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Sonderausgabe_Bergwerk_Auguste_Victoria

A u g u s t e V i c t o r i a Steinkohle Stel lungnahmen 2 1 Horst Schmitz (72), stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins Marl e. V. Auf Wunsch der Bürger des Stadtteils Drewer-Süd habe ich mich 1999 als Vorsitzender der CDU Drewer-Süd für den Erhalt der Maschinenhalle am Erzschacht 4 eingesetzt. Das technikgeschichtlich bedeutsame Fördergerüst stand bereits seit 1995 in der Denkmalliste der Stadt Marl. Nur wenige Monate später krempelte ich dann mit einer Gruppe von rund zehn engagierten Männern – den „Erzschachtfreunden”, meist ehemaligen Martin Pennekamp (49), Inhaber des Blumengeschäfts Pennekamp, Marl-Hamm Ich schätze die Nähe zum Bergbau sehr, all die Traditionen, damit bin ich groß geworden. Unser Blumengeschäft liegt in der Waldsiedlung. Die Menschen hier bekommen den Strukturwandel schon zu spüren. Gerade im Einzelhandel macht er sich bemerkbar. Doch wir wollen die Stellung halten und haben uns einiges einfallen lassen, um unser Geschäft attraktiver zu machen. Durch den Ausbau unseres Sortiments im Bereich Geschenke kommen viele Kunden von außerhalb. Das sichert den Fortbestand unseres Ladens und zeigt: Es geht immer weiter. Bergleuten – die Ärmel hoch. 2005 konnten wir die Halle ihrer neuen Bestimmung als Museum übergeben. Bis heute treff en wir uns jeden Montagvormittag vor Ort zum Arbeitseinsatz: Irgendetwas gibt es immer zu tun! Führungen bieten wir nach Terminabsprache an. Ich bin erstaunt und froh, wie sehr Kindergärten und Schulen das Angebot nutzen. Denn es ist mir wichtig, dass auch unsere Enkel noch wissen, dass Kohle schwarz ist und dreckig macht. Christoph Paschke (43), Orthopädieschuhtechniker, Marl-Hamm Mein Großvater – ein gelernter Schuhmacher – kam 1913 aus Schlesien, um auf Auguste Victoria zu arbeiten. Später machte er sich mit einem Schuhgeschäft und einer Schuhmacherei selbstständig. Die Bergleute gehörten zu seinen ersten und treuesten Kunden. Meine Eltern übernahmen das Geschäft, heute führe ich es in der dritten Generation – am Markt in Marl-Hamm, nur 100 Meter Luftlinie von Schacht 3/7 entfernt. Unsere Kunden kommen heute aus der gesamten Region. Anfang des nächsten Jahres werden wir sogar eine kleine Filiale in Dülmen eröff nen. Dem Bergbau bleiben wir verbunden: Anlässlich der 50-jährigen Mitgliedschaft in unserer Schuh-Einkaufsgenossenschaft haben wir uns gerade auf Auguste Victoria fotografi eren lassen – an dem Ort, der für unser Familienunternehmen bis heute eine große Bedeutung besitzt. Wilhelm Heek (46), langjähriger Pastoralreferent der katholischen Kirchengemeinde Sankt Franziskus, Marl Zeichen der Verbundenheit mit dem Bergbau fi nden wir in unserer Gemeinde überall – von der Osterprozession, bei der Bergleute das Licht von Kirche zu Kirche tragen, bis zur Wegekapelle „Auf dem Acker” auf dem Zuweg zur Zeche. Mit der Veranstaltung „Schacht bei Nacht” vor der Kulisse der Zeche haben wir Mitte August Abschied vom Bergbau genommen – ganz bewusst mit einem geselligen Beisammensein. Es war schön zu sehen, dass dazu ganze Straßenzüge der Kolonie gemeinsam anrückten. Auch dieses großartige Fest wird uns über den Tag hinaus an den Bergbau erinnern. Egon Klinkenbuss (53), Abteilungsleiter Markscheiderei, Schriftführer des Vereins Bergbautradition e. V. Vor zwei Jahren haben aktive Bergleute von Auguste Victoria den Verein Bergbautradition gegründet. Heute haben wir schon fast 300 Mitglieder. Gemeinsam wollen wir die Traditionen des Bergbaus auch nach der Schließung der Zeche bewahren. Unser Tag der off enen Tür im Juni beispielsweise stand unter dem Motto „116 Jahre Bergbau in Marl”. Wir treff en uns im Bootshaus Marl am Kanal, das die RAG uns übergeben hat. Viele Mitglieder haben in den vergangenen Monaten angepackt, um das Haus als Vereinsheim herzurichten. Alle dem Bergbau verbundenen Menschen aus der Region und darüber hinaus laden wir ein, bei uns Mitglied zu werden und unsere zukünftige Arbeit mitzugestalten.


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