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Seite 6 // Glück auf. Tecklenburger Land. Dienstag, 27. September 2016 Grubenwasserkonzept in Ibbenbüren Größtmögliche Transparenz und Information Die Grubenwasserhaltung gehört zu den Ewigkeitsaufgaben des Steinkohlenbergbaus. Es handelt sich um Maßnahmen der Wasserhaltung, die auch nach Beendigung der Steinkohlenförderung dauerhaft fortbestehen. Dafür benötigt man ein Grubenwasserkonzept, in das alle notwendigen Maßnahmen einfließen, die eine nachhaltige langfristige Wasserhaltung sicherstellen. Ein solches Konzept wird derzeit für den Standort Ibbenbüren erstellt. Zur Beantwortung von Fragen aus dem Bereich der Wasserhaltung haben sich vier Experten der RAG einem Interview gestellt: • Heinz-Dieter Pollmann, Markscheider der RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH • Johannes Wulfern, Gewässerschutzbeauftragter der RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH • Markus Roth, Bereichsleiter Grubenwasserhaltung Planung der RAG AG • Joachim Löchte, Zentralbereichsleiter für Arbeits-, Gesundheits und Umweltschutz der RAG AG Was ist Grubenwasser, Herr Pollmann? Grubenwasser entsteht, wenn das Regenwasser im Boden versickert, entlang der Gesteinsschichten und Klüfte in die Tiefe absinkt und in das Grubengebäude eindringt. Auf seinem Weg durch das Gebirge löst das Wasser Minerale aus dem Gestein, vor allem Salze, aber auch Eisen und Sulfat. Das ist ein natürlicher Vorgang, wie er auch bei der Grundwasserneubildung stattfindet. Der Unterschied zur oberflächennahen Grundwasserneubildung besteht in der Tiefe, in die das Wasser versickert. Durch seine Entstehung enthält das Steinkohlengebirge Natriumchlorid (NaCl), besser bekannt als Kochsalz. Eisen und Sulfat kommen aus den ober- flächennahen Gesteinsschichten. Das zufließende Grubenwasser würde die Arbeit unter Tage unmöglich machen. Daher muss es an einer zentralen Stelle des Bergwerks, dem so genannten Pumpensumpf, gesammelt und über leistungsstarke Pumpen und Rohrleitungen wieder zurück an die Tagesoberfläche gehoben werden. Wo wird das Grubenwasser bisher eingeleitet? Unsere heutige Grubenwasserhaltung teilt sich in zwei Bereiche. Zum einen nehmen wir an der Anlage Gravenhorst das Wasser aus dem stillgelegten Westfeld an. Zum anderen läuft die Wasserhaltung des aktiven Ostfeldes über den Standort Püsselbüren. An den beiden Standorten erfolgt die Behandlung der Wässer, wie beispiels- weise die Eisenabscheidung auf Gravenhorst oder die Klärung in den Absetz- becken in Püsselbüren Die Einleitungen werden bezüglich Menge und Qualität laufend überwacht. Worin unterscheiden sich die beiden Bereiche? Das Westfeld wurde 1979 stillgelegt. Seit 1982 nehmen wir hier das Grubenwasser im freien Auslauf an. In über 30 Jahren Wasserannahme und -aufbereitung konnten wir viele Erfahrungen über die Entwicklung der Qualität des Grubenwassers im Zusammenspiel mit dem Umfeld sammeln. Bei dem noch aktiven Ostfeld haben wir es mit sogenanntem Tiefenwasser zu tun. die zusätzlich zu den Untersuchungen des Grubenwassers zu erfüllen sind. Zur Überprüfung der Grubenwasserqualität, in Bezug auf die Anforderungen der Wasserrahmenrichtlinie, erarbeiteten wir mit dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) und der Bezirksregierung Arnsberg in Nordrhein-Westfalen einen Parameterkatalog. Das LANUV wertet die Daten aus, um den Einfluss von Grubenwasser auf den Zustand von Gewässern zu beurteilen. Welche Besonderheiten gibt es bezüglich des Grubenwasserkonzeptes in Ibbenbüren, Herr Pollmann? Zwei Besonderheiten zeichnen das Bergwerk Ibbenbüren aus. Zum einen sind wir das Bergwerk unter dem Berg. Es gibt hier keine mächtigen Sande und Kiese über der Lagerstätte, wie zum Beispiel am Niederrhein. Das Steinkohlengebirge tritt hier an der Tagesoberfläche aus. Dadurch bedingt haben wir auch andere Höhenverhältnisse zu den Gewässern. Die zweite Besonderheit ist, dass wir hier am Standort bereits ein Bergwerk stillgelegt haben. Aufgrund der langjährigen Erfahrungen und der gesammelten Daten aus der Wasserhaltung des Westfeldes bauen alle Planungen auf einer sehr guten Grundlage auf. Das laufende Projekt „Langfristige Wasserhaltung“ ist in der Vergangenheit