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Seite 14 // Glück auf. Tecklenburger Land. Dienstag, 27. September 2016 In Szene gesetzt: Ein fotografisches Denkmal für den Steinkohlenbergbau Eva Rammes widmet der Ibbenbürener Kohleproduktion einen Bildband Filigrane Geduldsarbeit Fritz Raßmann bringt den Bergbau in Flaschen unter Es ist eine kleine eigene Welt, die Fritz Raßmann da schafft. Dort wo einst Tropfen wie „Asbach uralt“ abgefüllt waren, befinden sich heute kleine Figuren. Sie stellen Szenen des Bergbaus dar und vermitteln ein Stückchen der Kultur und Tradition. Die Rede ist von den „Geduldsflaschen“, die Fritz Raßmann in stundenlanger und filigraner Feinarbeit anfertigt. Für den ehemaligen Ibbenbürener Bezirksleiter der IGBCE sind seine „Geduldsflaschen“ ein großes Hobby. „Als Geduldsflaschen werden themenbezogene Figuren bezeichnet, die in das Innere von Glasflaschen eingebaut werden“, erklärt der gebürtig aus Moers stammende Raßmann. Seit 2005 hat er sich auf bergmännische Geduldsflaschen spezialisiert. Jedes ein Unikat, angefertigt in stundenlanger, filigraner Feinarbeit. Die Größen der Flaschen variieren. Von der großen Dreiliter-Flasche bis zum kleinen Schnapsfläschen. Dabei setzt Raßmann nicht einfach nur irgendwelche Figuren in die Flasche. Alles, was am Ende das Gesamtwerk ausmacht, ist Handarbeit. Die Figuren dreht der gelernte Betriebsschlosser, der seine Lehre im Bergwerk Friedrich-Heinrich in Kamp-Lintfort absolvierte, aus Buchenholz. Dann lackiert er sie so, wie es seinen Vorstellungen entspricht, bevor es an die Flaschen und das Zusammensetzen geht. In ihnen verbaut er zunächst Kreuze, auf denen er schließlich die Figuren platziert. Für die wahre „Geduldsarbeit“, denn je nach Größe sitzt Raßmann an so einer Flasche manchmal über zwei Wochen, dienen schmale Werkzeuge als Hilfe. Diese haben Greifer und Raßmann steuert sie über Seilzüge. Die Holzkreuze, auf denen nachher die Figuren platziert werden, liegen übereinander und sind drehbar. Wenn schließlich die Figuren ihren Platz in ihrem gläsernen Zuhause gefunden haben, ist es für den Betrachter wie der Blick in eine eigene kleine Welt. Kleinste Figu- ren in Bergmannskluft oder Traditionskleidung mit Schlägel und Eisen oder mit Fahnen der Knappenvereine der Bergbauregionen oder Szenen mitten aus der Arbeit heraus. Fritz Raßmann hat mit seinen „Geduldsflaschen” eine Möglichkeit gefunden, ein Stückchen der Bergbauwelt und damit auch ein Stückchen Tradition auf kleinstem Raume zu verewigen. Fritz Raßmann fertigt Geduldsflaschen auch nach Wunsch an. Informationen über Mail an fritzrassmann@t-online.de Die Schokoladenseite des Bergbaus Petra Ahrens aus Laggenbeck kreiert Anthrazitsplitter Bei dem Wort „Anthrazitsplitter“ denkt man zuerst an Kohle und Wärmerzeugung und nicht an eine Praline. Anders bei Petra Ahrens aus Laggenbeck: Sie erfand mit den „Anthrazitsplittern“ eine Schokopraline passend zur Bergbauregion. „Ich fragte mich, warum es in Ibbenbüren keine Stadtpraline gab“, erinnert sich die gelernte Ökotrophologin. Die Ideensuche, wie eine solche Praline aussehen könnte, ließ sie nicht los. Ihre Kohleheizung brachte schließlich die Lösung. „Ich habe die Anthrazitkohle betrachtet und mir gedacht: Das ist es“, erzählt Ahrens. Sie probierte Mehrfaches aus und schuf schließlich aus feinster belgischer Zartbitterschokolade und Mandelsplittern eine täuschend echt wirkende süße Anthrazitkohle. Um wirklich jedes Detail zu erfassen, recherchierte sie eingehend. Mit Silberstaub, einer