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Seite 4 // Glück auf. Region. T_63_04 Montag, 05. Oktober 2015 Produktive Parks auf ehemaligen Bergbauflächen Forschungsprojekt CultNature bereitet den Weg für nachhaltige Urbanität im Ruhrgebiet. „Wir wollen attraktive Parklandschaften nachhaltig realisieren, die für die Menschen eine höhere Lebensqualität erzeugen und die dauerhaft Erträge abwerfen, aus denen die Pflege sichergestellt werden kann,“ sagt Prof. Dr. Hans-Peter Noll über die Idee des Forschungsprojektes CultNature. RAG Montan Immobilien beteiligt sich gemeinsam mit NRW.Urban an dieser Umsetzungsstudie, die unter Federführung des Instituts Arbeit und Technik der „Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen“ läuft und vom Wirtschaftsministerium NRW gefördert wird. Bis Ende April wurde gemeinsam mit den lokalen Akteuren an vier Standorten geprüft, wieweit sich die Planungsansätze von CultNature verwirklichen lassen: an der Sinteranlage in Duisburg und dem Bergwerk Emscher-Lippe in Datteln von NRW.Urban und an den Bergwerken Ost in Hamm und West in Kamp-Lintfort von RAG Montan Immobilien. Ziel ist es, die dortigen hochwertigen Freiflächen als „produktive Parks“ mit einer Aufenthaltsqualität für die Menschen zu versehen und mit der Erzeugung und Vermarktung von Biomasse oder anderer erneuerbarer Energien diese Parkflächen wirtschaftlich tragfähig zu machen. Anders als beim Biomassepark Hugo in Gelsenkirchen steht der Beitrag zu einer nachhaltigen städtebaulichen Entwicklung im Vordergrund. RAG Montan Immobilien setzt bei ihren beiden Projekten auf eine konsequente Beteiligung aller lokalen Akteure in den Städten Hamm und Kamp-Lintfort wie den Stadtverwaltungen, Stadtwerken, Abfallentsorgern und Landwirten. In Kamp-Lintfort gibt es zusätzlich noch den Synergie-Effekt mit der Bewerbung zur Landesgartenschau 2020: Auf Freiflächen des Bergwerks West sind Themengärten mit nachwachsenden Rohstoffen angedacht. So wurde für das Bergwerk West in Kamp-Lintfort bereits ein freiraumplanerisches Konzept entwickelt. Dieses sieht entlang einer zentralen Wegachse einen Mix unterschiedlicher Pflanzen und Bäume vor: Wildkräuter, Chinagras, und Winterweizen könnten abwechslungsreiche Farben schaffen und werden zu verschiedenen Zeiten im Jahr geerntet. Auch die Gestaltung der elf Hektar großen CultNature-Fläche auf dem Gelände des ehemaligen Bergwerks Ost in Hamm soll farbenfroh werden und sich sinnvoll in die umliegende Haldenlandschaft integrieren. Das Konzept sieht eine besondere Geländemodellierung und ein auf die künftige Nutzung abgestimmtes Wegenetz mit Verbindung zu den Stadtteilen Herringen und Pelkum vor. Die konkreten Ergebnisse der Umsetzungsstudie sollen voraussichtlich Anfang 2016 vorgestellt werden. „CultNature folgt ökonomischen Prinzipien“, so Prof. Noll. „Ohne Ertrag ist die städtebauliche Qualität einer begrünten ehemaligen Brachfläche nicht dauerhaft sicherzustellen. Mit diesem Forschungsprojekt schaffen wir es, die Qualität solcher Flächen aufzuwerten, die dann noch zu einem späteren Zeitpunkt entwickelt werden können.