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Aufgaben für die Ewigkeit

Wenn die letzten noch aktiven Zechen Ende des Jahres 2018 die Förderung einstellen, endet auch ein Kapitel Industriegeschichte – nicht jedoch die Arbeit der RAG. Das Unternehmen übernimmt langfristig Verantwortung in den Bergbauregionen. Mit der Bearbeitung der sogenannten Ewigkeitsaufgaben trägt die RAG im Ruhrgebiet dazu bei, den Wasserhaushalt dort unter und über Tage zu regulieren. Oberstes Gebot sind dabei der Trinkwasser- und Umweltschutz. Bei den Ewigkeitsaufgaben handelt es sich um Bergbaufolgen, die – daher der Name – auf ewig Maßnahmen erfordern. Dazu zählen die Grubenwasserhaltung, Poldermaßnahmen über Tage sowie die Grundwasserreinigung an einigen ehemaligen Kokereistandorten und das Grundwassermonitoring an kontaminierten Standorten. Ausdrücklich nicht Teil der Ewigkeitsaufgaben sind die Bergschäden an Gebäuden, Grundstücken oder Straßen, die auf den Steinkohlenbergbau zurückgehen. Sie zählen, wie auch die Sanierung alter Schächte, der Rückbau von Betriebsanlagen und Pensionsverpflichtungen, zu den sogenannten endlichen Aufgaben.

Das Grubenwasserkonzept der RAG

Die RAG entwickelte für ihre Bergbauregionen an Ruhr, Saar und in Ibbenbüren Grubenwasserkonzepte. Die Grubenwasserhaltung, das Wassermanagement der Bergwerke, besitzt für die RAG besondere Bedeutung. Regenwasser, das entlang der Gesteinsschichten durch Klüfte versickert, reichert sich mit Salzen und anderen Mineralien an und sammelt sich in den untertägigen Strecken und Streben. Um überhaupt Steinkohle fördern zu können, muss es als Grubenwasser gehoben werden. Da dieses keine Trinkwasserqualität hat, ist es erforderlich, den Kontakt mit trinkwasserführenden Schichten zu verhindern.

Über das Jahr 2018 hinaus betreibt die RAG auch die Grubenwasserhaltung an der Ruhr weiter. Für diese Aufgabe hat das Unternehmen ein Konzept entwickelt und in vielen politischen Gremien bereits vorgestellt. Dieses sieht vor, das Grubenwasser nach dem Ende der Kohleproduktion bis zu einem gewissen Niveau mit ausreichend Abstand zu Trinkwasservorkommen ansteigen zu lassen. Von dort wird es nach über Tage gepumpt, damit es nicht in höhere Schichten gelangt und sich mit Grundwasser vermischt. Gleichzeitig will die RAG die Zahl der Wasserhaltungsstandorte sukzessive reduzieren und das Grubenwasser nur noch in größere Flüsse einleiten. Aus diesen Maßnahmen ergeben sich mehrere ökologische Chancen:

- Durch die Reduzierung der Einleitstellen werden die Gewässer im Ruhrgebiet – insgesamt rund 240 Kilometer Fluss- und Bachläufe – entlastet.

- Die geringere Pumphöhe und der Einsatz moderner Pumptechnologie tragen dazu bei, dass der Energiebedarf der Wasserhaltungen und damit der CO2-Ausstoß sinkt.

- Naturgas wird durch das ansteigende Grubenwasser in der Lagerstätte gebunden, so dass das Gas nicht in die Atmosphäre gelangt.

Im Saarland und in Ibbenbüren besteht die Chance, einen natürlichen Austritt des Grubenwassers direkt in Saar und Aa zu erreichen. Die Geländetopographie sowie die Lage der Trinkwasserreserven machen dies an beiden Standorten möglich. Bevor dies erfolgen kann, müssen noch umfangreiche Untersuchungen durchgeführt werden, um Risiken ausschließen zu können.
 
RAG trägt durch nachhaltige Wasserhaltung maßgeblich zum naturnahen Umbau der Emscher bei
   
Das Grubenwasserkonzept der RAG im Ruhrgebiet ermöglichst darüber hinaus die Renaturierung der Emscher. Bislang wird ein großer Teil des geförderten Grubenwassers dort abgeleitet. Das RAG-Konzept sieht vor, die Emscher komplett zu entlasten. Dies ist ein wesentlicher Baustein für die Renaturierung. So entsteht im Ruhrgebiet ein einzigartiges Projekt: Der Umbau des Emschersystems ist eine Aufgabe mit ungewöhnlichen Dimensionen – sowohl technisch als auch finanziell. Dann allerdings wird eine ganze Region ihr Gesicht verändert haben, nicht nur durch naturnah umgestaltete Gewässer mit hohem Freizeitwert, sondern auch durch eine Vielzahl von Projekten in den angrenzenden Bereichen, die vom Emscher-Umbau angestoßen werden.

Regulierung des Oberflächenwassers

Das sogenannte Poldern, die Regulierung von Wasser an der Oberfläche, zählt ebenfalls zu den Ewigkeitsaufgaben im Ruhrgebiet. Es ist so alt wie der Bergbau selbst, denn dieser führt zu Veränderungen der Topografie in den Steinkohlenrevieren: Absenkungen der Tagesoberfläche sind weit verbreitet. Diese bringen beispielsweise mit sich, dass sich das Gefälle von Bächen verändert oder sogenannte Vernässungen entstehen, wenn Wasser nicht richtig abfließen kann. Überall dort, wo der Bergbau solche Entwässerungsprobleme verursacht, übernimmt die RAG die Verantwortung für die erforderlichen Poldermaßnahmen. Dazu betreibt das Unternehmen selbst Pumpwerke. Den größten Teil der Maßnahmen bearbeiten die Wasserwirtschaftsverbände der Region, in denen die RAG Mitglied ist und die auch Rückhaltebecken und Deiche unterhalten. In einigen Gebieten bringen die Veränderungen der Topografie, wenn auch erst nach Jahren, auch positive Auswirkungen mit sich: Hier entstehen wassernahe Flächen, die als naturnahe Feuchtbiotope Pflanzen und Tieren Lebensraum bieten. Sie werden in Kooperation mit Behörden und Naturschutzverbänden gezielt erhalten.

Sanierung des Grundwassers

Auch die Reinigung von Grundwasser und die systematische Analyse seiner Qualität vor allem im Bereich ehemaliger Kokereistandorte ist eine weitere Ewigkeitsaufgabe des Steinkohlenbergbaus im Ruhrgebiet. Auf ehemaligen Industrieflächen gelangten häufig Schadstoffe in den Boden, die über die Jahrzehnte an einigen Standorten zu einer Verunreinigung des Grundwassers geführt haben. Mit dem Grundwassermanagement, das die langfristige Überwachung der Grundwasserqualität an ehemaligen Zechen- und Kokerei-Standorten sowie deren Reinigung umfasst, übernimmt die RAG Verantwortung für das Erbe des Bergbaus. An fast 100 Standorten liefern rund 2.100 Messstellen Daten über die Qualität des Grundwassers. Die Analysen zeigen etwa, ob eine Verunreinigung des Grundwassers vorliegt, eine Grundwasserreinigung nötig oder Sanierungserfolg erkennbar ist.