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Sonderausgabe_Bergwerk_Auguste_Victoria

A u g u s t e V i c t o r i a Steinkohle Mi tbest immung 2 3 telpunkt steht bis zum letzten Tag der Mensch FOTOS: PETER PAUL, DIETMAR KLINGENBURG, BR AV t Bergwerkskultur: Würdigung geleisteter Arbeit und ein Dankeschön an die Mannschaft, wie bei der letzten Auff ahrung auf AV am 13. Februar 2014. Umbruch: Solidarischer Widerstand gegen erste Anzeichen eines Bergbauendes in der Kohlerunde 1997. Betriebsversammlung von AV statt. Die Werksleitung als ständiger Gast spiegelt nicht nur das gute Verhältnis beider Seiten wider, sondern gewährleistete immer eine aktuelle und transparente Informationsweitergabe. Darüber hinaus gab es in der Geschichte der AV-Betriebsversammlungen viele wichtige und regelmäßig wiederkehrende Gäste wie Vertreter des Vorstands oder der IG BCE. Die Absicht bestand immer darin, ehrlich mit den Menschen umzugehen. „Und das ist uns gelungen“, bekräft igt Norbert Maus. Mitbestimmen, Mitgestalten und Mitverantworten – ein Leitsatz, der für den Betriebsrat auf AV nie einfach nur eine leere Worthülse war, sondern eine beständige Mitbestimmung auf Augenhöhe mit der Belegschaft , der Werksleitung und dem Unternehmen bedeutet. Dahinter steckt auch, nicht nur für oder im Sinne der Belegschaft zu handeln, sondern gemeinsam mit ihr etwas zu schaff en. Teamarbeit und Kommunikation sind die Stichworte sowohl innerhalb der Mannschaft als auch mit dem Betriebsrat und der Führungsebene. Dazu gehört vor allem, anspruchsvolle Veränderungsprozesse zu erklären und die Kolleginnen und Kollegen von Beginn an mitzunehmen. Veränderungen gab es in der Geschichte von AV viele, denn immer wieder traf die Politik Vereinbarungen mit dem Bergbau, die sie anschließend wieder infrage stellte. Die Folge waren Bergwerksschließungen oder Verbundmaßnahmen. So brachte auch die Zusammenlegung von AV mit dem Bergwerk Blumenthal/Haard zum neuen Verbundbergwerk Auguste Victoria/Blumenthal im Jahr 2001 neue Herausforderungen mit sich. „Am 20. November 2001 gelang der Durchschlag AV und Blumenthal. Diesen kann man auch symbolisch betrachten, denn wir haben es geschafft , die soziale Ruhe zu bewahren und AV mit seiner Belegschaft zu dem Bergwerk zu machen, das es heute ist. Neue Kollegen von stillgelegten Bergwerken wurden immer herzlich aufgenommen, und es dauerte nicht lang, bis sie sich als AVer fühlten“, bekräft igt Betriebsratsmitglied und AV-Urgestein Th omas Paschen. Belegschaft mitnehmen und Veränderungsprozesse erklären Integration wurde auf AV schon sehr früh gelebt. Viele Kollegen unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen sind auf unserem Bergwerk beschäft igt. Neben Polen, Spaniern und Italienern hat die Vergangenheit der türkischen Einwanderer eine besondere Geschichte. Zehn Jahre nach Unterzeichnung des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei treten 1971 die ersten türkischen Gastarbeiter auf dem Bergwerk AV in den Dienst. Bis heute ist die Kameradschaft unter deutschen und türkischen Kollegen sehr groß. Auf das Ramadan-Fest wird gleichermaßen Rücksicht genommen wie auf deutsche Feiertage. In das Gremium des Betriebsrats wurden zuletzt sechs türkische Kollegen gewählt, was die Akzeptanz innerhalb der Belegschaft deutlich widerspiegelt. Darüber hinaus unterstützt der Betriebsrat den Verein „Mach meinen Kumpel nicht an“, der sich gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Rechtsextremismus wehrt. Integration wird großgeschrieben Das Wort „Kumpel“ hat für Bergleute einen besonderen Klang. Es drückt die Werte, die den Bergmann seit vielen Generationen prägen, aus: Zusammenhalt, Verbundenheit, Verlässlichkeit und Mitverantwortung. Mit ihrer unveräußerlichen Identität legten die Bergleute der Zeche König Ludwig 4/5 in Recklinghausen-Suderwich im harten Nachkriegswinter 1946/47 den Grundstein für eine lange Tradition, die bis heute andauert. Nicht ohne Grund sind die Demonstrationen zum 1. Mai in Recklinghausen verbunden mit der Eröffnung der Ruhrfestspiele. Aus einem Dankeschön für einen Akt der Solidarität haben sich die Festspiele zu einem der größten und renommiertesten Theaterfestivals Europas entwickelt. „Ohne uns Bergleute gäbe es die Ruhrfestspiele nicht!“, betont Norbert Maus deswegen seit vielen Jahren immer wieder, wenn er als Betriebsratsvorsitzender von AV die Festspiele, ein Erbe gelebter Solidarität, traditionell eröff - nete. Dem Th ema Tradition hat sich das Bergwerk AV mit der Gründung des gemeinnützigen Vereins Berg bautradition e. V. besonders verschrieben. Er wurde im November 2013 ins Leben gerufen, um auch nach Schließung des Bergwerks die Bergbautradition zu wahren und zu fördern. Historisches Erbe weiterleben lassen Das Ende des sozialverträglichen Bergbaus zeichnete sich für uns Bergleute erstmals mit der Kohlerunde 1997 ab. Während dieser Zeit des Umbruchs zeigten Mitbestimmung, Belegschaft und Gewerkschaft immer wieder Kampfgeist und gingen auf die Straße, um ihre Meinung zu Entscheidungen der Politik kundzutun. Am Freitag, dem 14. Februar 1997, taten es ihnen viele Menschen des Ruhrgebiets gleich. 220.000 Menschen reihten sich in das 100 Kilometer lange „Band der Solidarität“ für die deutsche Steinkohle ein. Die damalige IG BE mobilisierte Betriebsräte, Belegschaft , Bevölkerung und viele solidarische Mitstreiter aus dem Bergbau verbundenen Unternehmen, für den Erhalt der „Unsere Bergwerkskultur haben wir uns hart erarbeitet.” Thomas Prinz, stellv. Betriebsratsvorsitzender u


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