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27.12.2018

Eine Ära geht zu Ende — Deutschland nimmt Abschied vom heimischen Steinkohlenbergbau

Bottrop, 21. Dezember 2018. 200 Jahre aktiver Steinkohlenbergbau in Deutschland fanden heute ihren endgültigen Abschluss. Auf der Schachtanlage Franz Haniel in Bottrop wurde das letzte Stück Kohle zu Tage gefördert. Über 500 Gäste und Ehrengäste – darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Jean-Claude Juncker, Präsident der Europäischen Kommission und Armin Laschet, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen – nahmen gemeinsam Abschied von einer Branche, die Deutschland wie kaum ein anderer Industriezweig geprägt hat. Für das Ruhrgebiet bedeutet der Abschied von der Steinkohle eine historische Zäsur.

Hochrangige Vertreter aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Gewerkschaft und Gesellschaft waren der Einladung von RAG Aktiengesellschaft und RAG-Stiftung zur zentralen Abschiedsveranstaltung für den deutschen Steinkohlenbergbau gefolgt, um diesem historischen Wendepunkt in der deutschen Industriegeschichte beizuwohnen.

Peter Schrimpf, Vorstandsvorsitzender der RAG, eröffnete die Veranstaltung und würdigte in seiner Rede die zahlreichen Leistungen und Errungenschaften des deutschen Steinkohlenbergbaus. Es seien vor allem die Bergleute gewesen, deren harte Arbeit unter Tage die Bergbauregionen und ganz Deutschland zu dem gemacht haben, was es heute ist. Und auch im Auslaufprozess haben sie bis zum letzten Tag verantwortungsvoll und hoch motiviert ihre Aufgaben erfüllt. Nur so konnte das Unternehmen seine Verpflichtungen aus dem Steinkohlefinanzierungsgesetz erfüllen. Im Anschluss daran folgte eine Zeremonie am Schacht Franz Haniel des Bergwerks Prosper-Haniel: Sieben Bergleute förderten das letzte Stück Kohle zu Tage und übergaben es symbolisch an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Dieser würdigte die Leistungen des deutschen Steinkohlenbergbaus und zollte ihnen seinen Respekt und seine Anerkennung.

Auch Bernd Tönjes, Vorstandsvorsitzender der RAG-Stiftung, hob die außerordentlichen Erfolge der Bergleute und Beschäftigen im deutschen Steinkohlenbergbau hervor. Gleichzeitig richtete er den Blick nach vorn und sprach davon, dass die Transformation in den ehemaligen Bergbauregionen spürbar und zügig weiter vorangetrieben werden müsse. Poldermaßnahmen und Grundwasserreinigung – verantwortlich sein. Die Umsetzung der Aufgaben übernimmt die RAG Aktiengesellschaft. Beide Unternehmen sehen sich auch nach 2018 in der Verantwortung für die Bergbauregionen, so Tönjes.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier thematisierte in seiner Festrede die Relevanz des Steinkohlenbergbaus aus nationaler Perspektive. (Die Rede ist auf www.bundespräsident.de verfügbar.) Dass auch die Industrialisierung Europas unweigerlich mit dem Abbau der Steinkohle als Energieträger verbunden ist, bestätigte Jean-Claude Juncker, Präsident der Europäischen Kommission. Zudem hob er die Bedeutung der Kohle für Europas Frieden und Wohlstand hervor. Die 1952 entstandene Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) war die erste supranationale Organisation in Europa und gilt als Gründungsgemeinschaft der heutigen Europäischen Union.

Über Gemeinschaft und Zusammenhalt sprach auch Armin Laschet, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen. Er stellte die Leistungen der Bergleute heraus und wies auf die Bedeutung des Steinkohlenbergbaus für die Entwicklung des Industrielandes Nordrhein-Westfalen hin. Außerdem stellte er die enorme Fähigkeit des Ruhrgebiets zum Wandel heraus – einst durch und durch von Montanindustrie geprägt habe es sich zur Wissenschafts- und Innovationsregion von europäischem Rang weiterentwickelt. Laschet unterstrich, dass die Landesregierung gemeinsam mit den Akteuren vor Ort und mit Unterstützung durch Bund und EU diesen Weg fortsetzen und durch die Ruhr-Konferenz Impulse für weiteres wirtschaftliches Wachstum und neue Perspektiven geben will.

Im Anschluss stellte der IG BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis die Rolle der Sozialpartnerschaft in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Er verwies auf den oft zitierten Satz „Kein Bergmann fällt ins Bergfreie”, der auch tatsächlich eingelöst wurde. Dies sei neben den Sozialpartnern vor allem den Beschäftigten zu verdanken, die lautstark den Respekt und die Anerkennung eingefordert hätten, die ihnen gebühren. Das bestätigte abschließend auch Barbara Schlüter, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Betriebsräte im RAG-Konzern, und verwies auf das größte Erbe des Bergbaus: Solidarität, Kameradschaft und Gleichheit. Das werde bleiben, auch nach 2018.

Musikalisch unterstützt wurde die Veranstaltung durch den Ruhrkohle-Chor und das WDR Sinfonieorchester. Außerdem zeigte ein Kurzfilm von Werner Kubny beeindruckende Szenen aus der Welt unter Tage.

ÜBER DIE RAG-STIFTUNG

Die privatrechtliche RAG-Stiftung wurde 2007 gegründet. Aufgabe der RAG-Stiftung ist es, bis Ende 2018 so viel Stiftungsvermögen aufzubauen, um ab 2019 die sogenannten Ewigkeitslasten des deutschen Steinkohlenbergbaus an Ruhr und Saar dauerhaft zu finanzieren.

ÜBER DIE RAG AKTIENGESELLSCHAFT

Die RAG förderte 2018 noch ca. 2,6 Millionen Tonnen Steinkohle und beschäftigte rund 3.000 Mitarbeiter. Sie setzt den politischen Auftrag des sozialverträglichen Ausstiegs aus dem Steinkohlenbergbau um. Das Unternehmen wird auch nach 2018 den strukturellen Wandel in den Bergbauregionen verantwortungsvoll weiter begleiten und die Bergbaufolgen bearbeiten.

ÜBER „GLÜCKAUF ZUKUNFT!”

2016 hat die RAG-Stiftung das Programm „Glückauf Zukunft!” initiiert, gemeinsam mit der RAG Aktiengesellschaft und Evonik Industries AG sowie im Schulterschluss mit dem Sozialpartner IG BCE. Unter dem Dach von „Glückauf Zukunft!” werden bis einschließlich 2018 größere wie kleinere Projekte umgesetzt, die den Steinkohlenbergbau würdigen und Signale des Aufbruchs für die Regionen an Ruhr und Saar geben. Die RAG-Stiftung stellt für ihre Projekte insgesamt rund 28 Millionen Euro zur Verfügung.

Weitere Informationen finden Sie unter Presse-Center 21.12.2018.