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Dienstag, 19. Januar 2016 Glück auf. Verantwortung. // Seite 3 Taktgeber für verträglichen Wandel Seit ihrer Gründung 1968 fungiert die heutige RAG als Motor der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung in den Bergbauregionen. Dabei schultert das Unternehmen erfolgreich eine große soziale Verantwortung. Bergbau AG Oberhausen Pattberg Walsum so bereits weniger als die Hälfte des Rekordstands. Einer der größten Ausbilder der Region Um die Kräfte zu bündeln und den Absatzproblemen besser begegnen zu können, schlossen sich 1968 mehr als zwei Dutzend bis dahin selbstständige Bergwerksgesellschaften zur Ruhrkohle AG zusammen. Die Vorläuferin der heutigen RAG war geboren. Ihre damaligen Produktionsstätten summierten sich auf 52 Zechen, 29 Kokereien und fünf Brikettfabriken mit anfänglich Steinkohlenbergwerke Brassert Scholven Hugo Schlägel & Eisen Graf Moltke Nordstern Math. Stinnes Zollverein Katharina Carl Funke 186.000 Mitarbeitern. So war der größte Teil der bundesdeutschen und insbesondere nordrhein-westfälischen Steinkohlenbergwerke unter einem gesellschaftlichen Dach vereint, was eine viel höhere wirtschaftliche Effizienz ermöglichte. Damit kam der heutigen RAG auch eine große soziale Verantwortung für die Steinkohlenregionen zu – und die Hoffnungen sollten nicht enttäuscht werden. Zum Beispiel gehörte der Konzern aus Herne in den Bergbauregionen von Anfang an zu den größten Ausbildern und ermöglichte allein in den ersten vier Jahrzehnten Gen. Blumenthal Emscher-Lippe seines Bestehens rund 100.000 Jugendlichen den Start ins Berufsleben. Aber auch als Triebfeder der Stadtentwicklung war der Steinkohlenbergbau für viele Jahrzehnte unverzichtbar. Beispiel Kamp-Lintfort am linken Niederrhein: In den zunächst noch selbstständigen Dörfern Camp, Camperbruch und Lintfort war nach der Gründung eines Steinkohlenbergwerks zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Einwohnerzahl geradezu explodiert. Die örtliche Zechengesellschaft beteiligte sich finanziell an der Errichtung von Schulen und Kirchen für die Bergarbeiterfamilien. Außerdem trug sie mit der Schaffung von drei „Konsumanstalten“ zur Entstehung eines florierenden Geschäftszentrums bei. Die RAG als Rechtsnachfolgerin der Zechengründer blieb der Entwicklung Kamp-Lintforts verpflichtet – bis zum Jahresende 2012, als der inzwischen „Bergwerk West“ genannte Standort stillgelegt werden musste. Die ehemaligen Zechengelände sollen in Zukunft einen Lebens- und Wirtschaftsraum für die Menschen vor Ort bieten. RAG-Vorstandsvorsitzender Haus Aden Radbod Heinrich Robert Grimberg 1/2 Bernd Tönjes betont: „Wir sind den Menschen in der Region verpflichtet – und bleiben diesem Anspruch auch weiterhin treu.“ Erfolgsfaktor Mitbestimmung Nicht zuletzt zählt die ganz spezielle Bergbaukultur, also das eingeübte Regelwerk des solidarischen Zusammenlebens in den Kohle-Kommunen, zum Erbe der RAG. Die harte Arbeit hatte Deutsche und Zuwanderer im Revier schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts zusammengeschweißt. Mit fortschreitender Industrialisierung gewann die „organisierte Solidarität“ der Gewerkschaften an Bedeutung – und mit ihr auch die betriebliche Mitbestimmung. Meilensteine waren das auf Interessensausgleich zwischen Kumpeln und Arbeitgebern ausgerichtete Montan-Mitbestimmungsgesetz von 1951 sowie das erste Betriebsverfassungsgesetz im Jahr darauf. Vor allem