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RAG_Ewigkeitsaufgaben_Ruhr

Einige Bäche können dadurch nicht mehr im freien Gefälle abfließen. Die Senken – sogenannte Polderflächen – müssen heute und zukünftig künstlich entwässert werden, um zu vermeiden, dass sich das Oberflächenwasser darin sammelt. Im gesamten Ruhrgebiet werden deshalb mehr als eine Milliarde Kubikmeter Wasser pro Jahr gepumpt – das entspricht der Wassermenge, die in fünf Tagen durch den Rhein bei Duisburg fließt. Die Senkungen haben verschiedene Auswirkungen. Ein klassisches Beispiel ist der Bach, der „rückwärts“ fließen müsste oder Mulden überschwemmt, weil sich sein Gefälle geändert hat. Hier sorgen Pumpen an der tiefsten Stelle des Gewässers für die ursprüngliche Fließrichtung des Wassers. Zudem kann an größeren Fließgewässern eine Erhöhung der Deiche zum Schutz vor Hochwasser erforderlich sein. Die Senkungen führen ohne regulierende Pumpen oft auch zu sogenannten Vernässungen. Sie entstehen, wenn sich der Abstand zwischen Oberfläche und Grundwasserniveau verringert und das Wasser nicht abfließen kann. 600 ANLAGEN IM GESAMTEN REVIER Das Regulieren des Wasserstands in Polderflächen wird als Poldern bezeichnet. Diese Praxis ist so alt wie der Bergbau im Ruhrgebiet. Gepoldert wird in vielen flachen Regionen, etwa den Niederlanden. Einige kleinere Pumpwerke betreibt die RAG selbst. Den größten Teil der Poldermaßnahmen bearbeiten die Wasserwirtschaftsverbände der Region, in denen die RAG Mitglied ist. Wasserwirtschaftlich betrachtet besteht das Ruhrgebiet aus einzelnen Regionen, begrenzt durch die Einzugsgebiete von Lippe, Emscher, Ruhr und Rhein. Die Wasserverbände wurden mit der Industrialisierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur gemeinsamen kommunalen und industriellen Wasserbewirtschaftung gegründet. Sie betreiben zahlreiche Pumpwerke. Dazu gehören unter anderem kleinere Einheiten im „Stromkastenformat“. Es sind aber auch große Anlagen in Betrieb, für die von den Wasserwirtschaftsverbänden ganze Gebäude errichtet wurden. Insgesamt verteilen sich rund 600 solcher Polder anlagen über das ganze Ruhrgebiet, die zum größten EWIGKEITSAUFGABEN RUHRGEBIET 25 Sieht aus wie ein Stromkasten, beinhaltet aber tatsächlich eine Pumpe: ein Abwasserpumpwerk in Bottrop. Teil von den Wasserwirtschaftsverbänden betrieben werden. Einige kleinere Anlagen betreibt die RAG selbst. Neben den Pumpwerken unterhalten die Wasserverbände noch Rückhaltebecken und Deiche. Als Mitglied der Verbände trägt die RAG die bergbaubedingten Kosten. In einigen Gebieten bringen die Veränderungen der Topographie, wenn auch erst nach Jahren, positive Auswirkungen mit sich: Wassernahe Flächen sind in unserer Kulturlandschaft selten geworden. Sie bieten als naturnahe Feuchtbiotope Pflanzen und Tieren Lebensraum und werden in Kooperation mit Behörden und Naturschutzverbänden erhalten (siehe auch Seite 24). In Bergkamen beispielsweise lassen sich heute rund um den Beversee, der in einer Senke des Beverbachs entstanden ist, Libellen, Graureiher und Baumfalken beobachten. Und am Wienbach in Dorsten hat sich eine über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Storchenfamilie angesiedelt. Beide Gewässer sind heute Teil von Naturschutzgebieten. 1 Mrd. Über 1 Milliarde Kubikmeter Wasser werden jedes Jahr im Ruhrgebiet gepumpt.


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