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Sonderausgabe_Bergwerk_Auguste_Victoria

2 Grußworte Steinkohle A u g u s t e V i c t o r i a Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Liebe Kolleginnen und Kollegen, im Zuge der Industrialisierung zählten wir einst mehrere Hundert Zechen im Ruhrgebiet, nach dem Zweiten Weltkrieg waren es noch gut 180. Nun legen wir das Bergwerk Auguste Victoria still. Ein Ereignis, das uns alle mit Wehmut erfüllt – und eines der letzten Kapitel einer beeindruckenden Geschichte, auf die wir völlig zu Recht stolz sein dürfen. Denn Generationen von Bergleuten haben tagtäglich hervorragende Arbeit geleistet. Sie befeuerten die Industrialisierung, trieben den Wiederaufbau nach dem Weltkrieg voran und verhalfen unserem Land zum heutigen Wohlstand, der nicht zuletzt auf der verlässlichen Versorgung mit Energie beruht. Mit genau dem gleichen Engagement setzen wir nun den unwiederbringlich beschlossenen sozialverträglichen Auslauf des heimischen Steinkohlenbergbaus planmäßig und zuverlässig um. Auch dieser Prozess wird nicht zuletzt getragen durch die bergmännischen Tugenden wie Solidarität, Mut, Zuverlässigkeit und Fleiß. Und in den letzten Jahren kam eines hinzu: Anpassungsbereitschaft. Wir haben Ihnen, wir haben der gesamten Mannschaft viel abverlangt. Mobilität und Flexibilität waren und sind unabdingbar, um den Prozess nicht zu gefährden. Und das Ergebnis: Bis heute sind Einsatz und Leistung unserer Belegschaft vorbildlich und meisterhaft. Für Ihren persönlichen und in der Sache unverzichtbaren Beitrag, den Sie auf dem Bergwerk Auguste Victoria geleistet haben, danke ich Ihnen allen von ganzem Herzen – jedem einzelnen Bergmann, ebenso wie der Werksleitung und dem Betriebsrat. Zugleich wünsche ich Ihnen und Ihren Angehörigen alles erdenklich Gute für Ihre berufliche und private Zukunft. Uns allen ist deutlich bewusst: Die Anfang Dezember 2013 vom Aufsichtsrat beschlossene Stilllegung des Bergwerks Auguste Victoria ist für uns Bergleute ein schmerzlicher Schritt. Mit den danach noch ausstehenden und zum Jahresende 2018 folgenden zwei Stilllegungen endet unser gesamter Wirtschaftszweig. Mehr denn je gilt es also, Neues zu wagen, vor allem aber auch das historische Erbe des Bergbaus zu sichern. Denn da sind wir uns sicher einig: Unser Wirtschaftszweig und die Industriekultur, die unsere Region so sehr prägten, werden noch viele Generationen nach uns faszinieren. So schmerzlich das Ende des heimischen Steinkohlenbergbaus für uns Bergleute ist, so können Sie alle mit Stolz behaupten: Ich habe ein Stück zu dieser beeindruckenden Geschichte beigetragen. Und dafür danke ich Ihnen – persönlich sowie im Namen des Vorstands. Ein herzliches Glückauf! die Schließung des traditionsreichen Bergwerks Auguste Victoria ist ein weiterer Schritt auf dem Weg in Richtung des endgültigen Ausstiegs aus dem deutschen Steinkohlenbergbau. AV wird nicht geschlossen, weil wir schlecht gearbeitet hätten! Es ist eine politische Entscheidung, die wir Bergleute seit 2010 umsetzen müssen. Eine Entscheidung, die nicht nur ich, sondern Zig tausende Menschen in der Region für sozial- und energiepolitisch unvernünftig halten! Mit Kampfgeist und Zusammenhalt von uns Bergleuten, Betriebsräten, dem Unternehmen und vor allem unserer IG BCE haben wir jedoch das wichtigste Ziel erreicht: die Absicherung der Sozialverträglichkeit, wie wir sie gemeinsam in Form