Mit der Region verbunden. Nachhaltig.

Umweltgerechte Folgenutzung

Im Bergbau ist die sogenannte Wiedernutzbarmachung ehemaliger Flächen – und das ist einzigartig in der deutschen Wirtschaft – gesetzlich verpflichtend. Das Bergrecht schreibt die Beseitigung betrieblicher Anlagen oder deren anderweitige Verwendung, den Schutz vor Risiken durch den Betrieb – auch nach dessen Einstellung – sowie die Wiedernutzbarmachung der Flächen zwingend vor. So ist Nachhaltigkeit im Bergbau vor allem im Umgang mit dessen Folgen zu sehen: Wie werden Natur und Landschaft nach Beendigung des Kohlenabbaus wieder hergestellt?

Nach über 200 Jahren industriellem Bergbau geht es jetzt darum, Verantwortung für die große Zahl nicht mehr betriebsnotwendiger Flächen und Anlagen zu übernehmen und diese Ressourcen für eine umweltgerechte Folgenutzung vorzubereiten. Das geschieht über die Sanierung kontaminierter Teilflächen, des Grundwassers und gegebenenfalls auch einzelner Gebäude. Mit deren Abschluss und nach entsprechender behördlicher Abnahme werden die Flächen und Gebäude aus der bergrechtlichen Zuständigkeit, also aus der Bergaufsicht entlassen. Das Ziel der RAG lautet, jedes Jahr die Bergaufsicht über etwa 120 Hektar Fläche zu beenden. In den vergangenen fünf Jahren reaktivierte die RAG mit ihrem Beteiligungsunternehmen RAG Montan Immobilien durchschnittlich 131 Hektar Fläche pro Jahr für eine neue Nutzung und leistete so einen konkreten Beitrag zum Schutz der nicht vermehrbaren Ressource Boden. Damit unterstützt das Unternehmen das „30-Hektar-Ziel” der Bundesregierung. Danach sollen in Deutschland ab dem Jahr 2020 pro Tag nicht mehr als 30 Hektar Freifläche für Ansiedlungen umgewidmet werden.

RAG Montan Immobilien zeichnet derzeit auf rund 10.000 Hektar an Flächen des RAG-Konzerns, die nicht mehr bergbaulich genutzt werden, für die Abwicklung der folgenden Aufgaben verantwortlich:

- Flächenrecycling und Abschlussbetriebsplanverfahren
- Bautechnik und Entsorgung
- Grundwassermanagement
- Halden- und Bodenmanagement
- Schachtmanagement

Planung und Projektsteuerung

Über 70 Mitarbeiter des zur Qualitätssicherung der durchgeführten Maßnahmen nach DIN EN ISO 9001:2008 zertifizierten Bereichs Umweltengineering der RAG Montan Immobilien, zu denen Naturwissenschaftler und Ingenieure ebenso wie Bergleute, Schlosser oder Elektriker gehören, kümmern sich konkret um die Sanierung und Aufbereitung von Betriebsflächen, den Rückbau von Gebäuden und Anlagen, die Grundwassersanierung, die Rekultivierung von Halden sowie die Sanierung alter Schächte. Zu ihren Aufgaben zählen im Wesentlichen die Projektsteuerung und das Projektmanagement. Für die Umsetzung, sowohl von Planung und Gutachten als auch von Rückbau, Rekultivierung von Halden und Baumaßnahmen, werden spezielle Unternehmen beauftragt. Für das Grundwassermanagement werden derzeit an einigen ehemaligen Kokereistandorten im Wesentlichen RAG-eigene Anlagen mit Reinigung und wenige Pumpstationen ohne nachgeschaltete Reinigung betrieben. Weitere Informationen zum Thema Grundwasserreinigung finden Sie hier.

Im Jahr 2015 wurden 217 Abschlussbetriebsplanverfahren zur Wiedernutzbarmachung ehemaliger Betriebsflächen durchgeführt. Abschlussbetriebspläne enthalten eine Bestandsaufnahme der aktuellen Situation auf einer ehemaligen Bergbaufläche mit Nutzungshistorie und Risikobeurteilung, aufeinander aufbauende Untersuchungsschritte zur Quantifizierung und Bewertung vorhandener Umweltrisiken sowie genaue Darstellungen der technischen Durchführung der Rückbau-, Sanierungs- und Rekultivierungsmaßnahmen mit entsprechender Zeit- und Kostenplanung. Die durchschnittliche Dauer eines solchen Verfahrens – von der Nutzungsrecherche bis zur Beendigung der Bergaufsicht – liegt bei etwa zehn Jahren. Im Zuge der Sanierungs- und Gestaltungsmaßnahmen wird auch Bodenmanagement betrieben. Dabei wird für die nachhaltige Verwertung von Böden aus Baumaßnahmen gesorgt.

Bodenmanagement

Der verantwortungsvolle Umgang mit Flächenressourcen bei RAG Montan Immobilien umfasst auch das Management von Bodenmassen, das sicherstellt, dass die Böden im Zuge von Baumaßnahmen nachhaltige Verwendung finden. Auf Basis der entsprechenden behördlichen Zulassung nimmt die RAG-Beteiligungsgesellschaft Bodenmaterialien in verschiedenen Qualitäten an und stellt ihre optimale Verwertung zur Flächengestaltung sicher. Zu den angebotenen Leistungen zählen unter anderem der Aufbau eines Bodenmanagements, die Verwertung von Bodenmaterial zur Sanierung und Gestaltung der Flächen oder die Schaffung von tragfähigem Baugrund.

35 Schächte gesichert – weitere 150 in Bearbeitung

Von den circa 7.400 alten Tagesöffnungen, für die die RAG Montan Immobilien verantwortlich zeichnet, wurden im Jahr 2015 insgesamt 35 saniert beziehungsweise bautechnisch gesichert. Weitere 150 Schächte an Ruhr und Saar befinden sich in der Bearbeitung. Dazu gehören Gestattung, Zuwegung, Ausschreibung und vorbereitende Maßnahmen für die anschließende etwa dreimonatige Baumaßnahme. Die Verfüllung der noch aktiven und zuletzt geschlossenen Schächte übernimmt die RAG.

Bodenaufbereitung auf alten Flächen

Insgesamt 60 Sanierungsbaustellen einschließlich Grundwasserreinigungsanlagen wurden im Berichtszeitraum betrieben. Bei den Sanierungen werden hauptsächlich kokereispezifische Substanzen, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), weitere Kohlenwasserstoffe und Zyanide aus dem Boden entfernt. Darüber hinaus fallen bei Abbrucharbeiten neben Betonbruch und Steinen auch sulfathaltige Baustoffe wie Gipskarton sowie Asbest und künstliche Mineralfasern an. Im Jahr 2015 fielen im Zuge der Wiedernutzbarmachung insgesamt 15.000 Tonnen Abfälle und Reststoffe an.

Technische Kennzahlen 2015

Abschlussbetriebsplanverfahren