Mit der Region verbunden. Nachhaltig.

Traditionen für nachfolgende Generationen bewahren

Unter nachhaltigem Handeln versteht die RAG auch, ihr kulturelles und soziales Erbe in die Zukunft zu tragen und das Know-how aus mehreren Hundert Jahren Steinkohlenförderung zu erhalten. Diese Aufgabe geht weit darüber hinaus, das Bergbauwissen zu erhalten und zu vermitteln. Denn wie kaum eine andere Branche prägt der Bergbau die Identität und Kultur der Steinkohlenregionen. Seine Einflüsse sind im Saarland wie in NRW bis heute spürbar, das bergmännische Brauchtum wird weiterhin gepflegt. Das Ziel lautet, dazu beizutragen, passende und neue Formen zur Bewahrung des Erbes für die Nachbergbauzeit zu finden.
    
Bergbau erlebbar machen und dokumentieren

Dabei kommt kulturellen Einrichtungen eine wichtige Rolle zu. Das Deutsche Bergbau-Museum (DBM) in Bochum etwa lädt dazu ein, den Bergbau bis zu seinem Ursprung zurückzuverfolgen und im angeschlossenen Anschauungsbergwerk zu erleben. Rund 400.000 Gäste besuchen das DBM jedes Jahr, das mehr ist als ein Museum: Als Forschungsinstitut widmet es sich zudem der Montangeschichte, unter anderem durch die Erfassung, den Schutz und die Präsentation von Kulturgütern. In einem eigenen Forschungsschwerpunkt entwickeln Wissenschaftler Verfahren zur nachhaltigen Sicherung von Zeugnissen und Leistungen des Bergbaus. Auch die Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets  fördert die Erforschung und Dokumentation der Geschichte und Gegenwart der Region. Sie trägt dafür Sorge, die ihr übertragenen Buchbestände und Archive zu erhalten, wissenschaftlich zu erforschen, zu erweitern und öffentlich zugänglich zu machen. Im Kuratorium ist unter anderem die RAG-Stiftung vertreten, den Vorsitz hat der RAG-Vorstandsvorsitzende Bernd Tönjes inne.

Mit Chroniken zu den einzelnen Bergwerken trägt auch die RAG zur Dokumentation des Bergbaus bei. Die Bände, die in Kooperation mit dem DBM herausgebracht werden, erscheinen jeweils zur Schließung des Betriebs. 2015 wurde die Chronik „Kohle – Erz – Chemie. Die Geschichte des Bergwerks Auguste Victoria“ veröffentlicht. Die Zeche stellte die Förderung im Dezember 2015 ein. Eine Buchreihe unter dem Titel „Geschichte des deutschen Bergbaus“, an der sich die RAG ebenfalls beteiligt, beleuchtet in insgesamt vier Bänden jeweils einzelne Epochen.  Band 1 erschien im Jahr 2012, ein Jahr später folgte Band 4. Im Berichtszeitraum 2015 erschien Band 2 „Salze, Erze und Kohlen. Der Aufbruch in die Moderne im 18. und frühen 19.  Jahrhundert“. Band 3 wird im Jahr 2016 veröffentlicht.

Bergmännische Gepflogenheiten weiterleben lassen

Ein weiteres Anliegen der RAG ist es, die Werte und Traditionen der Bergleute weiterleben zu lassen. Dies geschieht zum Beispiel durch die Unterstützung von Bergbauchöre und -orchestern, die sogenannten Klangkörper. Derzeit gibt es davon rund 25, die sich teilweise in Form von Vereinen organisieren. 2015 wurden die Vereine Ruhrkohle Musik e.V. und Bergmusik an der Saar e.V. gegründet, die beide bis 2018 von der RAG unterstützt werden. Damit möchte die RAG dazu beizutragen, die Musik der Bergleute für die Nachwelt zu erhalten. Häufig reicht das Engagement der Klangkörper, in denen auch viele jüngere Mitglieder mitwirken, weit über den musikalischen Aspekt hinaus. So haben Auszubildende des Nachwuchschors Prosper-Haniel im Jahr 2015 gemeinsam Parkbänke für einen Friedhof gebaut, auf dem zahlreiche Bergleute begraben sind. Auch die Knappenvereine und Geschichtskreise machen sich unter anderem für den Erhalt solcher Orte stark. Die RAG hat auch die Revierarbeitsgemeinschaft für kulturelle Bergmannsbetreuung e.V. (REVAG) gefördert. Der Verein, der als anerkannter Bildungsträger tätig war, hat bis Ende 2015 unter seinem Dach auch die meisten Aktivitäten der Geschichtskreise gesteuert.

Bergbaugeschichte(n) erhalten

Die Erlebnisse und Erfahrungen von Zeitzeugen rückt die RAG im Rahmen ihres Oral-History-Projekts „Menschen im Bergbau“ in den Fokus. Ehemalige und aktive Bergleute berichten in Videointerviews von ihrem Leben mit der Kohle und zeigen so die Bedeutung auf, die der Bergbau für die Menschen im Ruhrgebiet und die Region selbst hat. Auch die Wanderausstellung „Glückauf in Deutschland“, die im Jahr 2015 in Dortmund Station machte, bietet Einblicke in ein Stück persönliche Bergbaugeschichte. Im Mittelpunkt standen hier die Geschichten von neun türkischstämmigen Männern, die vor 50 Jahren als Lehrlinge nach Deutschland kamen und im Bergbau tätig waren. Sie kommen in der Ausstellung selbst zu Wort, berichten von ihrer Ausbildung und Arbeit sowie über Migration und Integration.

Weitere „Zeitzeugen“ sind die zahlreichen Gelände, Bauten und Gegenstände, die für die Branche und eine ganze Epoche der Industriegeschichte stehen. Die RAG macht sich dafür stark, diese zu erhalten und öffentlich zugänglich zu machen. Dabei geht es nicht um rückwärtsgewandte Nostalgie, sondern um die Besinnung auf die kulturelle Identität der Bergbauregionen. Eines der bekanntesten Industriedenkmäler ist schon heute die Zeche Zollverein. Bis zum Jahr1986 wurde hier Kohle gefördert, heute gehört das Bergwerk gemeinsam mit der benachbarten Kokerei zum Welterbe der UNESCO. Rund 1,5 Millionen Gäste erleben jedes Jahr Geschichte, Architektur und Design, besuchen Ausstellungen und nutzen Kulturangebote. So steht die Zeche Zollverein heute als ein Wahrzeichen des alten und des neuen Ruhrgebiets.