Mit der Region verbunden. Nachhaltig.

Hand in Hand für ein starkes Bündnis

Im Jahr 2007 wurde der sozialverträgliche Ausstieg aus der Steinkohlenförderung in Deutschland politisch beschlossen. Im Auslauf kommt der engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen RAG und Mitbestimmung eine besondere Bedeutung zu. Wie im Montan-Mitbestimmungsgesetz von 1951 geregelt, ist der Aufsichtsrat, dem insgesamt  21 Mitglieder angehören, paritätisch mit Anteilseignern und Arbeitnehmervertretern sowie einem neutralen Mitglied besetzt. Dem neutralen Mitglied im Aufsichtsrat kommt eine bedeutende Rolle zu. Es muss das Vertrauen beider Seiten genießen. Die Stimme des neutralen Mitglieds entscheidet, wenn sich Anteilseigner- und Arbeitnehmervertreter nicht einigen können. Doch die Sozialpartnerschaft ist weit mehr als eine gesetzliche Vorgabe – sie ist bei der RAG gelebte Praxis. Leitlinien sind das Handeln „auf Augenhöhe“ und die Bereitschaft, unterschiedliche Interessenlagen anzuerkennen und zu verantwortungsvollen Kompromissen zu gelangen.

Im Jahr 2015 stand vor allem die Schließung des Bergwerks Auguste Victoria, das im Dezember die Förderung einstellte, im Mittelpunkt. Dort waren Anfang 2015 noch 2.000 Mitarbeiter im Einsatz, die bis zum letzten Tag für eine sichere Produktion sorgten und die geplanten Fördermengen erfüllten. Von ihnen wechselten insgesamt 850 an andere Standorte, 975 waren vorruhestandsberechtigt. Die übrigen Mitarbeiter hat die RAG bei der Suche nach neuen Arbeitgebern unterstützt. Kein Bergmann fällt ins Bergfreie: Dies ist bei der RAG bereits seit ihrer Gründung gängige Praxis. Im Vordergrund steht dabei heute, den Qualifikationen der Mitarbeiter entsprechend für unbefristete Arbeitsplätze außerhalb des Bergbau anzubieten. Insgesamt wurden von den im Jahr 2012 noch 1.700 Nicht-Vorruhestandsberechtigten bis heute 1.000 in neue Beschäftigungsverhältnisse vermitteln, die übrigen erhalten weiterhin Unterstützung bei der Vermittlung. Im Jahr 2015 einigten sich Konzernführung und Mitbestimmung außerdem darauf, befristet beschäftigten Mitarbeitern die Möglichkeit zu bieten, bis 2018 im Betrieb zu bleiben. Zudem fanden Verhandlungen zu einem neuen Gesamtsozialplan und einem Interessensausgleich statt.

Kein Beschäftigter fällt ins Bergfreie

Bereits in den vergangenen Jahrzehnten trug die Sozialpartnerschaft in schwierigen Zeiten maßgeblich dazu bei, den sozialen Frieden sicherzustellen. Seit Gründung der Ruhrkohle AG im Jahr 1968 musste der Steinkohlenbergbau in Deutschland einen Rückgang um 250.000 Mitarbeiter verkraften. Von den bei der Gründung der RAG eingebrachten 52 Bergwerken, 29 Kokereien und fünf Brikettfabriken blieben bis heute noch zwei Bergwerke. Ein Schrumpfprozess, der seinesgleichen sucht und bis heute sozialverträglich abläuft. „Trotz schmerzhafter Anpassungen fiel kein Beschäftigter ins Bergfreie – und das bleibt auch bis zum politisch beschlossenen, sozialverträglichen Auslauf des deutschen Steinkohlenbergbaus im Jahr 2018 so“, betont Norbert Maus, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Betriebsräte im RAG-Konzern und des Gesamtbetriebsrats der RAG Deutsche Steinkohle. „Auch in Phasen, die den Beschäftigten viele Opfer abverlangten, handelten die Verantwortlichen stets im konstruktiven und partnerschaftlichen Miteinander.“

"Die partnerschaftliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Mitbestimmungsgremien gerade in schwierigen Situationen zeichnet unser Unternehmen aus."
Peter Schrimpf
Stellvertretender RAG-Vorstandsvorsitzender

"Trotz schmerzhafter Anpassungen fiel kein Beschäftigter ‚ins Bergfreie' - und das bleibt auch bis zum politisch beschlossenen, sozialverträglichen Auslauf des deutschen Steinkohlenbergbaus im Jahr 2018 so."
Norbert Maus
Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Betriebsräte im RAG-Konzern und des Gesamtbetriebsrats der RAG Deutsche Steinkohle

