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Sonderausgabe_Bergwerk_Auguste_Victoria

2 8 Kul tur Steinkohle A u g u s t e V i c t o r i a Das kulturelle Erbe von Auguste Victoria Über 115 Jahre Bergbaugeschichte in Marl und der Region hinterlassen Spuren: In der Landschaft, der Kultur und in den Erinnerungen der Menschen bleibt der Industriezweig auch nach der Stilllegung erhalten. W as bleibt? Diese Frage stellte das Bergwerk Auguste Victoria (AV) seit dem Beschluss der Stilllegung immer wieder in unterschiedlichen Zusammenhängen. Das Bergwerk prägte Marl und die Region in den letzten rund 115 Jahren und ist ein fester Bestandteil der Identität der Stadt. Diese Institution wird nicht pünktlich zum 1. Januar 2016 aus Marl verschwunden sein, sondern hinterlässt deutliche Spuren. Spuren in den Köpfen der Menschen, in der Landschaft und im Kulturbereich. Gerne wird dafür der Begriff kulturelles und strukturelles Erbe benutzt. Wer sich mit off enen Augen und Ohren auf Spurensuche in und um Marl begibt, kommt am kulturellen Erbe des Bergbaus nicht vorbei. Wer die Geschichte der Stadt Marl chronologisch durchgehen möchte, kann dies im Stadt- und Heimatmuseum tun. Hier ist nicht nur die Geschichte der Stadt Marl dokumentiert, sondern auch die Rekonstruktion eines Strebausbaus der Zeche Auguste Victoria zu besichtigen. Das Heimatmuseum wurde von Heinrich Keßler (1847 bis 1956), dem Leiter des Heimatvereins Marl, gegründet. Der Heimatverein Marl e. V. ist aus unterschiedlichen Gründen eng mit dem Bergbau verbunden. Vor allem aber durch den Erzschacht. Während das Fördergerüst des stillgelegten Schachts 4 unter Denkmalschutz gestellt wurde, war die Maschinenhalle zwischenzeitlich vom Abriss bedroht. Eine Untergruppe des Heimatvereins, die sogenannten Erzschachtfreunde, konnte diesen Abriss verhindern und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass aus der Maschinenhalle ein Museum wurde. Heute wird im Museum die Arbeit der Bergleute über und unter Tage anhand verschiedener Exponate dargestellt. Außerdem sind Teile der Halle für kulturelle Veranstaltungen nutzbar. Themenroute rund um AV Eine weitere eng mit dem Bergbau verbundene kulturelle Stätte ist das Th eater Marl. Und zwar in der Funktion als Spielstätte der Ruhrfestspiele Recklinghausen. An der Entstehung der Ruhrfestspiele hatten Bergleute der Zeche König Ludwig 4/5 im benachbarten Recklinghausen maßgeblichen Anteil. Diese versorgten im Winter 1946/1947 Hamburger Th eatermacher verbotenerweise mit Kohle. Zum Dank gastierten die Th eaterleute im Jahr darauf im Ruhrgebiet und legten damit den Grundstein für die Ruhrfestspiele. Das kulturelle Erbe des Bergbaus in Marl lässt sich auch mit Hilfe der „Route der Industriekultur“ erkunden. Marl ist mit einem eigenen Ankerpunkt auf der Route vertreten: dem Chemiepark Marl. Die Zeche Auguste Victoria ist Teil der Th emenroute „Industriekultur an der Lippe“, die am Maximilianpark in Hamm startet und am Preußen-Museum Nordrhein-Westfalen in Wesel endet. In Marl macht die Route nicht nur Station auf AV und am Chemiepark, sondern streift auch die Siedlung Brassert und den Flugplatz Loemühle. Dieser ist bekannt für seine Rundfl üge mit freier Zielwahl. Wer Marl also einmal von oben sehen und die Anlage von Auguste Victoria aus der Luft fotografi eren möchte, kann sich diesen Wunsch direkt vor Ort erfüllen. Neben den baulichen und kulturellen Erinnerungen hinterlässt der Bergbau auch Spuren im alltäglichen Miteinander. Und das vor allem im Vereinsleben der Stadt Marl. Brieft auben, Kleingarten und Fußball. Die Auguste Victoria ist fester Bestandteil der Iden - tität Marls. Mächtige Maschine: Die „Erzschachtfreunde” des Heimatvereins retteten die Maschinenhalle vor dem geplanten Abriss und machen Bergbau weiterhin erlebbar. AV-Architektur: Am Schacht 4 weist das denkmalgeschützte Fördergerüst der „Route der Industriekultur” den Weg.


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