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Sonderausgabe_Bergwerk_Auguste_Victoria

A u g u s t e V i c t o r i a Steinkohle Grußworte 3 Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn unser Bergwerk Auguste Victoria zum Jahresende 2015 seine Förderung einstellt, dann sind rund 120 Jahre Steinkohlenbergbau in der Region Vest Geschichte. Seit dem Jahr 1905 wurde in Marl Steinkohle gefördert. Im Raum Marl befanden sich zuvor schon seit den 1870er Jahren zeitweise bis zu rund 20 Bohrgesellschaften im Wettstreit um die Kohlenvorkommen. Im September 1896 ließen dann Kaufmann August Stein und Ingenieur Julius Schäfer, die zwei Jahre später die Gewerkschaft Auguste Victoria gründeten, bei Sinsen Bohrungen nach Steinkohle durchführen und wurden 1897 fündig. Sie beantragten die Genehmigung für die zwei Grubenfelder Hansi I und II, die im November 1898 zum Grubenfeld Auguste Victoria konsolidiert wurden. Durch den Erwerb weiterer Felder umfasste 1907 das Nutzungsrecht des Bergwerks bereits 23,454 Quadratkilometer und reichte bis zur Lippe. Nach Angaben der Markscheiderei verfügte das Grubenfeld über Vorräte bis zu 380 Millionen Tonnen Steinkohle. Im Jahr 1906 erzielte die 519 Mann starke Belegschaft eine Jahresfördermenge von 46.699 Tonnen Steinkohle. Im letzten Jahr der Förderung sind es rund 2,1 Millionen Tonnen mit 2000 Mitarbeitern, von denen 700 Mitarbeiter nach der Schließung auf andere Bergwerke wechseln. Rund 450 Mitarbeiter verbleiben noch für die notwendigen Rückbauarbeiten auf dem Bergwerk. Viele Faktoren führen dazu, dass das Bergwerk mit einem sehr guten Ergebnis ausläuft. Die Mannschaft ist hochmotiviert, sie arbeitet bis zum Schluss eff ektiv und begleitet von einer positiven Grundstimmung. Das zeigte sich auch in den Ergebnissen der letzten Mitarbeiterbefragung. Zur Eff ektivität beigetragen hat unter anderem das Arbeiten mit Lean Processing, einer Methode, die stabile Strukturen in den Arbeitsprozess brachte und zu zahlreichen Auffahrungs- und Förderrekorden führte. Aber auch die stetig verbesserte Arbeitssicherheit sowie die Konzepte zum Gesundheitsschutz trugen zum positiven Ergebnis bei. Das nahende Ende des deutschen Steinkohlenbergbaus ist nicht der Wunsch unserer Bergleute, ebenso nicht meiner. Aber wir haben in den letzten Jahrzehnten bewiesen, dass wir verlässlich sind. Das Steinkohlefi nanzierungsgesetz schreibt das Ende der gesamten deutschen Steinkohlenförderung für 2018 vor. Die Schließung unseres Bergwerks ist die drittletzte Station dieses Auslaufs einer ganzen Industrie. Wir empfi nden keine Freude, wenn wir den Deckel auf den Pütt machen müssen. Aber wir alle von Auguste Victoria sind bis zum Schluss ein verlässlicher Partner, versehen mit einer gehörigen Portion Stolz auf unsere Leistungen. Das haben wir uns redlich verdient. Glück auf! durch die damalige Gewerkschaft Auguste Victoria hat sich, aus einem von der Landwirtschaft geprägten Heidedorf, die Stadt Marl entwickelt, die es ohne den Bergbau in der heutigen Form so nicht gäbe. In der Hochzeit des Bergbaus, zu Beginn der fünfziger Jahre, waren in der Spitze mehr als 11.000 Kolleginnen und Kollegen in verschiedenen Berufen auf unserem Bergwerk beschäftigt. Darüber hinaus wurden in der Geschichte unseres Bergwerks weit über 20.000 junge Menschen zu qualifi zierten Facharbeitern ausgebildet. Beeindruckende Zahlen, die deutlich machen, welchen Stellenwert das Bergwerk als Wirtschaftsfaktor sowohl in Marl als auch in unserer Region einmal hatte. In all den Jahren der Produktion war es stets unser Anspruch, mit den im Umfeld des Bergwerks lebenden Menschen einen off enen und transparenten Dialog zu pfl egen. Gleichwohl haben wir gesellschaftspolitisch Maßstäbe gesetzt. Als andere sich noch über Integration von Migranten unterhielten, haben wir gehandelt. Sei es die Zuwanderung aus den jetzigen polnischen Gebieten in den Gründerjahren oder das Abkommen der Bundesregierung mit der Türkei zur Anwerbung von „Gastarbeitern” in den 1970er Jahren: Integration war und ist für uns Bergleute nie ein gesondertes Thema gewesen, denn wir haben sie gelebt, jeden Tag. Aus Arbeitskollegen wurden so gute Nachbarn und Freunde. Dies ist ein Vermächtnis, welches auch nach der Schließung unseres Bergwerks bleiben wird. Auf AV haben wir immer den Menschen in den Mittelpunkt unseres Handelns gestellt, das ist unser Erfolgsgeheimnis! Stolz macht mich als Betriebsrat besonders die Entwicklung, die wir seit vielen Jahren vornehmlich in den Bereichen Arbeits- und Gesundheitsschutz begleiten und mitgestalten. Persönliches Leid zu vermeiden war in diesem Zusammenhang immer unser gemeinsames Streben. Alle Kolleginnen und Kollegen sollten unfallfrei und vor allen Dingen gesund in den wohlverdienten Ruhestand versetzt werden können. Im Vergleich zur übrigen Industrie nimmt der Steinkohlenbergbau nicht nur Spitzenplätze ein, sondern setzt Maßstäbe. Aus diesen Gründen wird sich unser Bergwerk zu Recht mit Stolz, Würde und Anstand aus der Stadt und der Region verabschieden. Sie alle haben jeden Tag aufs Neue Großartiges geleistet. Der Star auf unserem Bergwerk war und ist jedoch die Mannschaft! Die hier arbeitenden Menschen nämlich waren es, die AV in all den Jahren so erfolgreich gemacht haben. Mein besonderer Dank gilt auch den unzähligen Mitstreitern, die in all den Jahren eng und solidarisch an unserer Seite gestanden haben. Euch allen ein herzliches Glückauf! FOTO: BERGWERK AUGUSTE VICTORIA FOTO: MARTIN JUSTA Impressum Herausgeber: RAG Aktiengesellschaft Verantwortlich: Erich Kometz (ek), Leiter Bereich Interne Kommunikation RAG Aktiengesellschaft Chefredakteurin: Stefanie Kurkamp (sek), Tel. (02323) 15 - 3059 Redaktion/Koordination: Denise Hundertmark; Christina Schlautmann Shamrockring 1, 44623 Herne, Tel. 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