“ HAMM BERGWERK OST Im September 2010 stellte das ehemalige Bergwerk Ost die Steinkohlenförderung ein. Mit einer Flächengröße von fast 70 Hektar ist die Revitalisierung und Integration dieser Fläche in die Siedlungsstruktur im Westen des Stadtgebietes eine maßgebliche Zukunftsaufgabe. Mit Auftragserteilung der Machbarkeitsstudie zur Folgenutzung wurde eine ergebnisoffene Strategie eingeleitet, die mehrere Optionen ermöglicht. KAMP-LINTFORT BERGWERK WEST Mit der Schließung des Bergwerks West in Kamp-Lintfort verabschiedete sich die RAG Ende 2012 am Niederrhein vom Bergbau. Ziel des durch die Stadt Kamp-Lintfort und RAG Montan Immobilien initiierten „Masterplan Bergwerk West“ ist es, frühzeitig für das Zechenareal sowie die arrondierenden Flächen zukunftsorientierte und auf städtebaulich sinnvolle Folgenutzungen ausgerichtete wirtschaftliche Perspektiven zu entwickeln. Das Planungskonzept wurde 2013 vom Stadtentwicklungsausschuss als Grundlage für die weitere Entwicklung beschlossen und wird im Rahmen der Vorbereitung zur Landesgartenschau 2020 konkretisiert. Ins Gewerbegebiet Radbod ziehen Betriebe aus dem Automobil-, Installations und Ladensicherungsbereich. FOTO: RAG MONTAN IMMOBILIEN Im Ruhrgebiet erzielte RAG Montan Immobilien jetzt mit weiteren Ansiedlungen nachhaltig Erfolge in der Stadtquartiersentwicklung. Im Stadtquartier Gneisenau in Dortmund begann das Unternehmen mit der Vermarktung des neuen Wohngebiets „Hochzeitswald Derne“. Zwischen der bereits vorhandenen Bebauung entstehen im mittleren Bereich der Kornblumenstraße auf rund 5500 Quadratmetern Fläche Häuser. „Wie das 14.000 Quadratmeter große Gebiet ,Wohnen am Stadtpark Derne’ profitiert auch das zweite neue Wohngebiet auf der Fläche des ehemaligen Bergwerks Gneisenau von der Nähe zum Stadtteilzentrum und der ,grünen Lunge’ Dernes, dem Stadtteilpark Gneisenau“, unterstreicht Projektleiter Thomas Schürkamp zum Vermarktungsstart. Auf der südöstlichen Teilfläche von Gneisenau erfolgte dagegen ein weiterer Verkauf. Im Gewerbegebiet Gneisenau-Süd kaufte die Nüßing GmbH, ein mittelständisches Unternehmen mit Hauptsitz in Verl, ein rund 8200 Quadratmeter großes Grundstück. Das inhabergeführte Familienunternehmen plant, seine Dortmunder Filiale in den Stadtteil Derne direkt an die Gneisenauallee zu verlagern und in diesem Zuge die Niederlassung deutlich zu erweitern. Im Gewerbegebiet Radbod in Hamm ist dagegen die Vermarktung des Areals im Stadtteil Bockum-Hövel abgeschlossen. Die letzten Flächen gingen an Betriebe aus dem Automobil-, Installations- und Ladensicherungsbereich. Auch für die Entwicklung des Areals vom Bergwerk West in Kamp- Lintfort setzte RAG Montan Immobilien weitere wichtige Impulse: Am Kreisel zwischen Ringstraße und Moerser Straße plant ein Investor ein Multiplex-Kino mit sieben Sälen und circa 900 Plätzen. Das Kino soll auf einer 4350 Quadratmeter großen Teilfläche des ehemaligen Zechengeländes entstehen. Ab Sommer kommenden Jahres will die Hochschule Rhein-Waal das ehemalige Magazingebäude für Forschung und Lehre nutzen. Die Hochschule hatte 2014 ihren neuen Campus auf Teilflächen des ehemaligen Bergwerks eröffnet. Mit der Anmietung des rund 1000 Quadratmeter großen Magazingebäudes in unmittelbarer Nachbarschaft an der Friedrich- Heinrich-Allee erweitert die Hochschule nun ihr Raumangebot. „Es zeigt sich hier, dass eine gute Zusammenarbeit zwischen Kommune und Eigentümer die Grundlage für einen erfolgreichen Strukturwandel bildet“, sagte Projektleiter Hermann Timmerhaus. Bergbau bietet Raum