des Steinkohlefi nanzierungsgesetzes 2007 hart erkämpft haben. Von den noch aktiven Bergleuten wird keiner „ins Bergfreie fallen”. Denn unser Selbstverständnis ist nach wie vor, bis zum letzten Tag den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Nach 116 erfolgreichen Jahren fi ndet die Geschichte des Bergbaus im Kreis Recklinghausen jäh sein Ende. Das Bergwerk zu schließen, bedeutet für alle Kolleginnen und Kollegen, den Betriebsrat sowie die Werks- und Unternehmensleitung Wehmut. Wir alle haben dort nicht nur gearbeitet, sondern gelebt, Freundschaften geschlossen, Kameradschaften gepfl egt und eine Bergwerkskultur geschaff en, die uns bis zum letzten Tag so erfolgreich gemacht hat, ohne Anzeichen von Endzeitstimmung. Zu seinen Spitzenzeiten bot Auguste Victoria über 11.000 Arbeits- und Ausbildungsplätze. Auch Zulieferer und Partnerunternehmen wurden beschäftigt. Der Rückbau eines ganzen Industriezweigs ist keine leichte Aufgabe. Wir werden jedoch unseren Auftrag bis zum letzten Tag sicher und sozialverträglich erfüllen – mit Stolz, Würde, Anstand und erhobenen Hauptes. Jeder kann stolz auf das Geleistete zurückblicken. Mit den Werten Zusammenhalt, Verbundenheit, Verlässlichkeit und Mitverantwortung haben alle hervorragende Arbeit geleistet. Für die jahrelange vertrauensvolle Zusammenarbeit möchte ich mich im Namen des Gesamtbetriebsrats bei allen Beteiligten, beim Vorstand, den Führungskräften, bei der Mannschaft, den Betriebsräten und der IG BCE herzlich bedanken. Ein weiterer Dank geht in Richtung aller Mitstreiter wie Kommunalpolitiker, Kirchen, Verbände sowie Bürgerinnen und Bürger, die uns solidarisch zur Seite standen. Die letzte Betriebsversammlung am 30. Dezember wird der Geschichte von AV ein würdiges Ende bereiten. Ich bin davon überzeugt, dass unsere unveräußerliche Identität, unsere Bergmannsehre, nachhaltig in der Region gelebt wird. Wir werden die Zukunft meistern, denn wir sind und bleiben Bergleute – egal wo, egal wann! Ein herzliches Glückauf! FOTO: DIETMAR KLINGENBURG FOTO: DIETMAR KLINGENBURG Inhalt Folgenutzung Geschichte Einblicke in eine wechselvolle Historie Seiten 4Ω7 Stadtentwicklung Marl und AV: eine enge Beziehung Seite 8 Wie auf der Halde Brinkfortsheide ein Naherholungsgebiet entsteht Seite 10 Technik-Highlights Entscheidende Impulse für den Ruhrbergbau Seite 12 Im Gespräch Die Bürgermeister von Marl und Haltern am See über die Zukunft ihrer Städte Seite 14 Stellungnahmen Wegbegleiter, Mitstreiter und Nachbarn zur Schließung Seiten 16+21 Stammbaum Das Verbundbergwerk Auguste Victoria und seine Vorgänger Seiten 17Ω20 Mitbestimmung Der Mensch steht bis zum Schluss im Mittelpunkt Seiten 22–24 Mitarbeiter Wirkungsvolle Maßnahmen für einen sozialverträglichen Auslauf Seite 25 Ausbildung Immer ein off enes Ohr für die Belange der Azubis Seite 26 Kultur Die vielfältigen Traditionen des Bergbaus in die Zukunft überführen Seite 28 Mannschaftsporträt Grubenwehr: im Einsatz für die Sicherheit Seite 30 Besucher Zahlreiche Prominente verewigten sich im Gästebuch des Bergwerks Seite 32 Strukturwandel RAG Montan Immobilien stellt Weichen für die Nachnutzung Seite 34 Bernd Tönjes, Vorsitzender des RAG-Vorstands Norbert Maus, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Betriebsräte im RAG-Konzern Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der RAG Deutsche Steinkohle


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