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T_63_03 Montag, 05. Oktober 2015 Glück auf. Region. // Seite 3 Vom Bergbau zum kreativen Neuanfang Klassische Musik klingt durch das riesige Tonnengewölbe der alten Kohlenmischhalle in Dinslaken. Statt der Bergmannskluft tragen die Musiker dunkle Anzüge, Schauspieler werfen sich auf den staubigen Boden, wo einst Waggons mit Kohle über die Schienen ratterten. Die 210 Meter lange Halle des ehemaligen Bergwerkes Lohberg/Osterfeld lässt eher an Fabrik und Arbeit als an Theater und Hochkultur denken. Doch gerade das macht den Reiz aus, wenn die Ruhrtriennale an ehemaligen Industriestandorten Station macht. Wo zu Hochzeiten bis zu 5000 Menschen unter und über Tage arbeiteten, besuchten im August sogar noch mehr Zuschauer die sechs Aufführungen des Theaterstücks „Accattone“ – ein wichtiger Anhaltspunkt für die Quartiersentwicklung in Dinslaken. Auf dem Bergwerk Lohberg 1/2 wurde rund 100 Jahre Industrie- und Stadtgeschichte geschrieben. Heute ist das Areal als Kreativ.Quartier Lohberg (KQL) Symbol für den Umwandlungsprozess eines ganzen Stadtteils. Die Stadt Dinslaken und die RAG Montan Immobilien entwickeln die rund 40 Hektar große Fläche nach den Grundsätzen von Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Tragfähigkeit. Darüber hinaus konnte das Theaterpublikum der Ruhrtriennale in Liegestühlen auf der neugestalteten Rasenfläche vor der einstigen Zentralwerkstatt entspannen – mit Blick auf einen ehemaligen Zechenstandort mit denkmalgeschützten Gebäuden einschließlich des eindrucksvollen Doppelbock-Förderturms, einem attraktiv gestalteten Bergpark und einem entstehenden Wohn- und Gewerbegebiet. Landschaft, Kreativität und Energie Motor der Entwicklung ist das eigentliche Kreativ.Quartier. In der Mitte des Standortes bietet es Raum für kreative unternehmerische Tätigkeiten in denkmalgeschützten Gebäuden oder Neubauten. Rund 20 Unternehmen aus der Kreativwirtschaft – Fotografen, Künstler, Produktentwickler, Filmemacher und Kunsthandwerker – haben sich bereits angesiedelt. Doch das neue Quartier geht weit über Kreativität hinaus. Das Leitbild des KQL gliedert sich vielmehr in einen inhaltlichen Dreiklang mit den Themen Landschaft, Kreativität und Energie als Schwerpunkte der Entwicklung. Grundlegendes Ziel ist die Realisierung eines CO2-neutralen Quartiers mit innovativen Gebäudequalitäten. „Gemeinsam mit unseren Stadtwerken legen wir die entscheidende Basis zur zukunftsweisenden Entwicklung des Stadtteils Lohberg“, ist Dinslakens Bürgermeister Dr. Michael Heidinger überzeugt. „Das moderne Energiekonzept auf dem ehemaligen Zechengelände schafft die Grundlage, um den gesamten Stadtteil mit grüner Energie zu versorgen.“ Denn das Energiekonzept setzt nicht nur auf einen Energieträger. Auf der Fläche können Sonnenenergie und Grubengas aktiviert werden. Die Haldenlandschaft ist für die Nutzung von Windenergie geeignet und eine gezielte Bewirtschaftung der Grünbereiche kann zur Erzeugung von Biomasse als Energieträger beitragen. Der erzeugte Strom soll unter anderem vor Ort für den Betrieb von Wärmepumpen eingesetzt und wirtschaftlich vermarktet werden. Überschüssiger Strom soll in der Gartenstadt Lohberg und im übrigen Stadtgebiet von Dinslaken eingesetzt werden. Neben Energie und Kreativität spiele auch die Landschaftsgestaltung eine wichtige Rolle, erläutert Bernd Lohse, Projektleiter der RAG Montan Immobilien. „Auf Lohberg verzahnen wir die unterschiedlichsten Nutzungsbausteine auf der Fläche und schaffen die Verbindung mit der Gartenstadt. Eine tragende Rolle übernimmt dabei der Bergpark mit dem integrierten Lohberg Weiher.“ Choreografie einer Landschaft Der im Oktober 2014 eröffnete Bergpark ist mit seinen Wasser- und idyllischen Grünflächen neuer Anziehungspunkt mit hohem Freizeitwert für die Menschen aus Dinslaken und der Region. In den Park integriert ist das internationale Projekt „Choreografie einer Landschaft“, das Künstler nutzen, um im neu angelegten Landschaftspark Zeichen zu setzen. Eines dieser Zeichen ist das „Kraftwerk Lohberg“ des Künstlerduos Martin Kaltwasser und Folke Köbberling. Für „Choreografie einer Landschaft“ errichteten die beiden ein verglastes Holzbauwerk aus Recyclingmaterial – gemeinsam mit Lohberger Bürgern. Das Kraftwerk ist Kunstwerk und Pilotprojekt für pedalerzeugte Energie zugleich: Alle Interessierten können es nutzen, als Fitness-Studio, Fahrradkino, Repair- Café, Leseinsel und wettergeschützten Treffpunkt mit Rundumblick in den Park. Die benötigte Energie für ihre Veranstaltungen können die Nutzer selbst erzeugen, indem sie kräftig in die Pedale treten. Und so schließt sich im