in schwierigen Zeiten bestand die Mitbestimmung harte Bewährungsproben. Der Anpas- sungsprozess im Bergbau mit seinem andauernden Personalabbau war und ist eine enorme Herausforderung, die bis zum Ende der letzten Zechen 2018 auch Opferbereitschaft fordert – von den Mitarbeitern und deren Familien ebenso wie von den durch Stilllegungen betroffenen Kommunen. Im Zuge der unvermeidlichen Zechenschließungen war es aber vor allem der Mitbestimmung bei der RAG zu verdanken, dass dennoch kein Kumpel „ins Bergfreie“ fiel, also in Existenznot geriet. Das Erbe in die Zukunft überführen Und die Zukunft? Sie wird auch aus den Erfahrungen und dem Wissen des Steinkohle-Zeitalters generiert werden. „Der Bergbau ist ein unglaublich wertvoller Teil unseres Erbes“, sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft schon bei der Schließung des Bergwerks West, „wir brauchen sein Know-how auch nach 2018 als solides Fundament für die Zukunft.“ So kommen die bis heute von der RAG ausgebildeten Facharbeiter als gefragte Arbeitskräfte auch in Industriezweigen jenseits der Bergwerkstore unter. Und die alten Zechengelände und Halden werden vom Konzern für neue Nutzungsarten wie Naherholung oder regenerative Energieerzeugung weiterentwickelt. Sicherheit geht vor Wie die RAG mit zukunftsweisenden Konzepten und wirksamen Maßnahmen den Arbeits- und Gesundheitsschutz stetig verbessert. Wie ernsthaft die RAG ihre Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern wahrnimmt, zeigen die Errungenschaften des Unternehmens in den Bereichen Arbeits- und Gesundheitsschutz. Beispiel Arbeitsunfälle: Laut einer Untersuchung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung sanken die Unfallzahlen im deutschen Steinkohlenbergbau seit 1995 um 92 Prozent auf nur 4,9 Unfälle pro eine Million Arbeitsstunden im Jahr 2014. Der Grund für diesen positiven Trend: die Weiterentwicklung und Umsetzung von Maßnahmen, die die Arbeitssicherheit und die Gesundheit der Mitarbeiter konsequent in den Mittelpunkt stellen. Der Mensch im Mittelpunkt Einen ersten großen Erfolg erzielte die damalige, noch junge Ruhrkohle AG bereits in den 1970er Jahren in ihrem Kampf gegen Silikose, auch Staublunge genannt: Seit 1973 gab es im Unternehmen keine neu verursachten Fälle mehr. Dafür verantwortlich waren unter anderem eine belastungsorientierte Arbeitseinsatzlenkung, eine bessere persönliche Schutzausrüstung sowie Staubabsaug und Bedüsungssysteme. Ohnehin setzte die RAG in den Bereichen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz lange Zeit vor allem auf technologische Innovationen, weitere Mechanisierung und Hilfsmittel, wie zum Beispiel Vorrichtungen zum leichteren Heben und Bewegen von Lasten. „Bei einem bereits sehr hohen technischen Standard führten technische Maßnahmen ab einem bestimmten Zeitpunkt aber nur noch zu minimalen Verbesserungen in der Arbeitssicherheit und im Gesundheitsschutz“, sagt Peter Schrimpf, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der RAG. Daher rückte ab Mitte der 90er Jahre verstärkt der Mensch in den Vordergrund der Überlegungen. Ein Meilenstein war in diesem Zusammenhang die Entwicklung eines zukunftsweisenden AGU-Konzepts im Jahr 2005, das die Anstrengungen des Unternehmens in den Bereichen Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz bündelte. Zusammen mit der Belegschaft Mit Stärken- und Schwächenanalysen, der jährlichen Benennung von konkreten Zielen sowie der Umsetzung und