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Sonderausgabe_Bergwerk_Auguste_Victoria

A u g u s t e V i c t o r i a Steinkohle Im Gespräch 1 5 Die Weichen rasch stellen Haltern am See gilt im Bewusstsein der öff entlichen Wahrnehmung nicht als klassische Bergbaustadt. Der Rückzug der Kohle triff t die Stadt dennoch empfi ndlich. Bürgermeister Bodo Klimpel bezieht Stellung zu den Auswirkungen. FOTOS: STADT HALTERN AM SEE Was verbindet Haltern am See mit dem Bergbau, und wie verkraftet Ihre Stadt die Schließung der Bergwerke? Das Halterner Stadt- und Landschaft sbild wird zwar nicht von großfl ächigen Zechengeländen dominiert. Der Bergbau fi ndet meist unsichtbar unter Tage statt, oberirdisch sind neben der Schachtanlage in Lippramsdorf noch Flächen der Anlagen AV 1/2 beziehungsweise AV 9 wahrnehmbar. Mit der Schließung der letzten Steinkohlenzechen geht jedoch ein erneuter Verlust von Arbeitsplätzen – auch in Branchen, die mit dem Bergbau wirtschaft lich verknüpft sind – einher, der auch in Haltern am See spürbar werden wird. Welche Auswirkungen befürchten Sie? Die negativen Auswirkungen des Kohlerückzugs haben Veränderungsprozesse angestoßen, die sich deutlich in unserer Region niedergeschlagen haben. Wir leiden massiv unter dem enormen Verlust von Arbeitsplätzen. Diese strukturellen Veränderungen sind noch nicht abgeschlossen. Wegen der hohen Arbeitsplatzverluste durch den Kohlerückzug gehört die Generierung von Beschäft igungs- und Wirtschaft swachstum zu den vorrangigen Entwicklungszielen der gesamten Region. Besondere Bedeutung kommt hierbei den interkommunalen Industrieflächen des geplanten newParks zu. Die Stadt Haltern am See unterstützt die Realisierung des newParks in der Nachbarstadt Datteln und erhofft sich Synergieeffekte bezüglich Arbeitsplätzen und vor- und nachgelagerten Betrieben, die nicht im Industriepark angesiedelt werden können, aber in räumlicher Nähe einen Betriebssitz errichten möchten. Unverkennbar sind im Übrigen auch immer wieder die Folgeerscheinungen des Abbaus: Wiederkehrend ereignen sich Erderschütterungen, die Bergschäden und Bergsenkungen insbesondere im Ortsteil Lippramsdorf nach sich ziehen. Inwieweit bietet die Nachfolgenutzung von Schacht 8 neue Potenziale? Die gewerbliche Nachfolgenutzung des Bergwerksstandorts Auguste Victoria Schacht 8 in Haltern am See/Marl ist zur- „Der Struktur- wandel in der Region ist noch nicht zu Ende.” Bodo Klimpel, Bürgermeister Haltern (CDU) zeit aufgrund des geltenden Regionalplans noch schwierig zu beschreiben. Die Ermöglichung einer zeitnahen gewerblichen Nachfolgenutzung ist ein vorrangiges Ziel unserer Wirtschaft sförderung. Bei der Nachfolgenutzung sind wir an Vorgaben der Regionalplanung gebunden. Hier werden derzeit die erforderlichen Weichenstellungen vorgenommen, um eine gewerbliche Nutzung realisieren zu können. Wo steht Haltern derzeit im Strukturwandel? Wie kaum eine andere Region in Nordrhein Westfalen wird das wirtschaft liche Leben der Emscher-Lippe-Region, zu der Haltern am See gehört, von den Folgen des Kohlerückzugs und den Anstrengungen zu deren Überwindung geprägt. In der Emscher-Lippe-Region ist der Strukturwandel noch nicht zu Ende. Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit von Stadt und RAG in den vergangenen Jahren? Ich bin Mitglied im Regionalbeirat der RAG, so dass ich allein schon deshalb im regelmäßigen Austausch stehe. Gleichzeitig will ich aber auch nicht verhehlen, dass ich der Meinung bin, dass dieser Austausch an Informationen in Einzelfällen sicherlich verbessert werden kann. Insbesondere Teile der Lippramsdorfer Bevölkerung haben hier nachvollziehbaren Verbesserungsbedarf. Welche Perspektiven sehen Sie im Wandel für Ihre Stadt? Unter sich ändernden Rahmenbedingungen bildet der Tourismus beziehungsweise die Freizeitwirtschaft in Haltern am See heute einen Schwerpunkt der Stadtentwicklung. In Zukunft wird es von großer Bedeutung sein, die Naherholungsfunktion Halterns und den Tages- und Mehrtagestourismus noch stärker als Impulsgeber auch für den Einzelhandel zu nutzen, um die Innenstadt zu stärken. Neben städtebaulichen Maßnahmen in der Innenstadt stehen dabei auch die Entwicklung der Flächen am See und insbesondere die Entwicklung des Areals am Seestern sowie die weitere städtebauliche Aufwertung der Achse Stausee–Innenstadt im Fokus. Rathaus von Haltern: Bürgermeister Bodo Klimpel will künftig verstärkt auf den Tourismus setzen.


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