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2016_01_19_Glueck_auf_Verantwortung

Seite 8 // Glück auf. Verantwortung. Dienstag, 19. Januar 2016 Ein Lob der Kolonie Die RAG hat auch jenseits der Werktore Verantwortung für ihre Mitarbeiter übernommen. Ein Beispiel sind die Bergarbeitersiedlungen, die den Bergleuten eine Heimat gaben. Die Kolonien sind bis heute attraktive Wohnstandorte mit ganz viel Charme. Bergarbeitersiedlungen haben die Städte an Rhein und Ruhr maßgeblich geprägt. Die sogenannten Kolonien entstanden ab Mitte des 19. Jahrhunderts, als immer mehr Arbeiter in der Stahl- und Bergbauindustrie eine Beschäftigung fanden. Die Industrie musste schnell neuen Wohnraum schaffen. Die meisten Siedlungen entstanden in direkter Nachbarschaft zu Bergwerken und Stahlhütten. Nicht wenige Kolonien übernahmen dann gleich den Namen der Zeche. Ein gutes Beispiel dafür ist die zum Wohnungsbauunternehmen Vivawest – an dem unter anderem auch die RAG beteiligt ist – gehörende Siedlung Fürst Hardenberg im Dortmunder Norden. Die nach dem preußischen Reformer benannte Schachtanlage lag gleich nebenan und beschäftigte am Ende des 19. Jahrhunderts weit über 1000 Kumpel. Für sie entwarfen die beiden namhaften Berliner Architekten Paul Mebes und Paul Emmerich eine Siedlung, die sich an dem damals neuesten Trend orientierte: der Idee der Gartenstadt. Gewachsene soziale Netze Das Konzept des Briten Ebenezer Howard, lockere, wenig verdichtete Siedlungen mit großen Gärten zu bauen, war eine Reaktion auf die schlechten Lebensbedingungen in englischen Industriestädten. Howards Gartenstadt-Idee fand auch in Deutsch- land schnell Anklang, nicht zuletzt im Ruhrge- biet. In der Siedlung Fürst Hardenberg wuchs über viele Jahrzehnte eine enge historische Verbindung zwischen Arbeiten und Wohnen. Über Nachbarschaft und den gemeinsamen Arbeitgeber Bergbau entwickelte sich ein dichtes Netz sozialer Beziehungen. Eltern gaben nicht selten Wohnungen an die Kinder weiter. Mit der Schließung der Schachtanlagen Fürst Hardenberg und Minister Stein in den 1980er Jahren fand dies jedoch ein jähes Ende. Später, in den 1990er Jahren, erhielt die Siedlung im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA) eine Verjüngungskur, die den drohenden Niedergang der Kolonie beendete und den Weg in die Zukunft frei machte. Mit dem Verschwinden der Stahlwerke und dem kontinuierlichen Schrumpfen des Steinkohlenbergbaus gerieten neben Fürst Hardenberg auch viele andere Arbeitersiedlungen in die Krise. Die Wohnungen orientierten sich meist noch an den Bedürfnissen der 1930er Jahre oder der Nachkriegszeit: Kohlefeuerung, kleine Wohnungsgrößen und fehlende Modernisierungen machten sie zunehmend unattraktiv. Vielen Kolonien drohte sogar der Abriss, etwa der Carl-Funke-Siedlung in Essen. Gerade noch rechtzeitig wurde sie unter Denkmalschutz gestellt. Notwendige Modernisierungen Heute gehört die Carl- Funke-Siedlung wieder zu den Perlen unter den Kolonien. Ihre Besonderheit im Vivawest- Bestand: Einige Häuser sind im sogenannten Heimatstil gebaut – mit romantischem Fachwerk im Drempelund Giebelbereich. Siedlung Fürst Hardenberg in Dortmund: Die Luftaufnahme zeigt den Altbestand mit Ziegeldächern und die Neubebauung im Innenbereich. FOTO: BLOSSEY Die oft aus ländlichen Gegenden stammenden Arbeiter sollten sich sofort heimisch fühlen. „Mit behutsamen Sanierungen haben wir hier und an vielen anderen Stellen Denkmalschutz, energetische Erfordernisse und moderne Wohnansprüche in Einklang gebracht“, sagt Roger Hartung, Bereichsleiter Quartiersentwicklung bei Vivawest. Von den insgesamt über 120.000 Wohnungen der Vivawest befinden sich 10.000 Wohnungen in 42 Bergarbeitersiedlungen. „Das sind jetzt wieder sehr beliebte Wohngegenden“, so Hartung. Das gilt auch für die Siedlung Moers-Repelen, die ab 1930 entstand und bis Ende der 1950er Jahre immer wieder erweitert wurde. Viele Besucher, die der „Route der Industriekultur“ folgen, finden ihren Weg in das Viertel, um die liebevoll restaurierten Backsteinhäuser zu bewundern. Die Kolonie der früheren Zeche Rheinpreussen