mit dem Westfeld bereits erfolgreich durchgeführt worden. Das ist für die Bearbeitung außerordent lich hilfreich. In unseren Planungen zur Grubenwasserhaltung gibt es ebenfalls Besonderheiten. Oberste Prämisse ist eine sichere Wasserhaltung, die die Auswirkungen auf die Umwelt minimiert und damit auf jeden Fall nachhaltig ist. Dabei muss sie auch bezahlbar sein. Zusätzlich zu den Standardlösungen, wie die Regelung des Wasserspiegels im Bergwerk über Pumpen, prüfen wir zurzeit sehr intensiv die Auffahrung eines Grubenwasserkanals, der die Wässer des Ostfeldes durch das Westfeld nach Gravenhorst bringt. Der Kanal hätte zum einen den Vorteil, dass er für das Westfeld einen zweiten Wasserweg bietet. Zum anderen würde das Wasser an einer Stelle gesammelt, an der es aufbereitet wird. Eine Behandlung der Wässer wird in den Planungen ebenfalls berücksichtigt. Damit ist nicht nur das Abscheiden von Eisen, sondern sind auch weitergehende Maß nahmen, wie die Reduzierung von Sulfat, gemeint. Das Aufbereitungs ver - fahren, das zu der erwarteten Wasser - menge und Zusam mensetzung passt, wird im Moment durch mehrere Gutachter- büros ermittelt. Welche Auswirkungen hat ein Grubenwasseranstieg? Die Auswirkungen des Grubenwasseranstiegs sind vielschichtig. Grundsätzlich bedeutet das Ansteigen des Wassers im Grubengebäude die Wiederherstellung oder zumindest die Annäherung an das vorher vorhandene Gleichgewicht des Wasserregimes. Durch den sich im Gebirgskörper aufbauenden Wasserspiegel durchfließt das Oberflächenwasser nicht mehr die tiefen Gesteinsschichten. Minerale aus den tiefen Lagerstättenteilen werden nicht mehr in dem Maße ausgewaschen, wie das bei einem laufenden Bergwerk der Fall ist. Durch den Wasserdruck wird auch das Austreten von Grubengas aus der verbliebenen Kohle und dem Nebengestein verhindert. :HOFKH%HJOHLWVWRIIHEHÀQGHQVLFKLP Grubenwasser, Herr Wulfern? Bei den Begleitstoffen handelt es sich vor allem um Salze, Metalle und Mineralien, die natürlichen Ursprungs sind, weil sie vom Regenwasser auf seinem Weg unter Tage aus den Gesteinsschichten gelöst werden. Um die Inhaltsstoffe immer im Blick zu haben, betreibt die RAG Anthrazit Ib ben- büren GmbH ein Grubenwassermonitoring. Hierbei wird das Was- ser auf einen umfangreichen Parameterkatalog an Begleit - Erfahrung mit Westfeld gesammelt stoffen getestet. Über - prüft werden dabei auch Substanzen wie zum Bei - spiel Polychlorierte Biphenyle (PCB), die als vorgeschriebenes Brandschutzmittel bis Mitte der 1980er Jahre in Hydraulikölen enthalten waren. Wie wird das Grubenwasser überwacht? Die Grubenwasserhaltung findet auf Grundlage wasserrechtlicher Erlaubnisse statt, die die RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH bei der Bezirksregierung beantragt. Die ausgestellten Genehmigungen beinhalten Vorgaben zur Menge und, falls behördlich erforderlich, zu einzuhal- tenden Qualitäten. Eine Analyse des Grubenwassers erfolgt unter anderem durch unser betriebseigenes Labor. Täglich werden die Grubenwasser- qualitäten in der Kläranlage Püsselbüren und dreimal wöchentlich in der Kläranlage Gravenhorst überwacht. Einmal monatlich wird das Grubenwasser durch ein externes Labor nach einem umfassenden Parameterkatalog, der zum Teil über den behördlich gefor- derten Umfang hinausgeht, geprüft und vierteljährlich der Bergbehörde und der Unteren Wasserbe- hörde vorgelegt. Welche Behörden achten auf die Einhaltung der Grenzwerte? Einmal jährlich führt die Bezirksregierung Arnsberg, in Begleitung der Unteren Wasserbehörde, eine Überprüfung der bergbaulichen Gewässerbenutzungen, eine so genannte Gewässerschau, durch. Dabei erhält die Bergbehörde unter anderem Einblick in die Betriebstagebücher, in denen die Fachleute ihre relevanten Tätigkeiten in der Wasserhaltung dokumentieren. Die wasserrechtlichen Genehmigungen enthalten weitere Nebenbestimmungen, wie etwa die Meldung der eingeleiteten Wassermengen oder die Benennung eines Betriebsbeauftragten für Gewässerschutz, mmer eibt nh Beihenyle h i b nes Param übe d d Ei Bez i B l Markus Roth, Joachim Löchte, Heinz-Dieter Pollmann und Johannes Wulfern (v.l.) an der Enteisungsanlage der Kläranlage Gravenhorst.


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