Mit der Region verbunden. Nachhaltig.

15.01.2018

PCB-Biomonitoring der RAG

Unternehmen erwartet belastbare Ergebnisse.

Die RAG hat eine PCB-Pilotstudie initiiert. Sie soll Aufschluss darüber geben, ob Bergleute im Körper eine höhere Konzentration ausweisen als der Bundesdurchschnitt. Für den wissenschaftlichen Teil zeichnet die RWTH Aachen verantwortlich und viele weitere Partner sind mit im Boot. Zur Untersuchung wurden jetzt 200 aktive und ehemalige Bergleute eingeladen. Zum Thema hier einige Fragen mit Antworten des Leiters AGU der RAG, Joachim Löchte, von Prof. Thomas Kraus, Uniklinik Aachen, und Christian van den Berg von der Berufsgenossenschaft.

Univ.-Prof. Dr. med. Thomas Kraus, Direktor Universitätsklinik RWTH Aachen

Was macht Sie sicher, dass 200 Probanden ausreichen?
Mit Methoden der Biometrie lässt sich vorab berechnen, wie groß eine Stichprobe sein muss, um statistisch belastbare Aussagen treffen zu können. Man nennt dies die „Power“ einer Studie. Diese Methoden haben wir auch schon in anderen vergleichbaren Reihenuntersuchungen angewandt. Daher können wir im Vorhinein sagen, dass die Anzahl von 200 (ehemaligen) Bergleuten ausreicht, um belastbaren Aussagen treffen zu können.

Mit welcher Gruppe werden diese Bergleute verglichen?
Auf Grund großer epidemiologischer Studien wurde die sogenannte Hintergrundbelastung in der Allgemeinbevölkerung ermittelt. Diese ist je nach Altersgruppe unterschiedlich und nimmt mit steigendem Alter zu. Es gibt also Vergleichswerte für jede Altersgruppe und mit diesen werden die Messergebnisse verglichen. 

Wie läuft so eine Untersuchung ab?
In einem ersten Schritt wird eine Blutprobe entnommen und eine kurze Befragung zur früheren Unter-Tage-Tätigkeit sowie beispielsweise zu Ernährungsgewohnheiten durchgeführt. Die Blutproben und die erhobenen Daten werden in anonymisierter Form am Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Uniklinik der RWTH Aachen (IASU) ausgewertet. Nach Abschluss der Untersuchung werden zunächst die betroffenen Mitarbeiter informiert. Zudem sollen die Ergebnisse anonymisiert einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die mittels der Blutanalyse gewonnenen Belastungsdaten werden am IASU für 30 Jahre aufbewahrt und der RAG zur Verfügung gestellt. Die bei der Anamnese und den Untersuchungen gewonnenen Daten werden beim Arbeitsmedizinischen Dienst der RAG für 30 Jahre aufbewahrt und uns zur Auswertung in Zusammenhang mit Belastungsdaten zur Verfügung gestellt.

 

Christian van den Berg, Abteilung Prävention der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI)

Wie wurden denn die 200 Bergleute identifiziert?
Bereits seit vielen Jahren können Erkrankungen durch Halogenkohlenwasserstoffen, zu denen auch das PCB gehört, als Berufskrankheit anerkannt werden. Die BG RCI hat die zwischen 1968 und 2014 gemeldeten Erkrankungsfälle aus dem Bergbau, bei denen ein Umgang mit Halogenkohlenwasserstoff nicht auszuschließen war, noch einmal gesichtet. In 17 Fällen wurden Arbeiten im untertägigen Steinkohlenbergbau verrichtet, bei denen mit PCB-haltigen Flüssigkeiten gearbeitet worden war. Es handelte sich im Wesentlichen um Elektriker und Schlosser. Also haben wir uns auf diese Berufsgruppen konzentriert. 

Sind das denn auch die, die wirklich mit PCB zu tun hatten?
Ja. Denn wir, das heißt alle am Projekt beteiligten Partner, haben uns ja nicht nur um die Berufe gekümmert, sondern auch andere Kriterien ins Auge gefasst: Die Bergleute, die wir aussuchen, müssen unter Tage im Einsatz gewesen sein. Und außerdem müssen sie ein ganz bestimmtes Alter haben. Mit PCB können sie nur dann Umgang gehabt haben, wenn sie zwischen den Jahren 1947 und 1968 geboren wurden. Bei den Jüngeren war das PCB schon aus der Grube verbannt. Außerdem haben wir besondere Ereignisse auf den Bergwerken untersucht, in denen auch von größeren PCB-Austritten auszugehen war. All diese Kriterien legen wir übereinander und wählen daraus mittels Zufallsprinzip die 200 Kandidaten.

Wie werden Sie mit den Ergebnissen umgehen?
Sollten sich wirklich Anzeichen einer Berufserkrankung ergeben, wird die RAG dies bei der Berufsgenossenschaft anzeigen. Die Berufsgenossenschaft prüft dann in jedem Einzelfall, ob eine Erkrankung vorliegt, die als Berufskrankheit anerkannt werden kann. Außerdem können Betroffenen an Vorsorgeuntersuchungen (nachgehende Vorsorge) teilnehmen, um mögliche Auswirkungen auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Diese Vorsorge wird vom Unternehmen gegebenenfalls gemeinsam mit der Berufsgenossenschaft angeboten.

 

Joachim Löchte, Leiter Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz der RAG

Warum kommen Sie gerade jetzt auf die Idee, die Bergleute zu testen?
Im Unterausschuss für Bergbausicherheit des Landes NRW wurde vor einiger Zeit die Frage gestellt, ob denn auch die Bergleute unter Tage auf PCB-Belastungen untersucht wurden. Wir hatten zwar in den 1990er Jahren einige punktuelle Untersuchungen, die aber kein repräsentatives Bild ablieferten. Und so haben wir diese Reihenuntersuchung vorangetrieben. 

Gibt es bereits Erfahrungen bei der Untersuchung von Mitarbeitern?
Jeder Bergmann wird ja regelmäßig auf Grubentauglichkeit untersucht. Bei krankhaften Belastungen wären Symptome durch PCB aufgefallen oder hätten sich spätestens beim Routine-Gespräch mit dem Arzt ergeben. Das war bislang nicht der Fall. 

Wie stellen Sie sicher, dass die Ergebnisse auch seriös sind?
Schon allein deshalb, weil wir uns viele Partner und Experten ins Boot geholt haben: das Uniklinikum RWTH Aachen, unserer Gewerkschaft die IG BCE, die Bezirksregierung Arnsberg, Gewerbeaufsichtsärzte, die Knappschaft Bahn See, die Berufsgenossenschaft. Wir haben alles durch eine Ethikkommission und Datenschützer überprüfen lassen. An dieser Stelle kommt es besonders auf ein professionelles Vorgehen an. Wir sind an belastbaren Ergebnissen interessiert. Deswegen ist diese Reihenuntersuchung auch kein Schnellschuss, sondern wurde sorgfältig vorbereitet.

 

 

 

Univ.-Prof. Dr. med. Thomas Kraus, Direktor Univesitätsklinik RWTH Aachen

Christian van den Berg, Abteilung Prävention der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI)

Joachim Löchte, Leiter AGU der RAG