RAG_15

20170504-Beilage-Wissen-RAG-JW

Freitag, 28. April 2017 GLÜCK AUF. WISSEN. 15 Studium trifft Praxis unter Tage Praktikanten und Beflissene lernen den Bergbau aus erster Hand kennen und erwerben bei der RAG die Grubenreife Bergmännische und markscheiderische Studiengänge vermitteln nicht nur Fachwissen, sondern beinhalten oftmals auch praktische Erfahrungen. Als Praktikanten oder Beflissene haben Studierende die Möglichkeit, verschiedene Bergbauzweige und -betriebe kennenzulernen. Ziel ist es, bergmännische Befähigungen, Fertigkeiten und Kenntnisse zu erlernen. Auch bei der RAG findet eine solche Vermittlung praktischen Wissens statt. Praktikanten auf dem Bergwerk Prosper-Haniel absolvieren in der Regel ein duales Bachelorstudium in Bergbau, Maschinenbau oder Elektrotechnik, für das ein Praktikum erforderlich ist. Beflissene dagegen absolvieren ein bergbaunahes Masterstudium wie Rohstoffingenieur- oder Markscheidewesen. Da sie später oft im staatlichen Auftrag arbeiten, sind sie im Beflissenen-Verzeichnis registriert und stehen während ihrer Ausbildung in ständigem Kontakt mit der Bergbehörde. Nach 80 Schichten Grundausbildung, davon mindestens 40 in einem untertägigen Betrieb, leistet der Beflissene eine Probegrubenfahrt ab, bei der seine Fähigkeiten unter Tage geprüft werden und bergbauliche Grundfragen beantwortet werden müssen. Bei erfolgreicher Prüfung erlangt der Beflissene die Grubenreife. Die weiterführende Ausbildung umfasst nochmals 40 Schichten, die sich auf die übertägige Überwachung, Planung und Steuerung eines Bergbaubetriebes beziehen. Die schriftliche Abschlussarbeit schließlich wird in Abstimmung mit der zuständigen Bergbehörde vorgenommen. Falls ein Beflissener später im höheren Staatsdienst tätig werden will, muss er noch ein 6-monatiges Referendariat bei einem Bergwerksbetrieb sowie ein Staatsexamen absolvieren. Dann darf er sich Bergassessor nennen. Jonas Müller, derzeit Referendar auf Prosper-Haniel, möchte beispielsweise später bei der Bezirksregierung Arnsberg tätig werden. „In den acht Monaten habe ich sieben Bereiche des Bergwerks kennengelernt – Belegschaftsschutz, Vorleistung, Instandhaltung, Abbau, Logistik, Markscheiderei und Stabsstelle“, erläutert er. Beflissene und Praktikanten durchlaufen auf Prosper-Haniel zu zweit die Abteilungen und lernen die verschiedenen Funktionen kennen. „Schade, dass in Zukunft die Beflissenenausbildung im Steinkohlenbergbau nicht mehr möglich ist“, meint Philipp Hamann, der an der RWTH Aachen studiert und später im australischen Bergbau arbeiten möchte. „Ich würde jedem eine Anfahrt unter Tage wünschen. Das ist eine andere Welt und sehr beeindruckend.“ Und Jonas Müller fügt hinzu: „Die Ausbildung unter Tage ist ein absolutes Highlight – vor allem das Verhältnis der Kumpel untereinander: grob und herb, aber trotzdem kumpelhaft.“ Reinhard Maly Geschäftsführer Cavity GmbH, Rheinberg „Zu Beginn der Beflissenen-Ausbildung war ich zum ersten Mal unter Tage. Ich sah da Schwerstarbeit und war gleichzeitig fasziniert. Als Beflissene mussten wir alles mitmachen, was auch die Bergleute machen. Auch in nicht so einfachen Betriebspunkten durften wir Erfahrungen sammeln“, erinnert sich Reinhard Maly, der ab 1977 Beflissener auf den Bergwerken Hugo und Westerholt war. „Wir konnten aber auch Ideen einbringen.“ Er studierte Markscheidewesen an der RWTH Aachen und war nach dem Referendariat zunächst bei der DSK tätig. Während der Beflissenenzeit hat er einen Ausbildungsabschnitt, den man in einem steinkohlenfremden Betrieb machen musste, auf dem Steinsalzbergwerk Borth in Rheinberg absolviert. „Da habe ich das Salz lieben gelernt und bin nach dem 2. Staatsexamen nach Borth gegangen. Und nicht in die Steinkohle.“ Er übernahm dort zügig die Leitung der Markscheiderei und war in dieser Funktion bis 2002 tätig. Dann ist das Bergwerk an die K+S-Gruppe verkauft worden. Reinhard Maly blieb bei seinem Arbeitgeber und war in der Cavity GmbH als Prokurist zuständig für die Rückstellungen und Bergschadensbearbeitungen des Steinsalzbergbaus am Niederrhein. Seit 2008 ist er Geschäftsführer. Norbert Benecke DMT Group, Essen / Koordinator EIT RawMaterials „Schon während der Beflissenenzeit wurde ich mit verantwortlichen Aufgaben betraut. Dadurch habe ich Praxis gelernt und war in meiner späteren Funktion als Markscheider auf vieles vorbereitet – sowohl vom Fachlichen her als auch vom Umgang mit den Bergleuten“, resümiert Norbert Benecke. Vor und während des Studiums Markscheidewesen an der RWTH Aachen war er Beflissener auf den Bergwerken Prosper-Haniel und Westerholt, wo er auch seine Diplomarbeit schrieb. Schon als Referendar beim damaligen Landesoberbergamt in Dortmund arbeitete er als ausgebildeter Assessor und dann als 2. Markscheider auf Prosper-Haniel. 1991 wechselte er in die DSKVerwaltung und baute dort als Abteilungsleiter den Bereich Geoinformation auf. In 2000 wechselte er zur DMT, die damals noch zur RAG gehörte, und war dort im Umweltmonitoring, im Tunnelbau u. a. tätig. Seit 2015 ist Norbert Benecke seitens der DMT Projektleiter beim europäischen Innovationsnetzwerk EIT RawMaterials, mit dem die EU die Rohstoffverfügbarkeit in Europa verbessern möchte. „Jetzt bin ich also wieder für den Bergbau tätig“, so Benecke. „Allerdings nicht mehr für energetische, sondern für mineralische und metallische Rohstoffe.“ Die Ausbildung unter Tage gehört bei bergmännischen und markscheiderischen Studiengängen dazu. FOTO: RAG


20170504-Beilage-Wissen-RAG-JW
To see the actual publication please follow the link above