Mit der Region verbunden. Nachhaltig.

Biomassepark Hugo

Von der Kurzumtriebsplantage bis hin zum Naherholungspark: Ziele des Projekts

Auf dem Standort des ehemaligen Bergwerks Hugo 2/5/8 in Gelsenkirchen-Buer entwickelt die Konzerntochter RAG Montan Immobilien den Biomassepark Hugo. Dabei handelt es sich um die erste großflächige Kurzumtriebsplantage in einem europäischen Ballungsraum. Auf einer Fläche von 22 Hektar soll eine Parkanlage mit schnell wachsenden Gehölzen entstehen. Die Umsetzung der Maßnahme erfolgt in enger Zusammenarbeit zwischen RAG, RAG Montan Immobilien, der Stadt Gelsenkirchen, dem Umweltministerium NRW und dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Die „Plattform Urbane Waldnutzung“ und die Ruhr-Universität Bochum übernehmen die wissenschaftliche Begleitung der Maßnahme.

Der Biomassepark verfolgt unterschiedliche Ziele. Einerseits dient er der Umsetzung der Strategie „Biomasse.2020.NRW”, wo es darum geht, den erneuerbaren Energieträger nachhaltig im Bundesland auszubauen und zugleich den Anspruch an Umwelt- und Naturschutz sicherzustellen. Gleichzeitig stellt er einen neuen Typ von Grünfläche im öffentlichen Raum dar, der für Projekte der Umweltbildung und für Freizeit- und Erholungsnutzung offensteht.

Bergwerk Hugo: Die Vergangenheit in Zahlen

Jahre Steinkohlebergbau

Millionen Tonnen
Steinkohle pro Jahr

Beschäftigte zu Hochzeiten

Biomasse - ein ganzer Haufen Energie

Biomasse umfasst im Allgemeinen alle Stoffe, die organischer Herkunft sind: Lebewesen – Mensch, Tier und Pflanzen. Im Laufe der vergangenen Jahre und mit Hinblick auf die Klimaziele in Deutschland gewann der Begriff zunehmend an Bedeutung, denn Biomasse besitzt ein beachtliches Energiepotenzial: Nachwachsende Rohstoffe wie Ackerfrüchte und schnell wachsende Baumarten, aber auch organische Reststoffe wie Stroh, Laub, Dung und Hausmüll bauen durch den Prozess der Fotosynthese aus dem Kohlendioxid in der Luft, im Wasser und im Boden ihre Struktur auf. Kurzum, in Biomasse steckt die geballte Energie der Sonne.

Um den Rohstoff als Energieträger zu nutzen, braucht es dann zusätzliche Technologien. Das herkömmliche Verfahren ist die CO2-neutrale Verbrennung, beispielsweise von Holz und Holzabfällen. Steht das Produkt als fester, flüssiger oder gasförmiger Energieträger bereit, lässt er sich zur Wärme- und Stromgewinnung einsetzen.

Biomasse bietet viele Vorteile: Sie steht rund um die Uhr zur Verfügung und ist nicht abhängig von Jahreszeiten und Wettereinflüssen. Vor allem aber ist ihr Bestand nahezu unerschöpflich. Die Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe e.V. geht davon aus, dass Biomasse im Jahr 2050 rund 23 Prozent des Primärenergiebedarfs in Deutschland abdeckt.

Regionale Wertschöpfung mit Vergangenheit und Zukunft

Rund 130 Jahre trugen das Bergwerk Hugo und seine späteren Verbundbergwerke zur Wirtschaftskraft in Gelsenkirchen bei. Die heimische Steinkohle versorgte Haushalte und Industrie mit der nötigen Energie, die es für eine moderne Infrastruktur brauchte. Im Jahr 2000 stellte das Verbundbergwerk Ewald-Hugo seine Förderung ein. Das ehemalige Zechengelände nun nachhaltig zu nutzen, bedeutet gestaltende Verantwortung für die nachfolgenden Generationen. Die Erzeugung von Biomasse kann entscheidend dazu beitragen. Förderte Hugo gestern noch die Steinkohle, auch ein Produkt aus Biomasse, so liefert der Standort morgen den nachwachsenden Rohstoff Energieholz.