Kreativ.Quartier Lohberg wieder der Kreis zwischen Kreativität, Landschaft und klimafreundlicher Energie. Landschaft und Kultur: Im Kreativ.Quartier Lohberg locken ein Weiher und Theateraufführungen. FOTOS: THOMAS STACHELHAUS, RAG MONTAN IMMOBILIEN Das ehemalige Bergwerk Lohberg wird zum CO2-neutralen Kreativ.Quartier. Jetzt machte hier auch die Ruhrtriennale Station. Labor für die Zukunft – Stadt im Wandel Startschuss für den Stadtteilpark Hassel und die „Neue Zeche Westerholt“. Über Jahrzehnte sind die Stadtteile Gelsenkirchen-Hassel und Herten- Westerholt und ihre Bewohner vom Bergbau und seinen Folgeindustrien geprägt worden und dabei über die Stadtgrenzen hinaus zusammengewachsen. Zum Ende der Steinkohlenära werden die Quartiere im Norden der Städte jetzt im Rahmen einer beispiellosen Neugestaltung zu einem Labor für die Zukunft. Im Zentrum der Entwicklung stehen dabei der Stadtteilpark Hassel und die „Neue Zeche Westerholt“ als eine der zentralen Zukunftsaufgaben der Städte Gelsenkirchen und Herten sowie der RAG Montan Immobilien. „Wir haben eine Verantwortung, das Bergwerksareal nach vorne zu bringen“, sagt Westerholt- Projektleiter Bernd Lohse. „Die Bürger haben eine hohe Identifikation mit diesem Standort, sprechen davon, auf Kohle geboren zu sein.“ Seit Ende August steht nun der Masterplan des Architektenbüros Gysin + Partner und der wbp Landschaftsarchitekten aus Bochum für die Entwicklung der „Neuen Zeche Westerholt“. Das Planungsteam stellt das 33 Hektar große Bergwerksareal gemeinsam mit dem benachbarten Stadtteilpark Hassel in Gelsenkirchen unter das Leitthema „Labor des Wandels“. Das Konzept sieht für unterschiedliche Quartiere einen Nutzungsmix aus Wohnen, Gewerbe, Forschung, Technologie, Bildung, Kultur, Gastronomie und Freizeit vor. Im neuen „Hybridquartier“, bestehend aus den prägenden Bestandsgebäuden, sollen Angebote für die Kunst- und Kreativwirtschaft oder auch Gastronomie mit einladenden Außenbereichen und Wohnmöglichkeiten entstehen. Westlich und südlich auf dem Bergwerksgelände sind neue Gewerbeflächen für Unternehmen und Handwerksbetriebe geplant. Und die ehemalige Parkplatzfläche nördlich der Egonstraße wandelt sich im Laufe der Zeit zu einem neuen, gartenstädtischen Wohnquartier. Das Rückgrat der „Neuen Zeche Westerholt“, die bis 2025 fertiggestellt werden soll, ist die Allee des Wandels. Entlang dem Zechen- und dem alten Fördermaschinenhaus, aber auch dem neuen „Patio- Rundeindicker“ und denkmalgeschützten Gebäuden entsteht so im Kern der Anlage eine attraktive grüne Mitte, die die einzelnen Stadtteile für Fußgänger und Radfahrer verbindet. Diese übergeordnete räumliche Verbindung, die verschiedene Energie Projekte in Herten und Gelsenkirchen miteinander verknüpft, bietet auch den Anlass, die besonderen Beziehungen und Entwicklungspotenziale zwischen der „Neuen Zeche Westerholt“ und dem Stadtteilpark Hassel herauszustellen. Wo noch bis Anfang dieses Jahrtausends die Kokerei Hassel stand, soll nach Planungen der Stadt Gelsenkirchen, der Ruhr Oel GmbH und der RAG Montan Immobilien in den nächsten drei Jahren auf mehr als 30 Hektar eine ökologisch anspruchsvolle Freifläche mit hoher Aufenthaltsqualität entstehen. Die beiden Landschaftsbauwerke „Olymp“ sollen dann in 13 Metern Höhe luftige Aussichten gewähren, während die Vierbeiner auf einer Hundefreilaufwiese umhertoben. Das Highlight des neuen Stadtteilparks wird ein rund 10 000 Quadratmeter großer See, eingerahmt von Fahrrad- und Fußwegen, Liegewiesen und einem Schilfgürtel, der auch der ökologischen Reinigung dient. Außerdem werden etwa zehn Hektar des Areals für den Anbau von Energieträgern genutzt. Hier wird die HVG GmbH – eine Tochter der Vivawest Dienstleistungen GmbH – eine Kurzumtriebsplantage betreiben. Es sollen mehrere Baumarten angepflanzt, regelmäßig geerntet und als Holzpellets zur energetischen Verwertung weiter verarbeitet werden. Damit wird deutlich, dass die Auseinandersetzung mit der Identität der Bergbauflächen von gleicher Bedeutung ist wie der Umgang mit Materialien und Energie. Im „Labor des Wandels“ soll einerseits ein möglichst großer Teil der Gebäude, Infrastrukturelemente und Materialien auf Westerholt erhalten bleiben, um sie zum Ausgangspunkt für die anstehende Entwicklung zu machen. Andererseits werden auch die Energie Projekte an beiden Standorten integriert in die Allee des Wandels und den zukünftigen Charakter des Ortes entscheidend prägen. St adtt e ilp ark Has sel Bürgerinformation über die Planungen: Wann? 27. Oktober, 17.30 Uhr Wo? Fritz Erler Haus VISUALISIERUNGEN: LOHRBERG STADTLANDSCHAFTSARCHITEKTUR


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