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Freitag, 28. April 2017 GLÜCK AUF. WISSEN. 11 Das Forschungszentrum Nachbergbau an der TH Georg Agricola beschäftigt sich mit den komplexen Herausforderungen der Bergbaufolgen Rund 150 Jahre industrieller Steinkohlenbergbau haben in der Region Spuren hinterlassen – wie überall, wo Bergbau betrieben wurde. Mit ihnen verantwortungsvoll umzugehen, ist nicht nur im Ruhrgebiet, sondern international eine Herausforderung. Wenn 2018 die letzten beiden Steinkohlenbergwerke in Deutschland schließen, endet zwar die Kohleförderung, nicht aber die Verantwortung für die Bergbaufolgen. Schließlich gilt es, die sogenannten Ewigkeitsaufgaben und Fragen des Nachbergbaus zu lösen. Denen widmet sich aus wissenschaftlicher Perspektive das Forschungszentrum Nachbergbau. Die weltweit einzigartige Einrichtung wurde im Oktober 2015 an der Technischen Hochschule Georg Agricola (THGA) in Bochum eröffnet und beschäftigt sich mit den komplexen Herausforderungen von Bergwerkschließungen, Nachsorgemaßnahmen und Folgenutzungen. Schon 2013 wurde an der Hochschule der Masterstudiengang „Geoingenieurwesen und Nachbergbau“ etabliert, für den die RAGStiftung eine Stiftungsprofessur fördert. Die Themen, zu denen geforscht wird, reichen von Grund- und Grubenwassermanagement über Grubengas und Schachtsicherung bis hin zu Flächen und Halden. Dazu arbeiten Experten aus Bergbau und Markscheidewesen, Geologie und Geotechnik sowie Hydrogeologie in einem interdisziplinären Team zusammen – kompetent und unabhängig. Unterstützung finden sie bei Bergbehörden und verantwortlichen Unternehmen. Spitzenforschung – weltweit gefragt „Bei aktuellen Forschungsprojekten legen wir den Fokus insbesondere auf die Ewigkeitsaufgaben des Steinkohlenbergbaus“, so Prof. Dr. Christian Melchers, wissenschaftlicher Leiter des Forschungszentrums. Um ein nachhaltiges Niveau des Grubenwasserstandes zu finden, arbeiten die Wissenschaftler z. B. an einem neuen unterirdischen Überwachungssystem. Sensible Sensoren, die sonst in der Tiefsee eingesetzt werden, führen in stillgelegten Schächten Messungen durch, wenn längst kein Bergmann mehr einfahren kann. Mit ihnen beobachten die Wissenschaftler den Zustand der Strecken und Schächte, analysieren die Wasserqualitäten und beobachten die nachbergbaulichen Auswirkungen. Ein weiteres Forschungsfeld: Um Gefahren wie Tagesbrüche zu vermeiden, ermitteln sie systematisch oberflächennahe Hohlräume oder alte Erbstollen – dabei kommen nicht nur alte Grubenrisse, sondern auch modernste Satellitentechnik zum Einsatz. Die liefern Geodaten aus dem All – zum Monitoring für den Alt- und Nachbergbau. Spitzenforschung im Bereich Nachbergbau ist auch weltweit gefragt: Immer mehr Länder interessieren sich für den nachhaltigen Umgang mit ehemaligen Lagerstätten, vom Braunkohletagebau bis zur Gold- oder Uran- gewinnung. Bereits heute erstrecken sich die Forschungsaktivitäten der THGA von China bis Südamerika. Denn die Frage, was mit Regionen nach dem Ende von Bergbauaktivitäten geschieht, ist von globalem Interesse. K In einem zertifizierten Risikomanagement überwacht die RAG alte Schächte und tagesbruchgefährdete Bereiche. Dabei könnte in Zukunft eine technische Innovation helfen. In Zusammenarbeit mit der THGA entwickelt die RAG den „Mineberry“, ein mobiles Monitoringsystem. Der Clou: Die autark arbeitende Technik basiert auf kostengünstigen Einplatinencomputern von der Größe einer Kreditkarte. Daran lassen sich Sensoren anschließen, die zum Beispiel die Füllsäule eines Schachtes überwachen. Bei Bewegungen sendet der Mineberry eine E-Mail an die Tagesbruchbereitschaft von RAG und an den Befahrungstrupp von RAG Montan Immobilien. Im Rahmen seiner Abschlussarbeit im Studiengang „Geoingenieurwesen und Nachbergbau“ entwickelte RAG-Mitarbeiter Stefan Schnell einen Anforderungskatalog für den Mineberry. „Derzeit testen wir einen Prototypen, der vielversprechende Ergebnisse liefert“, erklärt Schnell. Altbergbau im Blick »Wir sprechen bewusst von Ewigkeitsaufgaben und eben nicht von -lasten. Denn für Aufgaben gibt es Lösungen.« Prof. Dr. Christian Melchers, wissenschaftlicher Leiter des Forschungszentrums Nachbergbau Weltweit einzigartig Das Forschungszentrum Nachbergbau ist weltweit einzigartig. Es beschäftigt sich mit Bergwerkschließungen, Nachsorgemaßnahmen und Folgenutzungen. FOTOS: THGA


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