Der Biomassepark Hugo profitiert von gesellschaftlicher Akzeptanz, denn er leistet einen Beitrag sowohl zur Bereicherung der Stadtlandschaft als auch zur Energiewende. Darüber hinaus stellt er eine effiziente Form der Energiespeicherung dar, die gleichzeitig in Gestaltungsspielräume lässt. Grundsätzliche Herausforderungen bei der Anlage von Umtriebsplantagen liegen in der Flächeninanspruchnahme zu Lasten der Nahrungsmittelproduktion. Als größter Flächeneigentümer im Ruhrgebiet stellt die RAG ehemalige Bergwerksflächen bereit, um Landwirtschaftliche Nutzflächen zu schonen.

Im Fall des Standorts Hugo genehmigten die verantwortlichen Behörden die landwirtschaftliche Folgenutzung. Auch die Stadt Gelsenkirchen befürwortet das Projekt. Nun gilt es, Pappeln und Weiden zu pflanzen, im Kurzumtrieb zu beernten und sie zu Hackschnitzeln zu verarbeiten. Auch ein „Brennholzwald“ mit schnell wachsenden japanischen Birken soll auf dem ehemaligen Zechenareal entstehen, um die Anwohner der Biomasseplantage in dieses neue Nutzungskonzept einzubinden und eine Monokultur innerhalb des Parks zu vermeiden. Der Brennholzwald soll der benachbarten Bevölkerung nicht nur dazu dienen, ihren Brennholzbedarf, so weit vorhanden, zu decken, sondern auch dazu beitragen, sich mit der neuen Nutzung der ehemaligen Schachtanlage Hugo 2/5/8 zu identifizieren.

Kinder und Kindeskinder sollen von den Gaben der Natur profitieren, genau wie die heutige Generation.

Die Umgestaltung des ehemaligen Bergwerksgeländes Hugo soll voraussichtlich im Jahr 2015 abgeschlossen sein. Im Fokus steht, die ehemals bergbaulich genutzte Fläche durch den Biomassepark räumlich und sozial wieder in das städtische Umfeld von Gelsenkirchen einzubinden. Der Biomassepark soll als öffentlicher Raum gestaltet werden, der auch für Maßnahmen der Energie- und Umweltbildung offenstehen soll. Die Kooperationspartner planen, den Biomassepark mit öffentlichen Wegen zu durchziehen. Dazu soll die ehemalige Zechenstraße als Rückgrat und als Verbindung in den Stadtteil Buer dienen.

Fotocredit: Lohberg Stadtlandschaftsarchitektur

Fotocredit: Ruhr-Universität Bochum

Zwei Nord-Süd-Wege sollen die Rungenberghalde anbinden und gleichzeitig den Biomassepark in drei Teilbereiche gliedern. Auch soll in Anlehnung an bestehende Planungen ein Radweg auf der brachliegenden Industriebahntrasse eingerichtet und über die ehemalige Gleisharfe bis ins Zentrum des Biomasseparks geführt werden. Von der südlich des Biomasseparks gelegenen Halde Rungenberg, die Bestandteil der „Industriekulturroute Ruhrgebiet“ ist, erhalten Besucher künftig einen Überblick über das Gelände und sollen so gut den Dreiklang aus Halde, Plantage und einer „Natur auf Zeit-Parzelle“ im Norden des Biomasseparks nachvollziehen können.

Durch die Parzellierung des Geländes entstehen Sichtachsen, so dass die Kirche in Buer – vom Gelände aus betrachtet - als markanter Punkt unterstrichen wird.

Der östliche Bereich des Biomasseparks soll als „Landschaftslabor“ gestaltet werden und mit einem Platz im Umfeld des alten Förderturmes Schacht 2 einen Anlaufpunkt erhalten. Den Platz sollen eine Versuchsfläche für Energiegehölze wie Kornelkirsche oder Paulownie und eine Angebotsfläche für umliegende Schulen und Kindergärten umgeben. Hier sollen Kinder in einer Weidenplantage selber schneiden, ernten und spielen können.