verknüpft Elemente des Backsteinexpressionismus und der sogenannten Neubacksteingotik – beides angesagte Baustile der 1920er Jahre. Kultur der Backsteingotik Beeindruckende Stufengiebel, hübsche Arkaden und Spitzbögen oder originelle Klinkermuster an den Häuserwänden geben den Arbeiterwohnungen eine sehr individuelle Note. Während umfangreicher Sanierungen in den 1990er Jahren wurde die Backsteinoptik teilweise wiederhergestellt und herausgeputzt. Auch im Sinne des Denkmalschutzes. Im Innern der Gebäude wurden jedoch viele der über 1300 Wohnungen zusammengelegt oder neu zugeschnitten. Heute findet man hier im Vivawest-Portfolio zeitgemäße Grundrisse zwischen 60 und 105 Quadratmeter Größe sowie eine moderne Infrastruktur. Gemeinsam mit dem Flair einer gewachsenen Kolonie ergibt das eine Mischung, in der man sich schnell zu Hause fühlt. Die Carl Funke-Siedlung in Essen ist mit ihren Gebäuden im Heimatstil von hohem städtebaulichem Wert. FOTO: VIVAWEST WOHNEN GMBH RAG zeigt Solidarität mit Flüchtlingen Sowohl der Konzern als auch die RAG-Mitarbeiter engagieren sich auf vielfältige Weise für Flüchtlinge. Zum Beispiel in der Flüchtlingsunterkunft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) an der Karlstraße in Recklinghausen-Hochlarmark. Die Bereitschaft der RAG AG, 17 Standorte für die Einrichtung von Flüchtlingsunterkünften zur Verfügung zu stellen, sorgte im Sommer 2015 für viel positive Resonanz. Doch das Engagement des Unternehmens und seiner Mitarbeiter geht längst viel weiter. Der Notunterkunft für Flüchtlinge an der Karlstraße in Recklinghausen Hochlarmark etwa spendete die RAG einen Kleintransporter. Auf dem Gelände der RAG betreibt das Deutsche Rote Kreuz eine dezentrale Erstunterkunft für 300 Menschen, in der die Flüchtlinge sich aufhalten, bevor sie auf verschiedene Städte verteilt werden. Das Fahrzeug wurde vom Deutschen Roten Kreuz dringend benötigt, um die Fahrten der Menschen zu Ärzten oder Behörden besser organisieren zu können. Die RAG hatte bereits zuvor einen Geldbetrag gespendet und die Einrichtung der Unterkunft unbürokratisch unterstützt. Auch die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) engagiert sich intensiv bei der Flüchtlingshilfe. Außerdem gibt es Spendenaktionen der RAG-Belegschaft. Ein Teil des gesammelten Geldes soll ebenfalls der Unterkunft an der Karlstraße zur Verfügung gestellt werden. RAGGesamtbetriebsratsvorsitzender Norbert Maus, der gemeinsam mit dem stellvertretenden RAG-Vorstandsvorsitzenden Peter Schrimpf und Prof. Dr. Hans- Peter Noll, Vorsitzender der Geschäftsführung der RAG Montan Immobilien, den Kleinbus übergab, lobte insbesondere das Engagement der RAG-Mitarbeiter: „Unsere Kolleginnen und Kollegen haben schon oft gezeigt, dass sie Solidarität leben können.“ Vielleicht dachte der Gewerkschafter dabei auch an den ehemaligen RAG-Mitarbeiter Werner Beermann. Seit September unterrichtet der frühere Ausbildungsleiter am TÜV Nord College in Recklinghausen Flüchtlinge im Fach Deutsch. Seine 25 Schüler stammen aus Guinea, Syrien, Afghanistan, Nigeria sowie Eritrea und flüchteten aus ihren Heimatländern. „Als der Schulleiter mich mitten im Urlaub anrief, habe ich nicht damit gerechnet, dass er mich bitten würde, Flüchtlinge zu unterrichten“, berichtet Beermann. Jetzt vermittelt er vier Stunden pro Woche die „Fremdsprache Deutsch“. Erklärungen gibt es dabei nicht selten mit Händen und Füßen, denn nicht alle Schüler sprechen Englisch. Trotz aller Hindernisse ist Beermann zuversichtlich, dass seine Klasse nach einem Jahr einen Einstieg in die deutsche Sprache geschafft haben wird. „Ihr Lerneifer ist enorm“, so Beermann. Peter Schrimpf, stellvertretender RAG-Vorstandsvorsitzender (vierter von rechts) und RAG-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Norbert Maus (links) bei der Übergabe eines Personentransporters an das DRK Recklinghausen. FOTO: KLINGENBURG „Unsere Kolleginnen und Kollegen haben schon oft gezeigt, dass sie Solidarität leben können.“ Norbert Maus, RAG-Gesamtbetriebsratsvorsitzender


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