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Sonderausgabe_Bergwerk_Auguste_Victoria

6 Geschichte Steinkohle A u g u s t e V i c t o r i a Der Wiederaufbau, die Kohlekrise und   FOTOS: RAG-ARCHIV, GÜNTER SCHMIDT, MARTIN JUSTA Schacht AV 7: Die Abteufmannschaft bei der Butterpause. Im Jahr 1959 war ihre Arbeit vollbracht – bei einer Endteufe von 960 Metern. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann auf Auguste Victoria (AV) die Zeit des Wiederaufbaus. 1946 arbeiteten hier etwas mehr als 3000 Mitarbeiter. Rund elf Jahre später, mitten im deutschen Wirtschaft swunder, waren es bereits dreimal so viele Beschäft igte. 1957 erreichte die Mitarbeiterzahl von AV ihren Höchststand mit über 11.000 Belegschaft smitgliedern. Viele davon kamen aus dem nahe gelegenen Münsterland, aus Orten wie Dülmen, Billerbeck, Ahaus oder Gronau. Damit sorgte AV für eine Art Völkerverständigung zwischen dem industriell geprägten Kohlenpott und dem naturverbundenen Münsterland. Die nächste große unternehmerische Wandlung stand im Jahr 1953 an. Nach der Aufl ösung der I.G. Farben nutzte BASF die Gunst der Stunde und sicherte sich das Eigentum an der Gewerkschaft Auguste Victoria. Im gleichen Jahr kam es zur Übernahme aller Anteile an der angrenzenden Gewerkschaft Lippramsdorf. Die Steinkohleberechtsame von Auguste Victoria erhöhte sich damit um 17,3 auf 40,9 Quadratkilometer. Der Aufstieg setzte sich in den folgenden Jahren weiter fort. So nahm 1960 die Doppelschachtanlage AV 3/7-6 die Förderung auf. Doch schon bald musste sich Auguste Victoria einer verschlechterten Marktlage stellen. Als Reaktion darauf stellte das Bergwerk 1962 den Erzbergbau nach 26 Jahren ein und legte die 1906 eröff nete Zechenziegelei still. Im Jahr darauf beschlossen die Entscheidungsträger die Stilllegung der Kokerei. Die verbleibende Kohlekapazität allein wäre nicht in der Lage gewesen, AV langfristig am Leben zu erhalten. Die Lösung war mutig, aber im Rückblick gesehen erfolgreich. Die Verantwortlichen rund um den damaligen Vorsitzenden des Grubenvorstands Bergassessor a. D. Bernhard Florin setzten in diesem schwierigen Umfeld weiter auf Kohle. 1963 stimmte der Aufsichtsrat für eine Verlagerung der Förderung in die nördlich angrenzende Lippemulde. Die RAG musste lange auf AV warten Im Jahr 1969 wurde die Ruhrkohle AG (RAG) als vereinende Gesamtgesellschaft der wirtschaftlich angeschlagenen Ruhrzechen gegründet. Die BASF weigerte sich, das Bergbauvermögen der Gewerkschaft Auguste Victoria in diese neue Einheitsgesellschaft einzubringen. So kam es zum Kooperationsvertrag zwischen Auguste Victoria und der RAG. Mit Hilfe dieses Vertrags sicherte sich AV die dem Steinkohlenbergbau allgemein zustehenden Hilfen der öff entlichen Hand. Ab dem Jahr 1970 verkaufte das Bergwerk unter dem Namen „AV-Ruhrkohle“ auf eigene Rechnung. Als eigenständiges Bergwerk konnte AV zwar nicht mit den Fördermengen der RAG mithalten, jedoch auf andere Art und Weise profi tieren. Kürzere Entscheidungswege sorgten dafür, dass Auguste Victoria „Höchste Motivation bis zur letzten Schicht – dafür steht die Mannschaft von AV.” Peter Schrimpf, stellvertretender Vorsitzender des RAG-Vorstands


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