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RAG_Ewigkeitsaufgaben_Ruhr

HIGHTECH FÜR TROCKENE FLÄCHEN Die Anfänge des Polderns im Ruhrgebiet reichen bis ins frühe 20. Jahrhundert zurück. Starke hygienische Missstände führten zur Gründung der Wasserwirtschaftsverbände, die einen großen Teil der Pumpanlagen für die Wasserbewirtschaftung der Polderflächen in der Region betreiben. Zu den Mitgliedern der Verbände zählen Städte, Gemeinden und zahlreiche Unternehmen, darunter auch die RAG. 1914 nahm das erste Pumpwerk Alte Emscher in Duisburg-Beeck den Betrieb auf. Von Beginn an hatte vor allem die Betriebssicherheit der Anlagen höchste Priorität. Selbst bei starken Niederschlägen müssen die Anlagen ohne Unterbrechung in der Lage sein, den auftretenden Abfluss zu bewältigen. Besonders drei große Wasserwirtschaftsverbände teilen sich im Ruhrgebiet die Aufgabe: Emschergenossenschaft, Lippeverband und die Linksniederrheinische Entwässerungs Genossenschaft (LINEG) betreiben viele große und kleine Pumpwerke dafür. Insgesamt wird ein über 4.600 Quadratkilometer großes Einzugsgebiet durch die Verbände entwässert. Daneben betreiben RAG und Städte auch einige kleinere Pumpanlagen selbst. Die bergbaubedingten Anteile der Kosten für das Pumpen der Oberflächengewässer und des Grundwassers trägt die RAG und ab 2019 die RAG-Stiftung. KLEINE UND GROSSE PUMPWERKE Große Unterschiede gibt es bei der Leistungsfähigkeit der Pumpwerke. Zu welch enormen Leistungen die Pumpen fähig sind, macht ein Vergleich deutlich: Die Anlage in Gelsenkirchen Horst fördert bei maximaler Leistung von ca. 900 Kilowatt in einer Sekunde 3.600 Liter, das entspricht dem Inhalt von 30 Badewannen. Das leistungsstärkste Pumpwerk des Lippeverbands in Marl entwässert ein rund 8.000 Hektar großes Gebiet. Mit 3.840 Kilowatt ist die Anlage so stark wie ein ICE-Triebwagen und schafft bei Starkregen bis zu 20.000 Liter pro Sekunde. Übertroffen wird sie vom Pumpwerk Bottrop-Boye. Diese Anlage kann bei extremen Regenfällen in jeder Sekunde 42.000 Liter Wasser in die Emscher pumpen. Waren anfangs aus Sicherheitsgründen die Motoren möglichst hoch zu lagern und mit den darunter stehenden EWIGKEITSAUFGABEN RUHRGEBIET 26 Pumpwerk Gelsenkirchen-Horst. Pumpen über vertikale Wellen verbunden, so machte es die bessere Materialqualität der Gussteile möglich, die Motoren unmittelbar auf die Pumpen zu montieren. Auch wenn sich aus technologischer Sicht die Pumpwerke aus den Anfangstagen von den modernen Anlagen stark unterscheiden, sind die Pumpwerksarten und ihre Funktion weitgehend gleich geblieben. Unterschieden wird zwischen Bachpumpwerken, die den gesamten Abfluss eines Gewässers an den Rand eines Senkungsgebiets fördern, und Kanalisationspumpwerken. Letztere pumpen einströmendes Abwasser aus einer Senke im Kanal in den nächsten höhergelegenen Abwasserkanal oder Gewässerlauf. Außerdem gibt es auch Grundwasserpumpwerke, die den Grundwasserstand in Gebieten regulieren, in denen der Grundwasserspiegel zu nah an der Tagesoberfläche liegt. ZENTRALE ÜBERWACHUNG IN BOTTROP Stör- und Betriebsmeldungen fast aller Anlagen des Emscher- und des Lippeverbands laufen in der Betriebs-


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