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Seite 4 // Glück auf. Wasser. T_XX_0X Grubenwasserhaltung der RAG: Umweltschutz im Vordergrund Die Reduzierung von Grubenwassereinleitungsstellen, der Bau von Grubenwasserleitungen und die naturnahe Regulierung von Vorflutstörungen verbessern die Lebensqualität. An zurzeit 13 sogenannten „Wasserhaltungsstandorten“ an der Ruhr und zwei in Ibbenbüren sammelt die RAG das Wasser des Steinkohlenbergbaus aus den aktiven sowie stillgelegten Bergwerken in NRW. Modernste Pumptechnologie sorgt dafür, dass das Wasser aus mehreren Hundert Metern Tiefe über Steigleitungen zutage gefördert und von dort aus überwiegend in speziellen Grubenwasserleitungen in nahe gelegene Flüsse eingeleitet wird. Während früher das zutage geförderte Grubenwasser vorwiegend in den nächsten Bach, sogenannte Vorfluter, geleitet wurde, baute die RAG in den letzten Jahren eigenständige Grubenwasserleitungen. Sie nehmen das Grubenwasser der zentralen Wasserhaltungsstandorte auf und leiten es zu größeren Flüssen – im Ruhrgebiet beispielsweise in Emscher und Lippe und im Tecklenburger Land in die Ibbenbürener Aa. Dadurch entlastet die RAG die kleineren Nebengewässer vom Grubenwasser und trägt entscheidend zur Verbesserung der Wasserqualität bei. Darüber hinaus schafft sie damit die Voraussetzung zur naturnahen Umgestaltung der Gewässer. In der Vergangenheit setzte die RAG bereits mehrere solcher Bauvorhaben um. Der Erfolg spricht für sich: Insgesamt konnte das Unternehmen bis heute schon rund 130 Kilometer Nebenläufe vom Grubenwasser entlasten. Nach den Planungen zur langfristigen Optimierung der Grubenwasserhaltung werden dann insgesamt 240 Flusskilometer frei von Grubenwasser sein. Die Emscher wird damit komplett vom Grubenwasser befreit und kann vollständig renaturiert werden. Für die Grubenwasserleitungstrassen nutzt die RAG auch stillgelegte Bahnstrecken, die sie in Kooperation mit anderen Planungsträgern zu attraktiven Radwegen umgestaltet und somit auch zur Steigerung des Freizeitwerts der Landschaft beiträgt. Da die Trassen unterirdisch verlaufen, sind sie nur während der laufenden Bauphase sichtbar. Nach Inbetriebnahme gibt es an der Oberfläche keinerlei Beeinträchtigung, so dass das Landschaftsbild nachhaltig erhalten bleibt. Auch wenn die Leitungen von der Oberfläche aus nicht zu sehen sind, hält sie die RAG doch stets im Blick. „Das Unternehmen übernimmt die Verantwortung und stattet die Grubenwasserleitungstrassen beim Bau mit Leckageüberwachungen aus – auch wenn es keine gesetzliche Verpflichtung dafür gibt. Die Maßnahme unterstützt uns dabei, mögliche Störungen frühzeitig zu erkennen und zu beheben“, unterstreicht Marcus Kampen von der RAG. Auch bei der Regulierung von Störungen an Vorflutern im Bergschadensbereich, wie zum Beispiel der Veränderung des Fließverhaltens von kleineren Nebengewässern, setzt die RAG auf eine ökologische und naturnahe Gestaltung. Damit trägt sie zum nachhaltigen Management im Gewässersektor bei. Die früher übliche Ableitung von Oberflächenwasser über geradlinige, zum Teil tief im Einschnitt liegende Graben- und Bachsysteme entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen. Die RAG realisiert gemeinsam mit Behörden, Eigentümern und weiteren Beteiligten die hierfür erforderlichen Maßnahmen. Dazu zählen beispielsweise naturnahe, sogenannte „mäandrierende“ Bäche – geschwungene Flussbiegungen mit flach auslaufenden Auenbereichen – die der Natur mehr Raum für ihre Entwicklung geben. Darüber hinaus können durch die Auswirkungen des Steinkohlenabbaus senkungsbedingt Vernässungsbereiche entstehen, die ihrerseits als zusätzliche Biotope einen sinnvollen Beitrag zur Verbesserung der Umweltbedingungen leisten. Denn die neue ökologische Umgebung schafft die Voraussetzung dafür, dass sich dort weitere Tier- und Pflanzenarten ansiedeln können. Die umsichtigen Planungen schaffen so neuen Lebensraum. Neuer Raum für Flora und Fauna „Bei der Planung und Gestaltung berücksichtigt die RAG viele, teilweise auch gegensätzliche Interessen, begonnen bei Nutzungsansprüchen über Naturschutzvorgaben bis hin zu Bauverfahren“, erläutern die RAG-Mitarbeiter Christoph Börgmann und Achim Schulte. „Im Fokus unserer Arbeit steht, Ökologie und Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen. So schaffen wir Mehrwerte, ohne zusätzliche Kosten zu generieren.