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2016_01_19_Glueck_auf_Verantwortung

Dienstag, 19. Januar 2016 Glück auf. Verantwortung. // Seite 7 Fit für die Zukunft Ehemalige Bergwerksmitarbeiter sind in vielen Branchen gefragte Fachkräfte und finden neue berufliche Perspektiven. Im Zuge des Auslaufs des deutschen Steinkohlenbergbaus unterstützt die RAG ihre Mitarbeiter, eine neue berufliche Zukunft aufzubauen. Dafür gibt es bei der RAG sogar eine eigene Personalvermittlung. Dort setzen ein Stellenakquisiteur und vier Stellenvermittler alles daran, dass ihre Kolleginnen und Kollegen einen neuen Arbeitsplatz jenseits des Bergbaus finden. Stellenakquisiteur Peter Brans ist einer der Personalvermittler. Er verfügt über ein großes Netzwerk und knüpft stetig neue Kontakte. Dazu zählen Aktiengesellschaften genauso wie Mittelständler und Einmannbetriebe. Einen guten Draht hat Brans zum Beispiel zur Abfallentsorgungs Gesellschaft Ruhrgebiet (AGR) in Gelsenkirchen. Dirk Wagenknecht, Personalverantwortlicher bei der AGR, absolvierte selbst eine Ausbildung im Bergbau und kennt die Branche gut. „Die Kultur aus dem Bergbau passt zu unserem Betrieb. Die Offenheit und das klare Wort schätzen auch wir bei der AGR“, erklärt er. Die Mitarbeiter der RAG seien gut ausgebildet und motiviert. Sie erhalten eine Qualifikation und nehmen dann ihre Arbeit beispielsweise als Baumaschinenfahrer auf. Die Zusammenarbeit „Wir bieten die bestmögliche Unterstützung an.“ Torsten Schlücking, RAG-Stellenvermittler mit der RAG habe sich seit vielen Jahren bewährt, so Wagenknecht. Stellenvermittler bieten umfassende Unterstützung Um sein Netzwerk weiter auszubauen, beobachtet Brans den Stellenmarkt, spricht Firmen an – oder er bekommt Anfragen nach Personal. „Wir wollen niemanden überreden, eine neue Arbeit anzutreten. Aber es bestehen heute noch gute Möglichkeiten, Mitarbeiter zu qualifizieren, ihnen Praktika und schließlich auch andere Tätigkeiten zu vermitteln. Nach 2018 gibt es diese Mittel nicht mehr. Deshalb sollten alle Betroffenen die Chance jetzt nutzen“, betont Brans. Die Stellenvermittler bilden die Multiplikatoren. Sie sind Ansprechpartner für die Mitarbeiter der RAG, machen Aushänge, gehen auf die Belegschaft zu und unterstützen beim Bewerbungsverfahren. Sie helfen beim Verfassen der Bewerbungen, simulieren Vorstellungsgespräche und informieren über Schulungen und Qualifizierungen. Torsten Schlücking, einer der vier Stellenvermittler, arbeitet selbst seit 30 Jahren im Bergbau und kennt die Mitarbeiter gut. „Wir tun alles dafür, um die Mitarbeiter fit für ihre neue Aufgabe zu machen. Sie bekommen die bestmögliche Unterstützung von uns“, so Schlücking. Begehrte Fachkräfte in vielen Branchen Wie begehrt ehemalige Bergwerksmitarbeiter in anderen Branchen sind, zeigt das Beispiel von Lars Schmidt-Heikamp. Als Auszubildender zum Mechatroniker begann er seine berufliche Laufbahn auf dem Bergwerk Prosper-Haniel in Bottrop. Nach einem Jahr als Betriebselektriker entschied er sich, Automatisierungstechnik an der Fachhochschule Bocholt zu studieren. Im Anschluss kam er als Trainee zurück auf das Bergwerk und wurde Elektrosteiger. „In den Seminaren lernte ich viel über Menschenführung. Das half mir bei meiner Arbeit sehr“, sagt Schmidt-Heikamp. Ende 2012 bewarb sich der Bottroper selbstständig auf eine Stelle als Ingenieur für Elektro- und Prozessleittechnik beim Essener Spezialchemiekonzern Evonik. Mit Erfolg. „Ich wusste von Beginn an, dass mir der Bergbau keine langfristigen Perspektiven bieten kann, obwohl ich dort sehr gerne gearbeitet habe. Gerade die Welt unter Tage ist schon etwas Außergewöhnliches“, erzählt Schmidt-Heikamp. Heute plant er die Elektrik für chemische Anlagen, deren Automatisierung sowie die Visualisierung von Prozessen. „Bei der RAG ebenso wie bei Evonik besitzt die Sicherheit oberste