rechnung zu tragen, direkt von RAG auf die mögliche Teilnahme an der Folgestudie aufmerksam gemacht. 

Die potenziellen Teilnehmenden werden, wie bereits in der Pilotstudie anhand ihrer Tätigkeitsdaten bei der Rentenversicherung identifiziert, direkt vom Studienteam angeschrieben und eingeladen. Die Teilnahme ist freiwillig. Es ist damit zu rechnen, dass zum Erreichen der Zielkohorte von 5.000 Teilnehmenden etwa 30.000 Personen angeschrieben werden müssen.

Die potenziellen Probanden werden anhand folgender Kriterien aus den Datensätzen der Rentenversicherung Knappschaft Bahn-See gezogen:

  • Geburtsjahrgänge 1947 – 1969
  • Beschäftigung im Steinkohlenbergbau im Zeitraum 1972 - 1986 
  • Beschäftigung unter bestimmten Tätigkeitsschlüsseln der Rentenversicherung z.B. Maschinenhauer und -steiger, Elektrohauer und -steiger, technische Angestellte unter Tage (eingeschlossene Tätigkeitsschlüssel wurden gegenüber der Pilotstudie erweitert)
  • Erster Wohnsitz in Deutschland oder Anrainerstaaten
     

In der Ausschreibung der Folgestudie wurde eine Gesamtlaufzeit des Projektes von maximal 48 Monaten festgelegt. Innerhalb dieser Zeit darf die aktive Rekrutierungszeit, in der Anschreiben versendet werden maximal 30 Monate umfassen.

Im Anschluss an die Rekrutierungs- und Untersuchungsphase führt das Studienkonsortium die wissenschaftliche Auswertung der gewonnenen Daten durch und bereitet die Ergebnisse zur Veröffentlichung vor. Erste Ergebnisse sind frühstens ab Ende 2028 zu erwarten.

In der Auswertung der gesammelten Daten wird analysiert, ob bestimmte Erkrankungen in der Gruppe der Teilnehmenden, bei denen eine PCB-Belastung festgestellt wird, statistisch signifikant häufiger vorkommen als bei den nicht-belasteten Kollegen oder der Allgemeinbevölkerung.

Die Studienergebnisse können Aussagen zu einer Erhöhung von Erkrankungsrisiken durch die sektorspezifische PCB-Belastung machen. Individuelle Erkrankungsursachen können nicht eindeutig festgestellt werden.

Je seltener die betrachteten Erkrankungen in der Allgemeinbevölkerung vorkommen, desto mehr Studienteilnehmer sind für belastbare Aussagen notwendig. Die Studie soll bis zu 5.000 ehemalige Bergleute einschließen.

Bei Auffälligkeiten in den Untersuchungsergebnissen werden die Teilnehmenden zeitnah informiert und auf den Bedarf zur ärztlichen Abklärung hingewiesen. Darüber hinaus erhalten alle Teilnehmenden, sobald die PCB-Analytik ihrer Proben abgeschlossen wurde, einen individuellen, ärztlichen Befundbrief

Gegebenenfalls stellen die Studienärzte auf Basis der Untersuchungen eine Berufskrankheiten-Verdachtsanzeige.

Erste Anschreiben werden Mitte Januar 2026 an potenzielle Probanden versendet. Das erste Untersuchungszentrum im Ruhrgebiet soll seinen Betrieb Anfang Februar 2026 aufnehmen. Ab April 2026 soll ein weiteres Untersuchungszentrum im Saarland zur Verfügung stehen.

Die Initiative der RAG eine Folgestudie ins Leben zu rufen, stammt bereits aus dem Jahr 2019. Im Zuge der Planung wurde klar, dass dieses Großprojekt EU-weit ausgeschrieben werden musste. Dieses aufwändige Verfahren wurde dann zudem durch die Corona-Pandemie stark verzögert. Die RAG wollte die überwiegend älteren potenziellen Teilnehmenden in dieser unsicheren Situation keiner zusätzlichen Gefahr aussetzen und zudem den Erfolg bei der Probandenrekrutierung nicht gefährden. Ende 2024 konnte der Auftrag schlussendlich vergeben werde und nach professioneller Studienplanung und dem Eingang aller notwendigen Genehmigungen kann die Durchführungsphase der Studie 2026 beginnen.

Es gibt für die Studie festgelegte Abbruchkriterien. Abbruch bedeutet jedoch nicht, dass es keine Datenauswertung gibt. Der Abbruch betrifft ausschließlich die Rekrutierungs- und Untersuchungsphase. Bis dahin aufgelaufene Daten werden planmäßig ausgewertet. Gerade für häufige Erkrankungen können schon mit deutlich geringeren Teilnehmerzahlen statistisch belastbare Aussagen getroffen werden.

Die festgelegten Abbruchkriterien sind:

  • Der Rekrutierungszeitraum von 30 Monaten ist verstrichen.
  • Die angestrebte Teilnehmendenzahl von 5000 Probanden ist erreicht.
  • Die Responseraten in den Rekrutierungswellen, also der Anteil an angeschriebenen Personen, die sich zur Teilnahme bereit erklären, betragen wiederholt weniger als 5%. 
     

Die Folgestudie kann die Erkenntnisse der Pilotstudie zur sektorspezifischen PCB-Belastung absichern, reproduzieren und erweitern.

Die Folgestudie kann Risikoerhöhungen für bestimmte Endpunkte (Erkrankungen) für die betrachteten Gruppen identifizieren. Die Studie kann keine individuellen Erkrankungsursachen aufdecken. Sie liefert Hinweise auf Ebene der Kohorte.

Auf Basis der Studienergebnisse können gegebenenfalls Empfehlungen zu Präventionsmaßnahmen ausgesprochen und das Präventionsbewusstsein gestärkt werden. Es können keine individuellen Behandlungsmaßnahmen abgeleitet werden.

Die Folgestudie kann die wissenschaftlichen Grundlagen für (individuelle) Entscheidungen in Berufskrankheiten-Verfahren erweitern. Die Studie kann nicht direkt zu einer automatischen Berufskrankheiten-Anerkennung führen.

Die Studienergebnisse können als Grundlage der Diskussion durch Fachexperten wie den ärztlichen Sachverständigenbeirat für Berufskrankheiten dienen. Die Studie führt allerdings nicht automatisch und direkt zu einer Anpassung der offiziellen Berufskrankheiten-Liste.