“ Durch ihr nachhaltiges Wassermanagement fördert die RAG die angestrebte hohe Gewässerqualität und die ökologische Regeneration und Entwicklung. Das erhöht nicht zuletzt die Lebens- und Arbeitsqualität für die Menschen vor Ort und setzt Impulse für eine zukunftsorientierte, positive Entwicklung der Städte und der Landschaften in den Bergbauregionen. Gartroper Mühlenbach in Hünxe: Die RAG setzt auf eine ökologische Gestaltung der Nebengewässer in Bergbauregionen. FOTO: RAG; ILLUSTRATION: D. DUNEKA Freitag, 19. Dezember 2014 Geothermie – ein Beitrag zur Nachhaltigkeit Die RAG nutzt Infrastrukturen, Netzwerke und die Erfahrungen ihrer Mitarbeiter, um den regionalen Klimaschutz voranzutreiben. Das geförderte Grubenwasser birgt in sich auch Potenzial zur energetischen Nutzung: In der Gebirgstiefe erreicht es bis zu 28 Grad Celsius und stellt so eine Wärmequelle dar, die als erneuerbare Ressource nachhaltig dazu beitragen kann, den Verbrauch von fossilen Brennstoffen zu reduzieren. Viele Haushalte greifen heute schon auf Erdwärme zurück. Auf die Betreiber kommen zunächst aber Investitionskosten für die nötige Tiefenbohrung zu. Bei den Schächten der RAG ist genau dieser Zugang zur Tiefe schon gegeben. Hinzu kommt, dass – bedingt durch Gebirgstiefe und Wasseraufkommen – ein weitaus höherer Volumenstrom sowie ein größeres Wärmepotenzial zur Verfügung stehen. Das Unternehmen sieht sich in der Verantwortung, Konzepte zu entwickeln, um aktive und ehemalige Bergbauflächen mit ihren vorhandenen Infrastrukturen und dem jahrzehntelangen Ingenieurs-Know-how wertoptimiert zu entwickeln. Die energetische Nutzung der Grubenwasserwärme findet derzeit an zwei aktiven Wasserhaltungsstandorten der RAG statt. So erarbeitete das Unternehmen in Kooperation mit Partnern eine Machbarkeitsstudie, Unter anderem dienen Wasserhaltungsstandorte als Wärmelieferanten. um das noch zu bebauende Areal auf Zollverein mit Grubenwasserwärme zu versorgen. Heute verlaufen vom Schacht Zollverein 1/2 unterirdisch Leitungen, die das Kunstobjekt „Sanaa Gebäude“ über einen separaten Kreislauf mit warmem Frischwasser versorgen. Mit der Ansiedlung von Gewerbe und Wissenschaft auf dem Gelände bietet sich die Möglichkeit, weitere Abnehmer zu finden. Die Lebensqualität erhöhen Nach der Probephase ging im Jahr 2012 auch das Geothermie-Projekt Robert Müser an den Start. Die RAG stellt dort für umliegende Bestandsgebäude, darunter auch ein Schulkomplex und eine Feuerwehrwache, Grubenwasserwärme zur Verfügung. Dazu installierten die Stadtwerke Bochum zuvor Wärmetauscher und Leitungssysteme. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das Projekt zur regenerativen Wärmenutzung, das in dem Stadtviertel jährlich rund 30 Prozent des Gasbedarfs ersetzen soll. Derzeit arbeitet die RAG an einem Konzept, das die Nutzung von Grubenwasserwärme auf dem Gelände des stillgelegten Bergwerks Lohberg ermöglichen soll. Die strategischen Planungen sehen vor, dort aktive Wasserhaltungsstandorte zusammenzuführen. Gelingt dies, stünde auf Lohberg das größte Wärmepotenzial zur Verfügung. Hochmoderne Technik macht es dann möglich, sowohl Neubauten als auch Bestandsgebäude zu versorgen. Berechnungen zufolge könnten bis zu 3000 Haushalte die Wärme nutzen. Grundsätzlich bietet jeder Wasserhaltungsstandort die Möglichkeit, Wärme aus Grubenwasser zu entziehen. Heute pumpt die RAG allein im Ruhrgebiet an 13 Standorten das Wasser zutage. Zudem stehen weitere Schächte zur Verfügung, um das energetische Potenzial zu fördern. Energieversorger könnten vorhandene Infrastrukturen nutzen und für ihren Bedarf Pumpen installieren, ohne zusätzliche Bohrungen veranlassen zu müssen. So könnten noch mehr Kunden von der umweltfreundlichen Wärme profitieren. Die RAG arbeitet kontinuierlich daran, solche Projekte zu prüfen und voranzubringen. Denn die Energie, die im Grubenwasser steckt, kann nachhaltig einen Beitrag zur regionalen Energiewende leisten. 5. Das geförderte Grubenwasser gelangt über den Hauptstrom in die Vorflut. 3. Spezielle Pumpen fördern es dann über den Schacht kontrolliert an die Oberfläche. 7. Endverbraucher können die Wärme unterschiedlich nutzen – beispielsweise hochtemperiert: Wärmepumpen in den Gebäuden heizen das Frischwasser auf bis zu 60 Grad auf. Eine direkte, untemperierte Nutzung bietet sich hingegen beim Einsatz einer Fußbodenheizung oder für Gewächshäuser und Schwimmbäder an. 4. Über den Wärmetauscher wird die Wärme des Grubenwassers auf einen separaten Frischwasserkreislauf übertragen. 2. Der Wasserannahmedamm regelt den Zulauf des Grubenwassers über die Nebenstrecken in die Hauptstrecke. 6. Über den geschlossenen Wasserkreislauf erreicht das bis auf 24 Grad erwärmte Frischwasser die Abnehmer. 1. Geothermie: Die Wärme aus dem Gestein überträgt sich auf das Grubenwasser. Förderung von Grubenwasser auf der ehemaligen Zeche Robert Müser in Bochum-Werne. ILLUSTRATION: DIETER DUNEKA


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