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Sonderausgabe_Bergwerk_Auguste_Victoria

A u g u s t e V i c t o r i a Steinkohle Folgenutzung 1 1 Wer die Halde besteigt, genießt eine tolle Aussicht über Marl und Umgebung. Idyllisch: das Regenrückhaltebecken auf der Erweiterungs- fl äche der Halde. FOTOS: TOBIAS RÖMER sich verschiedenste Vogelarten sowie Schmetterlinge, Käfer und weitere Insekten. Als Besonderheit dürft en die bereits gesichteten Rehe und Eisvögel gelten. Planvolle Begrünung Die Begrünung der Halde funktioniert nicht durch einfaches Ansiedeln von Pfl anzen und Bäumen, sondern folgt, ebenso wie das Aufschütten der Halde selbst, einem genauen Plan. Das Bergematerial wird mit einer Schicht kulturfähigen Bodens bedeckt. Darauf kommt eine weitere Schicht, bestehend aus Waldboden oder landwirtschaftlichem Boden. Danach erfolgt die Begrünung: im ersten Schritt mit der Ansiedlung von rund 20 verschiedenen Kräuterarten und im zweiten Schritt durch die Bepfl anzung mit unterschiedlichen Gehölzarten aus vorwiegend heimischen Gefi lden. Dabei kommt es darauf an, Pfl anzenarten zu wählen, die mit diesem besonderen Untergrund zurechtkommen und entsprechend langlebig sind. So kam die Buche mit den Gegebenheiten nicht zurecht, während sich Bergahorne, Roterlen oder Birken sichtlich wohlfühlen. Wie die Halde Beckstraße mit dem Tetra - eder oder die Halde Hoheward mit dem Horizontobservatorium hat auch Brinkfortsheide eine eigene Landmarke auf ihrem Dach erhalten. Zwei Windräder ragen hier nicht nur in den Himmel, sondern leisten einen ausstoßarmen Beitrag zur Stromversorgung. Die Stromerzeugung der Anlage reicht aus, um rund 5300 Dreipersonenhaushalte mit Strom zu versorgen. Betrieben werden die beiden Windräder von der RAG Montan Immobilien GmbH. Die Windräder überragen das Umland um etwa 270 Meter. In dieser Höhenlage ist die Standfestigkeit der Anlage ein besonders wichtiger Faktor. Und so stehen die beiden etwa 1200 Tonnen schweren Windräder auf über 700 Quadratmeter großen Fundamenten aus Stahl und Beton, die über eine Tiefe von drei Metern verfügen. Wann und in welchem Umfang die Halde Brinkfortsheide für Freizeitangebote genutzt werden kann, entscheidet sich nach dem Ende von Auguste Victoria. Der standes gemäße Ablauf sieht vor, dass nach dem Ende des Bergwerks und der Rekultivierung der Halde zunächst die Sicherheit des Geländes zu prüfen ist. Nach der behördlichen Freigabe zur freizeitlichen Nutzung der Halde können beispielsweise Spaziergänger, Jogger und Fahrradfahrer die kilometerlangen Wege des Areals nutzen. Bereits freigegeben ist ein Fahrradweg entlang des Silvertbachs, der zwischen dem alten und dem neuen Teil der Halde hindurchführt. Die Halde Brinkfortsheide blickt auf eine über 60-jährige Geschichte zurück und wird der Region auch nach dem Ende von Auguste Victoria erhalten bleiben – als Naturraum und als Standort für erneuerbare Energien. Der Marler „Pendle Hill” Seit 2015 trägt Brinkfortsheide symbolisch den Namen „Pendle Hill”. Der originale Pendle Hill befi ndet sich in der englischen Grafschaft Lancashire, ungefähr 40 Kilometer von Manchester entfernt. Was das mit Marl zu tun hat? Ganz einfach, Marl feierte 2015 das 30-jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft mit dem Borough of Pendle, dem Verwaltungsbezirk, der umliegende Gemeinden des Pendle Hill umfasst. Bekannt ist die Region Pendle vor allem durch die „Pendle Walking Week”, die größte kostenlose Wanderveranstaltung Englands. Bis das deutsche Pendant des Pendle Hill in Marl zu ähnlicher Berühmtheit gelangt, dürfte es noch eine Zeit dauern. Die Voraussetzung bringt die Halde mit all ihren Tieren, Pfl anzen und Wegen jedenfalls mit.


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