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Glueckauf_Oktober2016

04 GLÜCK AUF. GESCHICHTE Dienstag, 25. Oktober 2016 Eine bewegte Geschichte: Der Steinkohlenbergbau prägte das Ruhrgebiet und seine Menschen jahrzehntelang. FOTO: KNUT VAHLENSIECK Die RAG – eine wechselvolle Geschichte Der Steinkohlenbergbau in Deutschland ist geprägt davon, sich immer wieder anzupassen und neu zu erfinden. In den 80ern wird die Senkung der Förderkapazität fixiert. FOTO: RENNEMEYER/WAZ FOTOPOOL Die 90er Jahre sind geprägt von Bangen und Hoffen. FOTO: JOCHEN TACK/WAZ FOTOPOOL „Glück auf!“ rufen sich die Bergleute im Ruhrgebiet seit mehr als 150 Jahren zu. Mit der Entdeckung von Steinkohlevorkommen und insbesondere ihrer industriellen Förderung entwickelte sich das Ruhrgebiet zum fünftgrößten Ballungsraum Europas. Um die Zechen herum wuchsen Dörfer zu Städten und Hunderttausende fanden Beschäftigung in der Montanindustrie. Doch die Geburtsstunde der heutigen RAG schlug, als der deutsche Bergbau tief in der Krise steckte: Seit Ende der 1950er Jahre drangen vermehrt Importkohle und billiges Mineralöl auf die deutschen Energiemärkte, Absatzschwierigkeiten für die heimische Steinkohle und Bergwerksschließungen waren die Folge. Im Jahr 1968 verständigten sich das Bundeswirtschaftsministerium, die NRW-Landesregierung, die IG Bergbau sowie 19 Bergbauunternehmen auf die Schaffung der Ruhrkohle AG, die – bald erweitert auf 26 Unternehmen – für 94 Prozent der Ruhrkohle Fördermenge stand. Mit Maßnahmen zur Koordinierung und Optimierung gelang es der RAG, den Kohlerevieren und den Bergleuten Perspektiven zu geben. Immer wieder war das Unternehmen jedoch mit veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und politischen Vorgaben konfrontiert. Verhandlungen auf politischer Ebene führten 2007 zum Steinkohlefinanzierungsgesetz: Der subventionierte deutsche Steinkohlenbergbau sollte mit dem Jahr 2018 sozialverträglich beendet werden. Dazu fand eine Neuordnung des RAG-Konzerns statt: Der „schwarze“ Bergbau- wurde vom „weißen“ Beteiligungsbereich getrennt, der sich fortan als Evonik Industries AG weiter entwickeln konnte. Beides wurde gebündelt unter dem Dach der RAG-Stiftung. Von nun an konzentrierte sich die RAG als reines Bergbauunternehmen wieder auf ihre Kernkompetenz, die Steinkohlenproduktion. In den verbleibenden Jahren des Steinkohlenabbaus steht die RAG vor großen Herausforderungen: Bis zum Jahr 2018 kommt das Unternehmen seiner Aufgabe nach, die vorgegebenen Fördermengen zu erfüllen. Gleichzeitig gilt es, die verbleibenden Mitarbeiter auf die Zeit nach der Schließung der letzten Zeche vorzubereiten. Denn: kein Bergmann fällt ins Bergfreie. So lautet nicht nur die Verpflichtung, die in den politischen Beschlüssen zur Beendigung des subventionierten Steinkohlenbergbaus festgehalten ist. Die sozialverträgliche Ausgestaltung des Auslaufkurses entspricht auch voll und ganz dem Geist der Solidarität, der unter den Bergleuten herrscht. Als im Dezember 2015 die Produktion des Bergwerks Auguste Victoria in Marl endete, nahmen rund 700 Beschäftigte eine Tätigkeit in den verbliebenen Bergwerken Prosper- Haniel und Anthrazit Ibbenbüren auf. Wenn Ende des Jahres 2018 die letzten Bergwerke die Produktion einstellen, hört die Arbeit für die RAG jedoch nicht auf: Die Aufgaben reichen von den Ewigkeitsaufgaben über die Entwicklung ehemaliger Standorte und die Weitergabe des Bergbau Know-hows bis zur Sicherung des kulturellen und historischen Erbes. Den Wandel mit voranzutreiben und zu gestalten hat für den Bergbau und die RAG Tradition.


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