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Sonderausgabe_Bergwerk_Auguste_Victoria

Die Zukunft gemeinsam meistern Wegbegleiter, Mitstreiter und Nachbarn erinnern daran, wie der Bergbau ihr Leben geprägt hat und was sie aus Zusammenarbeit und Zusammenleben mitnehmen. Daniela Korte (46), Inhaberin des Getränkehandels Korte in Marl Unser Geschäft – der ehemalige Rewe-Markt Pichotka, den viele Bergleute noch unter dem Namen „Pichi” kennen – liegt gleich um die Ecke von Schacht 3/7. Unsere Frikadellen sind bei den Kumpeln Kult. Das Hackfl eisch wird frisch durchgedreht und kommt dann gleich auf den Bräter. Wir haben auch immer ein freundliches Wort für die Menschen, hier kannst du quatschen. Ich bin im Ruhrgebiet groß geworden, hier in der Nachbarschaft, da gehört der Bergbau dazu. Als kleines Mädchen habe ich meinen Opa – einen Bergmann – immer in die Kantine von Auguste Victoria begleitet, wo er Roll möpse für zu Hause gekauft hat. Rollmöpse und auch Bratheringe habe ich vor kurzem in unser Sortiment aufgenommen, die kann man jetzt bei uns kaufen. So lebt diese Tradition bei „Pichi” weiter. Ich freue mich aber auch über jeden, der einfach nur zum Quatschen kommt. Roland Wanke (50), Pfarrer der Evangelischen Stadt- Kirchengemeinde Marl Dem Bergwerk verdanken wir unsere Pauluskirche. Denn mit der Gründung des Bergbauunternehmens Gewerkschaft Auguste Victoria zogen immer mehr evangelische Bergleute in unser eigentlich katholisch geprägtes Gebiet. Das machte 1914 den Bau einer eige nen Kirche in Hüls möglich. Die Steine dazu kamen von der Zeche. Die Orgel stiftete die Familie des Zechengründers, unter anderem der damalige Direktor von Auguste Victoria, Paul Stein. Schon in den 1990er Jahren haben wir in der Paulus kirche die ersten Solidaritäts gottesdienste für den Bergbau ab gehalten. Der Abteufkübel mit der Aufschrift „Wir für Euch, Ihr für Uns” vor unserer Kirche setzt dem späteren Aktionsbündnis zwischen dem Bergwerk Auguste Victoria/Blumenthal, weiteren großen Industrieunternehmen sowie den Kirchen und Moscheen ein bleibendes Denkmal. Vertreter des Bündnisses haben dann Jahr für Jahr die Solidaritätsgottesdienste gestaltet und darin stets be kräftigt, die Zukunft gemeinsam meistern zu wollen. Werner Mertmann (67), Geschäftsführer der Bauunternehmung Mertmann, Haltern am See Wenn ich die lange und gedeihliche Zeit der Zusammenarbeit mit dem Bergbau Revue passieren lasse, dann denke ich an die vielen technischen Herausforderungen, die wir gemeinsam bewältigt haben. Wir, das sind unsere Maurer und Betonbauer und die Bergleute. Unser Betrieb liegt auf dem Gelände der Burg Ostendorf, in direkter Nachbarschaft von Auguste Victoria. Über und unter Tage haben wir Hand in Hand gearbeitet. Manchmal war ich über Wochen hinweg öfter auf der Zeche als in unserem Betrieb. Für mich als Bau ingenieur steht der Bergbau für höchste deutsche Ingenieurskunst. Dieses Know-how gilt es jetzt, weltweit weiterzutragen. Regina Arentz (49), Inhaberin Landgasthaus Zur Freiheit und Partyservice Arentz, Haltern am See In unserem Gasthaus haben sich die Bergleute früher die Klinke in die Hand gegeben. Die Kumpel habe ich dabei immer als unkompliziert erlebt. Da rückt eine Mannschaft an, da braucht keiner eine Extrawurst: 60 Leute, 60 Portionen Gulaschsuppe, 60 Bier – so ist der Bergbau. Durch unseren Partyservice bin ich persönlich auch in der Zeche ein- und ausgegangen. Ich habe es mir nie nehmen lassen, unsere Lieferungen selbst auszufahren: Schnittchen für die Teilnehmer von Grubenfahrten, Kanapees für so manchen prominenten Besucher. Aus unserem Schankraum kann ich direkt auf das Fördergerüst von Schacht 8 schauen. Ich würde mich freuen, wenn das erhalten bleibt – als Anerkennung der hoch entwickelten Technologie, die der Bergbau in meinen Augen darstellt. FOTOS: VOLKER WICIOK, OLAF ZIEGLER, DIETMAR KLINGENBURG 1 6 Stel lungnahmen Steinkohle A u g u s t e V i c t o r i a


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