Auf dem Weg bis zum Jahr 2018 bestehen für RAG und Mitbestimmung weiterhin großen Herausforderungen. Ihre gemeinsame Aufgabe ist es, den Steinkohlenbergbau verantwortungsbewusst zu Ende zu führen und zugleich die „neue“ RAG für die Zukunft aufzustellen. Alle übernehmen Verantwortung, jeder an seiner Stelle. Maus unterstreicht: „Das wichtigste Gut dabei ist die uneingeschränkte Solidarität der Bergleute untereinander.“ Und genau diese Solidarität macht die Sozialpartnerschaft aus. „Solidarität ist die Quelle unserer Kraft“, brachte es der Vorsitzende der IG BCE Michael Vassiliadis auf dem fünften Ordentlichen Gewerkschaftskongress im Oktober 2013 auf den Punkt. Der Zusammenhalt zeichne die Unternehmenskultur der RAG in besonderem Maße aus. Die gelebte Sozialpartnerschaft bei der RAG finde sich in keinem anderen Unternehmen in dieser Form wieder – in keinem anderen Industriezweig verlaufen Stellenabbau und -verlegung so geräuschlos wie in diesem Unternehmen. Damit leisten RAG und Beschäftigte einen wertvollen Beitrag zum nachhaltigen Miteinander. Denn nachhaltiges Handeln bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Das tut die RAG für ihre Mitarbeiter – und umgekehrt.

"Das Miteinander von Unternehmen, Gewerkschaft und Betriebsräten: Das war und ist gelebte Mitbestimmung."
Dr. Wilhelm Beermann
Ehrenpräsident des Gesamtverbands Steinkohle

"Ich kann mich an sehr viele Situationen im Bergbau und in der Stahlindustrie erinnern, in denen die Montan-Mitbestimmung konstruktive Lösungen möglich machte, die sonst von keiner Seite, weder von den Beschäftigten noch von den Anteilseignern, akzeptiert worden wären."
Johannes Rau (1931-2006)
Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland 1999 bis 2004

"'Verantwortung' ist ein zentraler Begriff für die RAG, und zwar für die, die blieben, aber auch für die, die gingen. Nirgendwo sonst ist der Appell der öffentlichen Hände, mehr Jugendliche auszubilden als zur eigenen Nachwuchssicherung notwendig, so eindrucksvoll befolgt worden wie im Steinkohlenbergbau."
Adolf Schmidt (1925-2013)
ehemaliger Vorsitzender der IG Bergbau und Energie

Die Geschichte der Mitbestimmung

Die ideellen Wurzeln der Mitbestimmung reichen zurück bis in die Anfänge der modernen Industriegesellschaft. Schon im frühen 19. Jahrhundert traten sozial-liberale konservative Sozialökonomen, Staatsrechtler und Sozialreformer für den Rechtsanspruch der Beschäftigten auf eine Arbeitervertretung in den Fabriken ein. Der wirkliche Durchbruch bei der Mitbestimmung gelang allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg: Am 10. April 1951 verabschiedete der Bundestag das „Gesetz über die Mitbestimmung der Arbeitnehmer in den Aufsichtsräten und Vorständen der Unternehmen des Bergbaus und der Eisen und Stahl erzeugenden Industrie“, das die paritätische Mitbestimmung fest verankerte.

Die Montan-Mitbestimmung gehört als Institution zum deutschen Steinkohlenbergbau. Sie bildet eine tragende Säule in der Sozialpartnerschaft des deutschen Bergbaus, denn: Sozialpartnerschaft bedeutet Handeln auf Augenhöhe, die Bereitschaft, unterschiedliche Interessenlagen anzuerkennen und zu verant-wortungsvollen Kompromissen zu gelangen. Genau das ist und bleibt die Grundlage der Montan-Mitbestimmung in Deutschland. Sie bewirkte in den vergangenen Jahren viel Positives für den sozialen Frieden im Unternehmen und in der Region. Mehr denn je steht sie heute für verantwortliches unternehmerisches Handeln unter Berücksichtigung der Interessen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Bereits anlässlich ihres 50-jährigen Jubiläums 2001 erklärte der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau: „Ich kann mich an sehr viele Situationen im Bergbau und in der Stahlindustrie erinnern, in denen die Montan-Mitbestimmung konstruktive Lösungen möglich machte, die sonst von keiner Seite, weder von den Beschäftigten noch von den Anteilseignern, akzeptiert worden wären.“

Eine wesentliche Errungenschaft der Montanmitbestimmung ist der Arbeitsdirektor als gleichberechtigtes Mitglied eines Vorstands oder einer Geschäftsführung eines paritätisch mitbestimmten Unternehmens. Die Bestellung des Arbeitsdirektors und deren Widerruf kann nach § 13 Montan-Mitbestimmungsgesetz nicht gegen die Stimmen der Mehrheit der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat erfolgen. Nach der deutschen Mitbestimmungstradition hat der Arbeitsdirektor die Zuständigkeit für Personal und Soziales und wird vom Vertrauen der Arbeitnehmer des Unternehmens und der Gewerkschaft getragen.


Soziale Nachhaltigkeit bei der RAG in Zahlen:

250.000
Mitarbeiter Personalabbau seit Gründung der RAG 1968

0
Bergleute fielen ins Bergfreie

100.000
junge Leute wurden seit Gründung der RAG ausgebildet.

Steinkohlenbergwerke der RAG 1969