Priorität. Auch geht es damals wie heute in meinem Job um die möglichst hohe Verfügbarkeit der Anlagen, die ich betreue und betreut habe, so dass der Wechsel nicht schwerfiel“, so der Ingenieur. Auch bei Linda Osterbrink hat der Branchenwechsel geklappt. Sie ging im Mai 2013 vom Bergwerk Ibbenbüren zur Universitätsklinik nach Münster und bereut den Schritt keineswegs. „Es kamen schon Bedenken auf, als ich die neue Stelle antrat. Zumal ich immer gerne auf dem Bergwerk gearbeitet habe“, erzählt sie. Doch die politische Situation ließ ihr keine Wahl. Auf dem Bergwerk begann sie 2002 als Assistenz der Einkäufer und zeichnete nach einer Weiterbildung selbst als Einkäuferin verantwortlich. Hier bearbeitete sie Warengruppen wie Büromaterial, Stahlund Schmierstoffe sowie Sicherheitsausrüstung. „Nun kümmere ich mich um andere Waren, aber das System blieb gleich, so dass ich mich schnell einarbeitete“, sagt sie. Zudem sei sie jetzt Teamleiterin. Osterbrink: „Dennoch bleibt das Bergwerk für mich präsent, weil ich in Ibbenbüren wohne und oft daran vorbeifahre.“ Früher bei der RAG, heute beim Spezialchemiekonzern Evonik beschäftigt: Lars Schmidt-Heikamp. FOTO: ZIEGLER Partner in Sachen Stellenvermittlung: Dirk Wagenknecht, Personalverantwortlicher bei der Gelsenkirchener AGR (Mitte), mit Torsten Schlücking (links) und Peter Brans von der RAG. FOTO: KLINGENBURG Zeitzeugen geben Einblicke Hautnah und authentisch: Bei Führungen und in Gesprächen berichten ehemalige Bergleute im Deutschen Bergbau-Museum Bochum, auf der Zeche Zollverein und der Zeche Zollern über die Arbeit über und unter Tage. Fast andächtig hören die Teilnehmer der „Zeitzeugen“-Gespräche auf der Zeche Zollern in Dortmund dem Mann in ihrer Mitte zu: Emil Diebel berichtet über seine Zeit als Elektroreviersteiger unter Tage – an seinem ehemaligen Dienstort, der inzwischen ein Museum ist. Diebel gehört zu einer kleinen Gruppe ehemaliger Bergleute im Ruhrgebiet, die ihr Wissen über den Bergbau heute ehrenamtlich weitergeben – ob dort, wo sie früher selbst arbeiteten, oder an anderen historischen Stätten. Im Deutschen Bergbau-Museum in Bochum stellen sich ebenfalls ehemalige Bergleute als Gesprächspartner zur Verfügung. Sie postieren sich an Vortriebsmaschinen und Ausbauschilden innerhalb der Ausstellung und freuen sich über die Fragen der Besucher. „Triff den Bergmann“ heißt die Reihe. Die Idee dazu entstand in den Bochumer Knappenvereinen. Auch Edgar Fischer gibt innerhalb der Reihe Einblicke in sein früheres Leben als Grubenelektriker auf der Zeche Gneisenau in Dortmund: „Es ist fast immer ein Besucher „Wenn die Menschen erfahren, was wir geleistet haben, dann sieht man den Respekt in den Gesichtern.“ Günter Stoppa, ehemaliger Bergmann dabei, der wissen möchte, wo der Bergmann eigentlich aufs Klo geht“, schmunzelt er. Auf der Zeche Zollverein in Essen sind die ehemaligen Steiger ebenfalls begehrt: Vor 27 Jahren fand die erste Führung von Günter Stoppa statt, der viele Jahrzehnte auf der Zeche arbeitete. Stoppa ist einer der Ehemaligen, die in ihrer Freizeit die Veranstaltung „Steigerführung mit Püttgeschichten“ begleiten. Früher besuchten vor allem Menschen aus der Region die Veranstaltung, heute stellt sich das Publikum internationaler dar. Was Stoppa jedem Einzelnen vermitteln will, ist die Liebe zu seinem Pütt, die Kameradschaft und die Solidarität im Bergbau. „Bei den Führungen bekommen wir auch viel zurück“, erzählt er. „Wenn die Menschen erfahren, was wir geleistet haben, dann sieht man den Respekt in den Gesichtern – ob beim Vorstand einer Bank aus Bayern oder beim Teenager aus dem Ruhrgebiet, der mehr über die Arbeit seines verstorbenen Opas Zeitzeuge: Emil Diebel (r., mit Franz Sadowski) erzählt auf Zeche Zollern vom Alltag unter Tage. FOTO: LWL/HUDEMANN erfahren möchte.“


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