Lebensmittelfarbe ähnlich wie Blattgold, konnte sie Glanz auf ihre süße Kohle bringen. Sie setzte damit ein verführerisch leckeres Markenzeichen für die Bergbauregion. „Ich bin schon ein bisschen stolz darauf, dass mir das mit den Anthrazitsplittern eingefallen ist“, lacht Ahrens, die in Laggenbeck ihre süßen Köstlichkeiten erschafft. Die Pralinenherstellung ist für Petra Ahrens eine Leidenschaft, die mit einem Hobby begann. Heute hat sie sich mit ihrer Herstellung von Pralinen, Schokoladen und anderen süßen Sachen selbstständig gemacht. Dabei arbeitet sie nach Kundenauftrag. Das Individuelle und Einzigartige ist ihr wichtig. „Bei mir gibt es nichts von der Stange“, erklärt Ahrens, die ihrer Kreativität und Experimentierfreude nach neuen Kreationen gerne freien Lauf lässt. „Auf Märkten bleiben viele Besucher aus der Region vor den Anthrazitsplittern mit glänzenden Augen stehen. Für sie sind die Splitter eine süße Erinnerung an den Berg- bau“, erzählt Petra Ahrens. Auch Touristen erfreuen sich an der süßen Köstlichkeit, die es wahlweise mit Orange oder Ingwer und als spezielle Kreation auch mit Chili gibt. Im Stadtmarkting der Stadt Ibbenbüren wird die „Kohle“ verkauft. „Das ist die einzige Kohle, die gegessen werden kann“, grinst Ahrens, die die „Schokoladenseite“ des Bergbaus vertritt. Anfragen unter: L.A.Trueffel@t-online.de Was ist der Bergbau in Ibbenbüren? Und was bleibt? Diese Frage beschäftigte Eva Rammes schon zu Studienzeiten. Die gelernte Fotografin und Absolventin des Studiengangs „Fotografie und Kommunikationsdesign“ an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg ist in Ibbenbüren geboren. „Ich bin an der Zechenbahn und der alten Kohlenwäsche aufgewachsen“, erzählt Rammes. Als sie für ihre Ausbildung und das spätere Studium nach Norddeutschland zog, realisierte sie aber erst, wie prägend der Industriezweig für Ibbenbüren ist. „In Norddeutschland habe ich erst richtig gemerkt, was Heimat eigentlich für mich bedeutet“, weiß die junge Fotografin heute. Unweigerlich gehört zu der Heimat eben auch der Bergbau, doch dessen Ende war zu den Studienzeiten von Eva Rammes bereits besiegelt. Das weckte in ihr den Wunsch, diesem Industriezweig ein fotografisches Denkmal zusetzen. Heraus kam schließlich ein Bildband mit dem Titel „Glück auf – Was bleibt“. In einer modernen Bildsprache, die vorwiegend in der Mode- und Werbefotografie zu finden ist, verewigte Rammes den Ibbenbürener Steinkohlebergbau auf ihre eigene Art und arbeitete die Frage auf „Was ist und was bleibt vom Bergbau in Ibbenbüren?“. Fotos von unter und über Tage: Gebäude, Bergmänner und Halden. Minimalistisch, auffallend hell und teilweise auch abstrakt in Szene gesetzt. Texte zu der wirtschaftlichen und politischen Situation über das Ende des Steinkohlebergbaus. So gestaltet sich das fotografische Werk von Rammes, das auch für den deutschlandweiten Kunstförderpreis „Gute Aussichten“ nominiert wurde. „Der Bildband war für meine Masterarbeit. Es soll jedoch ein Langzeitprojekt sein“, sagt die Ibbenbürenerin, die seit Anfang 2015 im Werbehaus „Freiraum“ freiberuflich tätig ist. Sie möchte an ihre Arbeit anknüpfen und mit ihrer Leidenschaft für die Fotografie den Bergbau, aber auch den wirtschaftlichen Wandel nach der Steinkohlezeit von Ibbenbüren festhalten. Denn die Frage, was ist und was bleibt vom Bergbau in Ibbenbüren ist für Eva Rammes noch längst nicht beantwortet. Infos unter: www.werbefotografie-rammes.de


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