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Sonderausgabe_Bergwerk_Auguste_Victoria

A u g u s t e V i c t o r i a Steinkohle Geschichte 5 Anfang des 20. Jahrhunderts zeigte die chemische Industrie Interesse an AV. Mittlerweile war der Sitz der Verwaltung von Düsseldorf nach Hüls verlegt worden, und Paul Stein hatte die Leitung von seinem 1903 verstorbenen Vater August übernommen. Für die chemische Industrie war Auguste Victoria aus mehreren Gründen interessant. Zum einen gehörte AV nicht dem Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikat an, war also unabhängig in seinen Entscheidungen. Zum an - deren erhöhte sich der Kohlenbedarf der chemischen Industrie von Jahr zu Jahr. Und so wurde der sogenannte Dreibund 1908 neuer Eigentümer von AV. Dreibund war der Name einer Interessengemeinschaft aus BASF, Bayer und Agfa, die AV gemeinsam zu einem Kaufpreis von 17,7 Millionen Mark erwarben. Im Außenverhältnis trat die BASF als alleiniger Käufer auf. Mit dem Eigentümerwechsel kam es zu teils prominenten Besetzungen des Vorstands von Auguste Victoria. So war beispielsweise der Nobelpreisträger Carl Bosch rund 20 Jahre lang Vorsitzender des Grubenvorstands. Die Zeit der Weltkriege Vor Beginn des Ersten Weltkriegs erwirtschaft ete eine Belegschaft von etwa 2600 Mitarbeitern circa 715.000 Tonnen Kohle und 296.000 Tonnen Koks. Die Koksofenbatterie hatte im Jahr 1908 ihren Betrieb aufgenommen. Weitere Expansionspläne waren bereits genehmigt, mussten aber durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs verworfen werden. Von 1923 bis 1925 hemmte die belgisch-französische Ruhrbesetzung den Fortschritt. Während des Kriegs ergaben sich einige wichtige Entwicklungen für das Bergwerk. Zunächst wurde der bisherige Eigentümer von AV, der Dreibund, zur sogenannten Kleinen I.G. Aus dieser Verbindung entstand 1925 die Interessengemeinschaft Farbenindustrie Aktiengesellschaft , kurz I.G. Farben genannt. Außerdem trat AV dem Kohlen- Syndikat bei. Durch das geschickte Taktieren Paul Steins bei den Aufnahmeverhandlungen erhöhten sich die Absatzmöglichkeiten des Bergwerks. Dieser Umstand konnte wiederum als Argument für eine Erweiterung der Anlage bei den Eigentümern vorgebracht werden. 1937 verlor Auguste Victoria seine rechtliche Selbstständigkeit und wurde eine Betriebsstätte der I.G. Farbenindustrie AG. Im gleichen Jahr beteiligte sich AV an der Gründung der Steinkohlen-Elektrizität AG (Steag). Ein Jahr darauf kam es zur Gründung der Chemischen Werke Hüls, mit denen AV eine enge Kooperation einging. 1939 ging Paul Stein in den Ruhestand, und Gustav Schmid trat seine Nachfolge als Bergwerksdirektor an. Der Name Stein sollte AV jedoch erhalten bleiben. Am Tag des Ruhestands seines Vaters Paul trat Rudolf Stein seinen Dienst als Betriebsinspektor an. Wie bereits der Erste Weltkrieg stoppte auch der Zweite Weltkrieg die Zukunft spläne von Auguste Victoria. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs beschäft igte AV knapp 8500 Menschen. Die tägliche Förderung belief sich auf etwa 4000 Tonnen Reinkohlen und gut 1000 Tonnen Koks. 1945 zerstörte ein Luft angriff Teile der Schachtanlage AV 1/2 und sorgte damit für eine zwischenzeitliche Stilllegung des Werks. Nur etwa zwei Monate nach dem Angriff nahm das Bergwerk die Förderung auf Schacht AV 3 wieder auf. Die entstandenen Kriegsschäden betrugen etwa acht Millionen Mark. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam es zu zahlreichen Inhaft ierungen von Entscheidungsträgern des Rheinisch Westfälischen Kohlen-Syndikats durch die britischen Besatzer. Zu den Inhaftierten gehörte auch der Generalbevollmächtigte von Auguste Victoria Gustav Schmid. Seine Position, und damit die Aufgabe des Wiederaufbaus übernahm im Oktober 1945 der Bergassessor a. D. Gerhard Jüttner. Auguste Victoria: Die Namensgeberin der Zeche heiratete 1881 den späteren Kaiser Wilhelm II. Sie war die letzte deutsche Kaiserin und Königin von Preußen. 1897 führten August Stein und Julius Schäfer Schürfbohrungen im Bezirk Hüls durch. Zwei Jahre später wurde die Gründungsurkunde der Gewerkschaft Auguste Victoria unterzeichnet. Die Kokerei samt einer Versuchsanlage der Firma Badische Anilin- & Soda-Fabrik (BASF) auf Auguste Victoria 1/2 im Jahr 1927. Zwei Monate vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurden Teile der Schachtanlage AV 1/2 bei einem Alliierten-Luftangriff zerstört.


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