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Seite 6 // Glück auf. Verantwortung. Dienstag, 19. Januar 2016 FOTO: ZIEGLER Neue Perspektiven für das Ruhrgebiet RAG stellt gemeinsam mit Kommunen und Bürgern Weichen für die Folgenutzung. Mit der Schließung des Bergwerks Auguste Victoria verabschiedet sich die RAG in Marl vom Bergbau, doch das Engagement des Unternehmens geht weiter. Seit Februar 2013 nehmen RAG und RAG Montan Immobilien ihre Verantwortung wahr, Wertschöpfung und Beschäftigung zu sichern. Gemeinsam mit der Stadt Marl, der Evonik Industries AG als Betreiber des Chemieparks sowie der logport ruhr GmbH, einem Gemeinschaftsunternehmen der RAG Montan Immobilien und der Duisburger Hafen AG, wurden die Weichen mit einem Förderantrag für eine Machbarkeitsstudie gestellt, um einen möglichst nahtlosen und wirtschaftlichen Übergang für eine Anschlussnutzung des Geländes von Auguste Victoria, Schacht 3/7 zu erreichen. Alle Beteiligten wollen das Projektgebiet als Standort mit einer neuen sowohl regional bedeutsamen als auch stadtteilverbundenen Nutzungsstruktur entwickeln und eine nachhaltige Folgenutzung mit den Schwerpunkten Logistik, Industrie und – in den Randbereichen – Gewerbe schaffen. Um die lokalen Potenziale innerhalb des Stadtteils Marl-Hamm dauerhaft zu stärken, werden in einem regelmäßigen Austausch Bürger zu Einzelthemen und zum Projektfortschritt eingebunden. Eine Zukunft über 2015 hinaus Seit Mai arbeitet mehr als ein Dutzend Gutachterbüros am ersten Teil der Machbarkeitsstudie, die vom Land NRW aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert wird. Untersucht wird ein Gelände in der Bruttogröße von 90 Hektar, das vom aktiven Bergwerk im Süden über die ehemalige Kraftwerksfläche und die Bergehalde bis zum Hafen am Kanal reicht. Die Voraussetzungen für den Erfolg sind günstig: „Die Zwischenergebnisse der Gutachter ermöglichen eine erfreuliche Prognose“, so Volker Duddek, Projektleiter der RAG Montan Immobilien. „Der enge Schulterschluss der beteiligten Partner und die Flächenpotenziale sind eine gute Grundlage dafür, dass der Standort über das Jahr 2015 hinaus eine Zukunft hat.“ Die nächsten Schritte sind bereits geplant. Schon im Juni wurde die Förderung für die Phase II der Machbarkeitsstudie beantragt. Unmittelbar nach Abschluss der Machbarkeitsstudie soll die Bauleitplanung beginnen. RAG und RAG Montan Immobilien setzten beim Bergwerk Auguste Victoria auf ein Verfahren, das sie erfolgreich auch in Hamm beim Bergwerk Ost und in Kamp-Lintfort beim Bergwerk West durchführen: gemeinsame Entwicklungsplanung mit der Kommune und Bürgerdialog. Ein Jahr vor Stilllegung des Bergwerks Ost 2010 wurden in Hamm die Weichen für eine Folgenutzung erstellt. Mit der Erstellung einer städtebaulichen Rahmenplanung zur Folgenutzung, die im September mit den Bürgern diskutiert wurde, nimmt die Entwicklung des Bergwerks Fahrt auf. „Wir haben eine Verantwortung, dieses Bergwerksareal nach vorne zu bringen“, Folgenutzung: Die Entwicklung des Bergwerks Ost nimmt Fahrt auf. FOTO: RAG MONTAN IMMOBILIEN/LAUNER Für das Bergwerk Auguste Victoria sind die Weichen für eine Anschlussnutzung gestellt. FOTO: STADT MARL/METZENDORF sagt Thomas Middelmann, Projektleiter der RAG Montan Immobilien. „Wir haben jetzt gemeinsam mit der Stadt die Grundsteine gelegt und werden bald fundierte Perspektiven haben, nach denen in Zukunft das Bergwerk Ost neu gestaltet und erschlossen wird.“ Die Büroarbeitsgemeinschaft DeZwarteHond aus Köln und Urban Catalyst aus Berlin werden mit Unterstützung durch die Büros Georg Consulting aus Hamburg und Grontmij aus Bremen bis Ende des Jahres erste Ideen für die Folgenutzung des 55 Hektar großen Areals entwickeln, unter Einbindung des Stadtteils Pelkum. Vorgesehen ist als Nutzungsoption bislang ein Energiepark und ein Kreativ und Dienstleistungsquartier – hier wird derzeit mit potenziellen Projektentwicklern über einige Gebäude wie Verwaltung, Lohn- und Lichthalle sowie Kaue verhandelt. Die Büroarbeitsgemeinschaft De- ZwarteHond/Urban Catalyst, die den Zuschlag im Juli erhalten hatte, erstellte 2012 auch die Machbarkeitsstudie für das Bergwerk. Die zu 90 Prozent vom Land NRW und zu zehn Prozent von RAG Montan Immobilien geförderte Entwicklung dieses städtebaulichen Rahmenplans soll im Juli 2016 vorliegen und sieht natürlich eine