Mit der Region verbunden. Nachhaltig.

Zukunft braucht Herkunft

Ab dem Jahr 2019 wird in Deutschland keine Steinkohle mehr gefördert, der Auslauf ist politisch gewollt und gesetzlich verankert. Für die RAG bringt das einen in der Industriegeschichte wohl einmaligen Transformations-prozess mit sich: vom großen produzierenden Konzern hin zu einem Unternehmen eher mittelständischer Größe, das sich um den Nachbergbau kümmert. Neben der Flächenentwicklung und der Abwicklung von Bergschäden übernimmt die RAG zukünftig die verantwortungsvolle Aufgabe, die Ewigkeitsaufgaben zu bearbeiten. Hierzu zählen im Ruhrgebiet neben der Grubenwasserhaltung, Poldermaßnahmen und die Grundwasserreinigung. Die Ewigkeitsaufgaben müssen – daher der Name – dauerhaft sorgfältig durchgeführt werden. Hierfür steht der Konzern ein, die Finanzierung übernimmt ab dem Jahr 2019 die RAG-Stiftung. Gleichzeitig ist es der RAG wichtig, ihren Teil dazu beizutragen, dass der Bergbau auch dann noch spürbar Teil des Ruhrgebiets, des Tecklenburger Lands und des Saarlands bleibt, wenn die aktive Kohlenförderung beendet ist. Wie kaum ein Industriezweig hat er diese Regionen nachhaltig geprägt: wirtschaftlich, aber auch kulturell, gesellschaftlich und sozial. Deshalb setzt sich das Unternehmen dafür ein, dieses Erbe zu bewahren und nachfolgenden Generationen zugänglich zu machen.

Die besondere Herausforderung für die RAG besteht darin, sich einerseits Veränderungen nicht zu entziehen und andererseits ihre Identität zu bewahren. Damit das gelingt, findet eine offene Diskussion statt. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen wie diese: Was zeichnet das Unternehmen aus? Wer will das Unternehmen morgen sein? Und wie kann es seine Werte in die Ära der „neuen“ RAG überführen? Auch wenn es noch keine endgültige Antwort darauf gibt, steht fest, dass den im Unternehmen gelebten Werten auch in Zukunft eine wichtige Rolle zukommt. Zusammenhalt und Solidarität, Stolz und Bergmannsehre prägen die RAG und ihre Mitarbeiter heute – und bilden das Fundament für die zukünftige Identität.

„Glückauf Zukunft!“

Diesem Fundament kommt auch in der Zeit bis zum Jahr 2018 eine große Bedeutung zu. Auf dem Weg bis zum endgültigen Ende der Steinkohlenära spielt die Initiative „Glückauf Zukunft!“ eine wichtige Rolle, unter deren Dach verschiedene Projekte und Aktionen der RAG, der RAG-Stiftung, von Evonik sowie weiterer Akteure gebündelt werden. Zum einen geht es dabei darum, den Steinkohlenbergbau würdig zu verabschieden und gleichzeitig den Strukturwandel in den Regionen mit neuen kraftvollen Impulsen voranzutreiben. Zum anderen sollen Wertschätzung und Stolz der Kumpel, die noch viele Monate in den Bergwerken im Einsatz sind, sichergestellt werden. Dazu will die Initiative ein Wir-Gefühl und Aufbruchsstimmung erzeugen. Gerade weil im Jahr 2018 für die RAG eine tiefgreifende Veränderung ansteht, richtet das Unternehmen den Blick nach vorn und arbeitet gezielt an der eigenen Zukunft.

Drei Fragen an den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der RAG Peter Schrimpf  


Herr Schrimpf, vor welchen Herausforderungen steht die RAG derzeit?

Mit dem Ende des Steinkohlenbergbaus fällt unser bisheriges Herzstück, die Produktion, weg. Allerdings: Bis zum Jahr 2018 läuft die Förderung an unseren Standorten in Bottrop und Ibbenbüren noch. Deshalb stehen wir aktuell vor der Herausforderung, weiterhin mit demselben Engagement zu produzieren und uns gleichzeitig schon jetzt mit unserer Zukunft zu beschäftigen. Ich bin davon überzeugt, dass sich unsere Identität verändern wird und auch verändern muss. Unsere Aufgabe ist es, dabei unseren „Charakter“ zu bewahren.

Wie wird das gelingen?

Wir setzen uns intensiv mit der Frage auseinander, was uns heute auszeichnet. Das sind vor allem unsere Werte, die eine lange Tradition haben. Sie werden auch in Zukunft das Fundament bilden, wir müssen sie aber weiterentwickeln. Für diese Gemeinschaftsaufgabe haben wir einen offenen und transparenten Dialog angestoßen. Dieser Dialog über unsere künftige Identität ist für uns gleichzeitig auch selbst identitätsstiftend.

Die Veränderungen sind schon heute nicht zu übersehen, die Zahl der Mitarbeiter wie der Zechen ist kontinuierlich zurückgegangen. Wie erleben Sie die Stimmung im Unternehmen?

Obwohl die Zahl der Mitarbeiter bereits deutlich gesunken ist und wir alle wissen, dass sie weiter sinken wird, kann ich keine Endzeitstimmung ausmachen. Im Gegenteil: Bei unserem jüngsten Führungsbarometer, einer internen Meinungs-umfrage, stimmten 92 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass sie stolz darauf sind, für die RAG zu arbeiten. Das zeigt, dass wir vieles richtig machen und gut zusammenarbeiten. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass uns der Wandel hin zu einer „neuen RAG“ gelingen wird.