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RAG_Ewigkeitsaufgaben_Ruhr

„ Durch bergbaubedingte Absenkungen müssen heute viele Flächen im Ruhrgebiet trocken gehalten werden. Dafür stehen wir langfristig ein.“ Stefan Hager, Servicebereichsleiter Standort- und Geodienste bei der RAG führungszentrale in Bottrop zusammen. Hierhin werden auch die Pegelstände der Bachläufe übertragen. Alle Betriebsanlagen, ob personell besetzt oder unbesetzt, werden rund um die Uhr auf ihre Funktionssicherheit hin zentral kontrolliert. Dabei macht das System besonders deutlich, wie das wasserwirtschaftliche Management vom Zusammenspiel einzelner Komponenten abhängt. Die Überwachung hat eine hierarchische Struktur: Von der übergeordneten Betriebsführungszentrale bis zur einzelnen Anlage gehen keine Betriebsdaten verloren; selbst kleinste Abweichungen vom Regelbetrieb werden registriert und ausgewertet. Ganz nebenbei spiegeln die Gebäude der Pumpwerke auch die Architekturepochen der vergangenen 100 Jahre wider. Vom Gründerzeitstil bis zur Moderne ist fast alles vertreten. Eine der auffälligsten Pumpanlagen im Revier steht auf dem Gelände der Zeche Nordstern in Gelsenkirchen-Horst. Das anlässlich der Bundesgartenschau 1997 vom Künstler Jürgen Fischer mit einer blauen Glasfassade verkleidete Pumpwerk wurde 1958 zur Entwässerung von Polderflächen gebaut, die durch den Bergbau entstanden waren. Während die Anlage das Wasser früher in die Emscher pumpte, wird heute der größte Teil des Abflusses in den unterirdischen Abwasserkanal zur Kläranlage Bottrop geleitet. 1914 geht das Pumpwerk Alte Emscher in Duisburg als erste Anlage in Betrieb. In den Folgejahren kommen weitere Pumpwerke in Bottrop, Gelsenkirchen und Dortmund hinzu. Längst sind aus Kostengründen die anfänglichen Schiffsdieselmotoren leistungsfähigen Elektromotoren gewichen. Bis 1930 betreibt die Emschergenossenschaft schon 13 Anlagen. 1933 nimmt der Lippeverband sein erstes Pumpwerk in Bergkamen in Betrieb. In der Zeit bis 1943 werden 19 Pumpwerke neu errichtet. Die Palette reicht von Großanlagen mit einer Pumpenleistung von 7.750 Liter pro Sekunde bis zu kleinen Pumpenhäusern mit einem Durchsatz unter 1.500 Liter pro Sekunde. In den Nachkriegsjahren wird Wirtschaftlichkeit zum zentralen Thema. Es entstehen sehr große Pumpwerke mit Hilfe des Druckluft-Bauverfahrens, das sich als kostengünstig und zuverlässig erweist. 1965 bestehen insgesamt 63 genossenschaftliche Pumpwerke mit einer Leistung von rund 258.000 Liter pro Sekunde. Mitte der 1970er Jahre betreibt die Emschergenossenschaft 83 Pumpwerke; das künstlich entwässerte Gebiet ist auf 290 Quadratkilometer angewachsen. Die Blockbauweise der Pumpen setzt sich fort, so dass neue Anlagen stark vereinfacht und normiert errichtet werden können. Zur größtmöglichen Automatisierung tragen sogenannte Einschaufelradpumpen bei, die verstopfungsfrei arbeiten. Die Geschichte der Pumpwerke EWIGKEITSAUFGABEN RUHRGEBIET 27


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