Beteiligung durch die Bürger in Hamm-Pelkum vor. „Es gibt nur wenige ehemalige Bergwerksflächen, die RAG Montan Immobilien entwickelt, die kurz nach der Stilllegung schon solch gute Realisierungsansätze zeigen wie das Bergwerk West in Kamp-Lintfort“, sagt Projektleiter Hermann Timmerhaus. Mit der Schließung des Bergwerks verabschiedete sich die RAG Ende 2012 am Niederrhein vom Bergbau. Perspektiven entwickeln Wesentliche Aufgabe und Zielsetzung des durch die Stadt Kamp- Lintfort und RAG Montan Immobilien bereits 2008 initiierten Projekts „Masterplan Bergwerk West“ ist es, möglichst frühzeitig für das 40 Hektar große Zechenareal sowie die arrondierenden Flächen zukunftsorientierte und auf städtebaulich sinnvolle Folgenutzungen ausgerichtete wirtschaftliche Perspektiven zu entwickeln. Bereits 2011 startete in Kamp-Lintfort ein breit angelegter Beteiligungs- und Kommunikationsprozess mit den Bürgern in Form von öffentlichen Arenen zur Nachfolgenutzung des Bergwerksgeländes. Das Planungskonzept sieht als Grundlage für die weitere Entwicklung ein neues Stadtquartier mit einem Mix aus Wohnen, Gewerbe und Dienstleistung vor. Als erste Schritte zur Folgenutzung wurden die Hochschule und Studentenwohnungen realisiert. Im September hat die Starter-Zentrum Dieprahm GmbH, eine Tochtergesellschaft der Stadt Kamp-Lintfort, das ehemalige Magazingebäude von der RAG erworben. Ziel ist es, die denkmalgeschützte Immobilie an der Friedrich-Heinrich-Allee umzubauen und an die Hochschule Rhein-Waal zu vermieten. Bis August 2016 entstehen dort verteilt auf drei Etagen Büro- und Seminarräume . Die weitere Konkretisierung der als Grünfläche vorgesehenen Ostseite des Zechengeländes erfolgt jetzt im Rahmen der Vorbereitung zur Landesgartenschau im Jahr 2020. „Für die Adressbildung und Vermarktung eines neuen Wohnund Arbeitsstandorts ist eine attraktive Grünflächengestaltung, wie es die Landesgartenschau in Kamp- Lintfort erwarten lässt, ein Riesenvorteil“, unterstreicht Projektleiter Timmerhaus. Bergehalden im Aufwind Windenergieanlagen leisten Beiträge zur Energiewende. Nach der Errichtung von zwei Windenergieanlagen auf der Bergehalde Brinkfortsheide in Marl im vorletzten Jahr hat die RAG Montan Immobilien im Ruhrgebiet jetzt weitere Projekte zur umweltfreundlichen Energiegewinnung gestartet. Wie in Marl, wo für rund 5.400 Drei-Personen- Haushalte seit Dezember 2014 umweltfreundlicher Strom auf der Halde Brinkfortsheide erzeugt wird und so jährlich etwa 15.000 Tonnen an CO₂ eingespart werden, sollen ab Januar 2016 in Dinslaken etwa 2.500 Haushalte Strom aus Wind beziehen. Die Windkraft Lohberg errichtet dazu derzeit eine 200 Meter hohe Windenergieanlage auf der Halde Lohberg-Nord. Die drei Partner der Gesellschaft – Stadtwerke Dinslaken, Mingas-Power und RAG Montan Immobilien – wollen damit ein Startsignal für den Energie Plus-Standort Lohberg setzen. Errichtet wird eine Windenergieanlage mit einer Leistung von drei Megawatt, die jährlich rund 9.000 Megawattstunden Strom produzieren soll. Diese Menge reicht aus, um Haushalte im Stadtteil Lohberg als auch im Kreativ.Quartier Lohberg mit Strom zu versorgen. Die CO₂-Einsparung wird auf jährlich circa 6.000 Tonnen beziffert. Ebenfalls für 2016 plant die RAG Montan Immobilien den Baubeginn fünf weiterer Windenergieanlagen. Auf der Halde Elsa-Brändström-Straße in Lünen wird ab Sommer eine Anlage mit einer Höhe von 150 Metern errichtet. Ab Anfang 2017 wird sie jährlich etwa 5.000 Megawattstunden Strom erzeugen, was dem Bedarf von rund 1.400 Haushalten entspricht, und pro Jahr etwa 3.750 Tonnen CO₂ einsparen. Auf der Halde Kohlenhuck in Moers werden ab Sommer 2016 gleich vier Windenergieanlagen mit einer Höhe von 200 Metern errichtet. Die ENNI RMI Windpark Kohlenhuck Projektgesellschaft, an der die ENNI Energie & Umwelt Niederrhein, Mingas-Power und RAG Montan Immobilien beteiligt sind, plant zwei Anlagen direkt auf dem Haldenplateau und zwei weitere nordwestlich davon auf landwirtschaftlich genutzten Acker- und Grünlandflächen. Alle vier Anlagen haben jeweils eine Nennleistung von rund drei Megawatt und werden im Laufe des Jahres 2017 mit der regenerativen Stromproduktion für rund 10.000 Haushalte beginnen. Die CO₂-Einsparung wird hier auf jährlich etwa 29.000 Tonnen beziffert.


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