für Flüchtlinge 17 Standorte im Ruhrgebiet könnten Menschen in Not bald Zuflucht bieten. In Oberhausen und Recklinghausen ist bereits Platz für 480 Flüchtlinge. Hunderte von Flüchtlingen sollen im Ruhrgebiet auf Standorten des Bergbaus Unterkunft beziehen. Die Flächen liegen in Issum, Kamp- Lintfort, Gladbeck, Marl, Haltern, Bergkamen, Lünen, Castrop-Rauxel, Recklinghausen, Duisburg und Gelsenkirchen. Zwei Standorte in Oberhausen und Recklinghausen wurden schon in den vergangenen Wochen für die Unterbringung von Flüchtlingen vorbereitet. Platz ist dort für insgesamt 480 Menschen. „Bei der derzeitigen Dynamik des Zustroms von Menschen steht für uns als sozial verantwortliches Unternehmen, das jahrzehntelang Migranten aus ganz Europa Arbeitsplätze und häufig auch eine neue Heimat geboten hat, die unbürokratische Hilfe im Vordergrund. Land und Kommunen können in dieser Situation auf unsere Unterstützung bauen“, betont Professor Dr. Hans-Peter Noll, Vorsitzender der Geschäftsführung der RAG Montan Immobilien, zum Engagement der RAG. Als Tochter der RAG verwaltet, saniert und entwickelt die RAG Montan Immobilien die nicht mehr bergbaulich genutzten Flächen und Gebäude des Konzerns. Schon Mitte Juli hatte sich das Unternehmen mit dem Land und verschiedenen Kommunen zusammengesetzt, um sich über die Nutzung ehemaliger Bergbaustandorte als Flüchtlingsunterkünfte abzustimmen. Dabei ging es auch um Gebäude und Freiflächen, die für die Unterbringung von Flüchtlingen geeignet seien, beispielsweise als Standort für Container- und Zeltunterkünfte. Allerdings bieten sich nach bisheriger Prüfung nur 17 Standorte an, da die kurzfristige Realisierung von Flüchtlingsunterkünften sehr komplex ist. Das beginnt bei den Ver- und Entsorgungsfragen mit Strom und Wasser, geht über die infrastrukturelle Anbindung und Zuwegung bis hin zu Sicherheitsund Hygienefragen. Selbstverständlich müssen sich die Gebäude und Flächen auch baulich eignen. Im Wesentlichen geht es nach Angaben der RAG Montan Immobilien um zwei Aspekte: die kurzfristige Hilfe im Rahmen der Erstaufnahme für sechs bis zwölf Monate und längerfristige Lösungen mit der Planung von zentralen Sammelstellen. Für alle eine gute Lösung finden Konkrete Prüfungen und Abstimmungen laufen derzeit für die Standorte Grimberg 3/4 in Bergkamen, Graf Schwerin 1/2 in Castrop Rauxel und für die ehemalige RBH-Verwaltung an der Talstraße in Gladbeck. Weitere Standorte in Duisburg, Gelsenkirchen, Issum, Lünen, Marl, Haltern und Recklinghausen wurden vorausgewählt. Auch in Kamp-Lintfort stehen mehrere ehemalige Bergbauflächen zur Diskussion, jedoch werden dabei nur Flächen berücksichtig, die nicht im Zusammenhang mit der Landesgartenschaubewerbung beplant werden. Die vorausgewählten Standorte werden im Moment detailliert von den zuständigen Behörden des Landes und der Kommunen überprüft. Über die Eignung dieser Standorte können derzeit deshalb noch keine weiteren konkreten Aussagen gemacht werden. Zur Frage der Kosten laufen ebenfalls Gespräche zwischen RAG Montan Immobilien, Kommunen und Land. „Wir werden da lösungsorientiert arbeiten und sicherlich eine für alle Partner akzeptable gemeinsame Lösung finden“, so Noll abschließend. Von Campus bis Kino Zeichen für nachhaltigen Strukturwandel


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