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Sonderausgabe_Bergwerk_Auguste_Victoria

1 4 Im Gespräch Steinkohle A u g u s t e V i c t o r i a Den Neuanfang für Marl gestalten Das Bergwerk Auguste Victoria war ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt Marl und die Region. Die Planungen für die Folgenutzung des Geländes laufen auf Hochtouren. Marls Bürgermeister Werner Arndt zeigt die neuen Perspektiven auf. Mit der Veranstaltungsreihe „Marl sagt dem Bergbau ade” hat die Stadt dem Bergbau in diesem Jahr einen würdigen Abschied bereitet. Wie eng verbunden sind Bergbau und Stadt? Der Bergbau hat Wachstum und Wohlstand gebracht. Ohne den Bergbau und die Bergleute wäre Marl nicht die Stadt, die sie heute ist. Viele Bergbausiedlungen prägen heute noch das Stadtbild, und die Tradition und Kultur der Berg leute werden nach wie vor intensiv gelebt. Die Revitalisierung des Bergwerksgeländes ist ein wichtiges Zukunftsprojekt für Marl und die Region. Wie sehen Ihre Pläne für das Gelände aus? Wir haben schon früh – noch während der laufenden Kohlenförderung – die Weichen für eine Folgenutzung des Geländes von Auguste Victoria Schacht 3/7 gestellt. Wir beabsichtigen, das Gelände für ein Industrie- und Gewerbegebiet zu erschließen, um dringend benötigte Ersatzarbeitsplätze zu schaff en. Die neue Victoria – so der Arbeitstitel für das Projekt – ist eine der wenigen großen und zusammenhängenden Flächen im Ruhrgebiet, die in den nächsten Jahren für Industrie und Gewerbe erschlossen werden können. Unsere Vision ist, dass auf dem Gelände bis zu 1000 neue Arbeits- und Ausbildungsplätze entstehen. Bereits im September dieses Jahres konnten Sie erste Ergebnisse aus einer Machbarkeitsstudie vorstellen … Eine Reihe von spezialisierten Gutachterbüros arbeitet schon seit Mai dieses Jahres an der Machbarkeitsstudie für die Folgenutzung von AV 3/7. Die ersten Ergebnisse zeigen: Der Entwicklung des Geländes zu einem Industrie- und Gewerbegebiet stehen keine grundsätzlichen Hindernisse entgegen. 1000 Arbeitsplätze für Marl, lautet Ihre Vision. Wie wollen Sie dieses ehrgeizige Ziel erreichen? Der Standort AV 3/7 ist allein schon wegen seiner Größe und seiner mittelfristigen Erschließbarkeit sehr attraktiv für Unternehmen mit größerem Flächenbedarf. Darüber hinaus zeichnet sich das Gelände dadurch aus, dass es hervorragend an das Autobahn- und Schienennetz angeschlossen und zusätzlich mit einem eigenen Hafen direkt an das Kanalnetz angebunden ist. Damit dürft e die neue Victoria für größere Logistikunternehmen besonders attraktiv sein. Von daher sind 1000 neue Arbeitsplätze ein ehrgeiziges, aber nicht unrealistisches Ziel, das wir fest im Blick haben. Wie sehen die nächsten Schritte aus? In den nächsten beiden Jahren wird es – auf der Basis eines positiven Förderbescheids – darum gehen, detailliert zu prüfen, inwieweit Sanierung, Erschließung und Herrichtung der Teilfl ächen zu einem wirtschaft lich vertretbaren Aufwand umzusetzen sind. Dabei werden wir selbstverständlich auch die Belange der Anwohner berücksichtigen und auch keine Entwicklung anstoßen, die sich nachteilig auf den benachbarten Chemiepark auswirken könnte. Unser Ziel ist es, 2020 mit der Vermarktung der Flächen zu beginnen. Und dabei ziehen alle Beteiligten an einem Strang? Die Politik und Verwaltung in Marl – der Bürgermeister selbstverständlich eingeschlossen  – haben traditionell enge Kontakte zum Bergwerk, zur Leitung wie auch zur Mitbestimmung. Für die neue Victoria haben wir gemeinsam mit der RAG und der RAG Montan Immobilien GmbH eine Projektgruppe gebildet, in der alle Beteiligten partnerschaft - lich und pragmatisch zusammenarbeiten. Diese erfolgreiche Zusammenarbeit werden wir auch in Zukunft fortsetzen. Was bedeutet der Abschied von Auguste Victoria für Sie persönlich? Zunächst natürlich Wehmut. Ich komme aus einer Bergmannsfamilie, habe auf dem Bergwerk Schlägel & Eisen eine Ausbildung zum Energieanlagenelektroniker gemacht und auch einige Zeit unter Tage gearbeitet. Der Bergbau ist daher Teil meiner Identität und wird es immer bleiben. Bei aller Wehmut: Jedes Ende ist auch eine Chance für einen Neubeginn. Wir sollten diese Chance nutzen und unseren Blick nach vorne richten. „Ohne den Bergbau wäre Marl nicht die Stadt, die sie heute ist.” Werner Arndt, Bürgermeister Marl (SPD) Das Marler Rathaus: Die Stadt arbeitet bei den Planungen für AV 3/7 eng mit der RAG zusammen. FOTOS: STADT MARL


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