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20170504-Beilage-Wissen-RAG-JW

20 GLÜCK AUF. WISSEN. Freitag, 28. April 2017 Einzigartige Sammlungen Das Montanhistorische Dokumentationszentrum sichert, erschließt und erforscht Bergbaugeschichte Etwa 300.000 bis 350.000 Objekte aus allen Bereichen bergmännischer Technik und Kultur zählen die Sammlungen des montan.dok unter der Leitung von Dr. Michael Farrenkopf. FOTOS: HELENA GREBE,SEDA KARAOGLU Seit 2001 vereint das Montanhistorische Dokumentationszentrum – kurz montan.dok – am Deutschen Bergbau-Museum Bochum (DBM) die musealen Objektsammlungen, die schriftlichen Quellen des 1969 gegründeten Bergbau-Archivs sowie die Bestände der Bibliothek und Fotothek. Die musealen Objektsammlungen reichen historisch bis in das 19. Jahrhundert zurück. Auf Grundlage eines kulturwissenschaftlichen Sammlungskonzepts erstrecken sie sich von technischen Großgeräten und Arbeitsmaterialien über bergbauliche Uniformen bis hin zu Münzen und Briefmarken. Insgesamt umfassen die Sammlungen rund 350.000 Objekte. Das Bergbau-Archiv Bochum ist das zentrale Branchenarchiv für den Bergbau in Deutschland. Hier wird mit über 330 Beständen, 33 Spezialsammlungen und einer Belegfläche von rund 6,5 Regalkilometern ein einzigartiger Bestand bewahrt. Die Bibliothek beinhaltet circa 85.000 Bände mit vorrangig bergbaulicher Thematik. Angeschlossen ist eine Fotothek mit circa 150.000 Aufnahmen. Das montan.dok ist nicht nur das Gedächtnis des Bergbaus, sondern auch der bedeutendste Standort zur sammlungsbezogenen Montanforschung. Auf die Bestände können nationale und internationale Forscher zugreifen – auch online. So trägt die gut ausgebaute Forschungsinfrastruktur maßgeblich dazu bei, den Auftrag des DBM als Forschungsmuseum der Leibniz-Gemeinschaft zu erfüllen. Darüber hinaus führt das montan.dok zahlreiche Forschungsprojekte in den Bereichen Montanwesen, Technik-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte sowie Sammlungsforschung und Digitalisierung durch – vorrangig im Zeitraum der Industrialisierung. Neben dem aktuellen Projekt „Vom Boom zur Krise“ erforscht das montan.dok mit Unterstützung der RAG-Stiftung im Projekt „Getrenntes Bewahren – Gemeinsame Verantwortung“ deutschlandweit vorhandene Sammlungen zum Steinkohlenbergbau. „Wir möchten zentrale Zugangsstelle werden für Wissenschaftler und Bürgerforscher, die irgendwann etwas zum Steinkohlenbergbau, dessen Historie und Überlieferung wissen wollen. Wir bieten ihnen dann einen exakten Zugriff auf Dokumente“, so Dr. Michael Farrenkopf, Leiter des montan. dok und Mitglied im Direktorium des DBM. Die RAG-Stiftung leistet mit ihrem Engagement im montan.dok, bei der Technischen Hochschule Georg Agricola und der neuen Dauerausstellung im DBM einen wichtigen Beitrag dazu, Bochum zu einem international anerkannten Ort für Bergbaugeschichte und Georessourcen zu machen. i Weitere Infos unter www.bergbaumuseum. de/montan dok Menschen im Bergbau Oral History: Ein digitaler Gedächtnisspeicher archiviert das Wissen über den Bergbau in lebensgeschichtlichen Interviews Wie haben die Menschen – die historischen Akteure – die Entwicklungen des Steinkohlenbergbaus erlebt und wie schätzen sie diese rückblickend ein? Der Hauer und der Vorstand gehören ebenso dazu wie der frühere „Gastarbeiter“, der doch auf Dauer blieb, der Betriebsrat, der Bergaufsichtsbeamte und die Bergarbeiterfrau. Unterschiedlichste Biografien stehen sich gegenüber, etwa die des Bergarbeiters, dessen Vater und Großvater schon „auf Zeche gingen“, oder die des Heimatvertriebenen, dem der Bergbau die Möglichkeit bot, sich eine neue Existenz aufzubauen. Die Historiker wollen auf diese Weise erfahren, wie die Menschen in den Bergbauregionen ihre Lebens- und Arbeitswelt wahrgenommen haben, und damit die wissenschaftliche Forschung zum deutschen Steinkohlenbergbau um die lebensgeschichtliche Überlieferung ergänzen. In dem gemeinsam vom montan.dok und der Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets durchgeführten Oral-History-Projekt werden seit 2014 bis 2018 insgesamt 80 bis 100 lebensgeschichtliche Interviews zusammengetragen. In der Gesamtschau ergibt sich so eine einzigartige Dokumentation, die Geschichte greifbar macht. Die Sicherung der Gespräche nach archivfachlichen Standards ermöglicht eine dauerhafte Nutzung des Materials durch Wissenschaft, Medien, Museen und Schulen. Somit bleibt das Wissen über den Bergbau als prägender Faktor für die Kultur der Region lebendig. Die Bochumer Historiker um Projektleiter Dr. Stefan Moitra (links) sichten das umfangreiche Videomaterial. FOTO: OLAF ZIEGLER


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