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Sonderausgabe_Bergwerk_Auguste_Victoria

FOTOS: THOMAS DÜMMERMANN, MARTIN JUSTA, BR AV 24 Mi tbest immung Steinkohle A u g u s t e V i c t o r i a Arbeitsplätze im deutschen Steinkohlenbergbau zu kämpfen. Nachdem die Bundesregierung in Bonn trotz dieser machtvollen Demonstration der Solidarität nicht von ihrer Marschrichtung abzuweichen schien, zog die IG BE schärfere Register. Infolgedessen legten die Kumpel an Ruhr und Saar am Morgen des 7. März ihre Arbeit nieder, besetzten die Schachtanlagen und blockierten Straßen. Tagelange, intensive Verhandlungen führten letztendlich zum „Kohlekompromiss”, der klare Verabredungen und eine lange Vereinbarungsfrist bis Ende 2005 zur Folge hatte. Die Arbeit wurde, auch in Marl, wiederaufgenommen. Mit einer Kundgebung vor dem Düsseldorfer Landtag machten die Bergleute am 1. Februar 2007 erneut Öff entlichkeit und Politik auf ihre Sorgen in Bezug auf die kohlepolitischen Verhandlungen aufmerksam. In der Kaue rief der Betriebsrat zur Reise nach Düsseldorf auf, zahlreiche AVer folgten. Ende 2007 trat das Steinkohlefi nanzierungsgesetz in Kraft . „Band der Solidarität” – das Ruhrgebiet steht Seite an Seite mit den Bergleuten 2010 war dann das Jahr, in dem sich für uns Bergleute alles änderte. Die „Herausforderung Sockelbergbau“ war kein Th ema mehr. „Wenn es damals, im Juli 2010, nach dem wahnsinnigen Vorschlag der Europäischen Union gegangen wäre, hätten wir uns schon September 2014 verabschieden müssen. Unser Ziel war immer: die Absicherung der Sozialverträglichkeit, wie wir sie uns letztendlich gemeinsam in Form des Steinkohlefinanzierungsgesetzes 2007 hart erkämpft haben! Ich erinnere mich noch wie gestern an die insgesamt fünf außerordentlichen Betriebsversammlungen mit dem Vorstand sowie unserem Gewerkschaft svorsitzenden Michael Vassiliadis. Die anschließende Fahrt nach Brüssel zur DGB-Kundgebung Ausbildung: Die Zukunft junger Menschen lag dem Betriebsrat immer sehr am Herzen, auch die der letzten AV-Prüfl inge. bereitet mir heute noch eine Gänsehaut. Der Zusammenhalt der Bergleute hat Wirkung gezeigt, und Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihr Wort gehalten. Mit dem Kohleaktionstag haben wir einmal mehr gezeigt, dass man mit uns Bergleuten nicht machen kann, was man will“, mahnt Norbert Maus. Trotz der sozialverträglichen Lösung, die nur mit Hilfe unserer Gewerkschaft IG BCE, der Mitbestimmung und dank des Unternehmens RAG erreicht werden konnte, stellen sich allen Beteiligten zahlreiche weitere Herausforderungen. Denn nicht alle können in den Vorruhestand gehen. Auch Verlegungen oder eine berufl iche Neuorientierung sind die Zukunft für einige Beschäft igte. Unternehmen und Mitbestimmung leisten an dieser Stelle umfassende Unterstützung, um von Arbeit in Arbeit zu vermitteln, damit keiner ins „Bergfreie“ fällt. „Ich bin nach wie vor der tiefen Überzeugung, dass wir mit dem Tarifvertrag innerhalb eines einmaligen, guten Regelwerks alles richtig gemacht haben. Allen nichtvorruhestandsberechtigten Kolleginnen und Kollegen war es möglich, eine Zukunft sperspektive zu bieten, was ich weiterhin als unsere wichtigste Aufgabe ansehe. Warum dieses sehr gute Regelwerk gescheitert ist, wissen wir alle“, so Norbert Maus. Aufgeben ist jedoch nicht eines Bergmanns Sache, wenn der Grundsatz gilt: Niemand darf Schaden nehmen! Also nahmen Mitbestimmung und das Unternehmen erneut ihre Verantwortung wahr und haben einen neuen Gesamtsozialplan auf den Weg gebracht. Gleichwohl bestand der Anspruch des Betriebsrats immer darin, sich um alle zu kümmern, auch um die jungen Kollegen mit befristeten Arbeitsverträgen und um die Auszubildenden. Wichtigste Aufgabe: allen eine Zukunftsperspektive bieten Die Fördereinstellung betrifft neben der Belegschaft gleichwohl den gesamten Kreis Recklinghausen, in dem es einst 27 Bergwerke gab. Der Bergbau hat die Region geprägt wie keine andere Industrie und zum wirtschaft lichen Aufschwung beigetragen. Nun fällt nicht nur einer der größten Ausbildungsbetriebe in Zukunft weg, auch die Wirtschaft skraft wird darunter leiden. Was diese Schließung für die Region bedeutet, wird sich in den nächsten Jahren detailliert zeigen und schmerzlich bemerkbar machen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Bergbau sich zurückzieht und dabei verbrannte Erde hinterlässt. Allen sollte klar sein, dass 4000 Arbeitsplätze nicht mehr kompensiert werden können. Für die Region ist es dennoch wichtig, dass hier neue Arbeitsstellen geschaff en werden. In erster Linie ist nun die Politik in der Verantwortung und muss dafür sorgen, dass viele junge Menschen und Familien sich hier ansiedeln können. Die Machbarkeitsstudie für die Nachfolgenutzung der AV-Flächen läuft bereits. Strukturwandel beginnt vor Ort, beim Menschen Mit viel Engagement und Leistungsfähigkeit haben alle Kolleginnen und Kollegen des Bergwerks AV einen großen Beitrag zur sicheren Energieversorgung des Landes geleistet. Der Betriebsrat bedankt sich bei allen Beteiligten für die jahrelange vertrauensvolle Zusammenarbeit. Gleichwohl verabschiedet er sich mit Wehmut und mit Stolz von dem Bergwerk AV, das ab 1. Januar 2016 Geschichte ist. Ein weiterer Dank geht an alle Mitstreiter wie Kommunalpolitiker, Kirchen, Verbände sowie Bürgerinnen und Bürger, die die Bergleute von AV in all den Jahren unterstützt haben. Wir sind 116 Jahre gut miteinander klargekommen. Allen Kolleginnen und Kollegen wünscht der Betriebsrat für die Zukunft viel Bergmannsglück, aber vor allem Gesundheit. Solidarität: Bergleute von AV nehmen Anteil am Schicksal der Bochumer Opelaner. Sicherheitsarbeit: Der Betriebs rat hat in Sachen AGU viel bewegt auf AV und Maßstäbe gesetzt. Zusammenarbeit: IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis, Ar beits direktor Peter Schrimpf und Norbert Maus (von links). „Integration haben wir auf AV immer schon gelebt.” Thomas Paschen, Betriebsrat u


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