Kontrolle von entsprechenden Maßnahmen gelingt es in enger Zusammenarbeit mit den Mitbestimmungsgremien bis heute, das Niveau der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes stetig zu erhöhen. Dabei sind alle Beschäftigten dazu aufgerufen, den AGU-Prozess aktiv mitzugestalten. Das Ziel: der Null-Unfall-Quote weiter näherzukommen. Wie wirksam das Instrument ist, spiegelt sich in vielen Zahlen wider. Hier ist neben dem Rückgang der Arbeitsunfälle vor allem die Entwicklung des Krankenstandes zu erwähnen, der im Zeitraum 2012 bis 2014 um gut 13 Prozent gesunken ist. „Um den positiven Trend fortzusetzen, verfolgen wir im betrieblichen Gesundheitsmanagement einen ganzheitlichen Ansatz mit Prävention, Rehabilitation und Integration“, sagt Schrimpf. Nachlassen gilt nicht Der Umweltschutz ist die dritte Säule des AGU-Konzepts. Abfallvermeidung und -verwertung stehen dabei ebenso auf der Agenda wie Maßnahmen, um Böden, Gewässer und die Luft zu schützen. Dass der RAG der Umweltschutz am Herzen liegt, zeigt auch das folgende Detail: Alle Bergwerke und Wasserhaltungsstandorte des Unternehmens sind freiwillig nach international gültiger Umweltschutznorm zertifiziert. Und auch wenn ab 2016 mit Prosper-Haniel in Bottrop und Anthrazit Ibbenbüren im Tecklenburger Land nur noch zwei Bergwerke bis Ende 2018 Kohle fördern werden: Nachlassen gilt für die Verantwortlichen der RAG nicht. Schrimpf: „Wir haben im Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz schon viel erreicht. Unsere Bemühungen dürfen jetzt nicht nachlassen. Ganz im Gegenteil.“ Arbeitsschutz: Die Bedüsung einer Walze mit Wasser und der Einsatz von Schutzmasken senken die Staubbelastung der Bergleute erheblich. FOTO: RAG DUISBURG ESSEN DORTMUND HAGEN ENNEPE RUHR KREIS KREIS UNNA KREIS UNNA HAMM MÜLHEIM BOCHUM Rossenray Friedrich Heinrich Niederrhein Rheinpreussen Lohberg Prosper III Fried. Thyssen Osterfeld Jacobi Haniel Prosper II Alstaden Mevissen Pörtigsiepen Emil-Fritz Hassel Bgl. Westerholt Ewald Graf Bismarck Consolidation Pluto Hannover Bochum Holland König Ludwig Recklinghausen Friedrich der Große Wulfen Fürst Leopold Ewald Fortsetzung Waltrop Victor-Ickern Hansa Germania Gneisenau Minister Stein Kaiserstuhl Grillo Minister Achenbach Werne Grimberg 3/4 Königsborn Sachsen Bergbau AG Niederrhein Bergbau AG Herne-Recklinghausen Bergbau AG Dortmund Bergbau AG Westfalen Bergbau AG Essen Bergbau AG Gelsenkirchen der RAG 1968 Schachtanlage Kokerei Brikettfabrik FOTO: KLINGENBURG; GRAFIK: BERTELMANN (QUELLE: RAG) Wenn jemand weiß, wie man Krisen überwindet, dann sind es die Kumpel an der Ruhr und im Saarland. Vom andauernden Bedeutungsverlust der heimischen Kohle und damit von der Erosion ihrer ursprünglichen Existenzgrundlage ließen sie sich bis heute nicht unterkriegen. Zur Erinnerung: Auf dem Höhepunkt der Produktion, 1956, malochten in 173 westdeutschen Bergwerken rund 600.000 Beschäftigte, die meisten davon im Ruhrgebiet. Satte 150 Millionen Tonnen Steinkohle wurden damals in einem einzigen Jahr gefördert. Für den Wiederaufbau im Nachkriegsdeutschland war die Arbeit der Bergmänner von unschätzbarem Wert. Dann aber sank der Anteil der heimischen Steinkohle am Energieverbrauch der Bundesrepublik bis 1967 von 70 auf nur noch 32 Prozent – dank billigem Rohöl, Erdgas und zunehmend auch Atomenergie. Das Jahr 1967 zählte noch 81 Bergwerke und 267.000 verbliebene Beschäftigte, al


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