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Sonderausgabe_Bergwerk_Auguste_Victoria

A u g u s t e V i c t o r i a Steinkohle Technik-Highl ights 1 3 Die Dieselkatze DZ 2000 erreichte eine Gesamtzuglast von 67 Tonnen. Das Zentrallager auf AV 3/7 hielt bis zu 33.000 Artikel für die Versorgung sämtlicher Ruhrgebiets bergwerke bereit. Der Walzenlader SL 750 eignet sich für Flözmächtigkeiten von 2,40 Metern bis vier Metern. Beginn der 1990er Jahre wurde im Abbaubetrieb mit dem PAV 400 der Firma Preinfalk, einer Weiterentwicklung des EDW 300 der Firma Eickhoff , ein neuer Walzenlader eingesetzt. Dessen Winden wurden zum Fortbewegen der Maschine nicht mehr hydraulisch, sondern elektrisch angetrieben. Hierneben wurde im Abbaubetrieb auch der bereits erwähnte, 40  Tonnen schwere Eickhoff-Walzenlader SL 300/420 mit seinen zwei Meter mächtigen Walzenrädern eingesetzt. Der Walzenlader arbeitete mit IPC-Technik (In dus trie-Personal- Computer), konnte somit über eine Funkfernbedienung gesteuert werden. Mit dem 80 Tonnen schweren und 16 Meter langen DBT-Walzenlader EL 2000, der auf AV 2007 im Einsatz war, wurde der Weg in die Automatisierung der Walzentechnik weiter verfolgt. In der Maschine befanden sich Vibrations, Beschleunigungs- und Neigungssensoren, die Probleme in den Getrieben aufzeigen, Beschleunigungen sowie die Neigung messen konnten. Zudem verfügte die Maschine über drei Kameras, eine an jedem Tragarm und eine in der Mitte der Maschine, die der Kollisionsvermeidung dienten und deren Daten zum Leitstand geleitet wurden. Das Modell war auf AV aus technischen Gründen aber nur kurzzeitig in Betrieb. AV setzte daraufhin die Walzenlader der Bochumer Firma Eickhoff im Grubenbetrieb ein. Auch bei den Walzenladern der Firma Eickhoff wurde während des Schneidvorgangs nur noch sporadisch manuell eingegriffen. Zum Einsatz kam auf AV in den letzten Betriebsjahren die mittlerweile fast standardmäßige Technik des Eickhoff-Walzenladers SL 750. Der Walzenlader wurde für Flözmächtigkeiten von 2,40 Meter bis vier Meter konzipiert und verfügte über ein Gesamtgewicht von 78 Tonnen ohne Schneidwalze. Die Leistung der Schneidmotoren betrug zweimal 620 Kilowatt. Das jüngste Modell des SL 750 mit EiControl- Plus-Technologie arbeitet vollautomatisch und unterscheidet über Infrarotsensorik zwischen Kohle und Nebengestein. Ein Eingreifen des Menschen ist beim Betrieb dieser Maschine, die über eine Leistung von zweimal 1000 Kilowatt verfügt, tatsächlich nicht mehr notwendig. In der Vortriebstechnik arbeiteten in den 1990er Jahren unter anderem die Teilschnittmaschine AM 85 sowie der Continous Miner ABM 20. Der ABM 20, ausgestattet mit einer 5,1  Meter breiten Schneidwalze, konnte im Gegensatz zur Teilschnittmaschine die gesamte Streckenbreite aufschneiden und ermöglichte einen kontinuierlichen Vortrieb. Der Streckenausbau in Ankertechnik, die eine höhere Streckenqualität für die modernen Hochleistungsabbaubetriebe ermöglichte sowie schnell und mechanisiert eingebracht werden konnte, folgte direkt auf den Schneidvorgang. Im Einsatz war auf AV auch die 110 Tonnen schwere Voest- Alpine- Teilschnittmaschine AM 105, mit der AV im Dezember 2011 einen neuen, betriebsinternen Rekord im Streckenvortrieb erzielte, als im Baufeld 50 ein Vortrieb von 333 Metern gelang. Untertägiges Transportsystem Neben den Dieselkatzen vom Typ DZ 66 war seit 2002 auf AV/BL auch die Dieselzugkatze DZ 2000 in Betrieb. Im Vergleich zum Vorgängermodell erzielte die DZ 2000 mit 2,6 Metern pro Sekunde nicht bloß eine höhere Endgeschwindigkeit, sie verfügte auch über eine höhere Gesamtzuglast von insgesamt 67 Tonnen. Während das Vorgängermodell lediglich vier Gehänge ziehen konnte, zog die DZ 2000 bis zu zehn davon. Wurden für den Transport einer Schildausbaueinheit mit einem Gesamtgewicht von 16 Tonnen noch zwei Dieselkatzen vom Typ DZ 66 benötigt, so konnte eine DZ 2000 im Jahre 2010 vier Schildausbaueinheiten zu je 12,5 Tonnen transportieren. Fortschritte wurden auch auf dem Gebiet der „Auch technisch hat AV Maßstäbe gesetzt.” Klaus-Jürgen Reinewardt, Produktionsdirektor untertägigen IT-Infrastruktur erzielt. Im AV-Grubengebäude wurden Ende 2004 rund 20 Kilometer Glasfaserkabel verlegt und PC- Arbeitsplätze bis in die Abbaubetriebe hinein eingerichtet. So konnten nun vor Ort Daten und Konstruktionsbaupläne eingesehen und auch Materialbestellungen vorgenommen werden. Zu den bedeutenden Investitionen im Übertagebetrieb gehörte der Bau eines modernen Zentrallagers auf AV 3/7 im Jahr 2004. Die Zehn-Millionen-Euro-Investition ermöglichte die Aufhebung der bis dahin dezentralen Lagerhaltung auf den einzelnen Bergwerken. Das Zentrallager verfügte über eine Fläche von 4000  Quadratmetern, von denen die neue Lagerhalle „Süd III“ bereits 2295 Quadratmeter einnahm. Das Zentrallager sollte schließlich rund 33.000 Artikel für die Versorgung sämtlicher Bergwerke im Ruhrgebiet bereithalten. Eine Neuausrichtung der Hauptwasserhaltung erfolgte 2006. Das Grubenwasser von AV 8, Haltern 1/2, AV 3 und AV 1/2 wurde über die Pumpstation auf AV 1/2 nach über Tage gefördert und reguliert in den Sickingmühlenbach geleitet, stündlich rund 285 Kubikmeter, bis die Hauptwasserhaltung Ende 2006 von AV 1/2 nach AV 3/7 in den Norden Marls verlegt wurde. Anlass der Umstellung bildete einerseits das Auslaufen der Wasserrechte für den Sickingmühlenbach und andererseits die Verfüllung und vollständige Aufgabe der Schachtanlage AV 1/2 im Jahr 2007. Überirdisch mussten für dieses Vorhaben Leitungen von AV 3/7 über das Gelände des Chemieparks bis zur Lippe verlegt werden. Bevor das Wasser in die Lippe geleitet werden konnte, wurde es in einem Vergleichmäßigungsbecken gesammelt. Unter Tage wurden eine 45 Meter lange Pumpenkammer mit vier Pumpen sowie eine 240 Meter lange Sumpfstrecke gebaut aufgefahren. Insgesamt gelang es hierdurch, das AV-Streckennetz deutlich zu verkleinern.


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