RAG_Seite7

2014_10_06_Glueck_auf_Zukunft

Wirtschaftliche Wasserhaltung Neue Technologien und geringere Fördertiefen können dazu beitragen, die Kosten für die Ewigkeitsaufgaben zu senken. Anforderungen verschärfen sich „Flüssige“ Wärme aus der Grube Minister Garrelt Duin in der Zeche Robert Müser. FOTO: AREND/WAZ FOTOPOOL Mit hohem Druck ans Tageslicht Zeche Zollverein. FOTO: ARCHIV „Der Schutz des Grundwassers besitzt höchste Priorität.“ Prof. Dr. Peter Fischer, Servicebereichsleiter Standort- und Geodienste 2007 2008 2012 2013 Das Steinkohlefinanzierungsgesetz zur sozialverträglichen Beendigung des subventionierten Steinkohlenbergbaus tritt in Kraft. Die Trennung von „schwarzem“ Bergbau und „weißem“ Beteiligungsbereich stellt die „Neue RAG“ als reines Bergbauunternehmen und die Evonik Industries AG unter dem Dach der frisch gegründeten RAG-Stiftung neu auf. Die Unfallzahlen sind auf einen historischen Tiefstand gesunken: Mit 3,9 Unfällen pro eine Million Arbeitsstunden lässt der Bergbau andere gewerbliche Branchen weit hinter sich. Nach über 150 Jahren gibt es keinen Bergbau mehr am linken Niederrhein. Das letzte Bergwerk, West in Kamp-Lintfort, wurde Ende 2012 geschlossen. FOTO: FK_FOTO/FLICKR Markus Roth, Abteilungsleiter Genehmigungsverfahren, über die Herausforderungen einer nachhaltigen Wasserwirtschaft. Herr Roth, nach welchen Vorgaben muss sich die RAG bei der Wasserhaltung richten? Die Grundlage für unsere Aktivitäten im Wassermanagement bildet die Wasserrahmenrichtlinie der EU bzw. die daraus abgeleiteten Fachgesetze auf Bundes- und Landesebene. Die Richtlinie nennt generell Ziele für die Qualität von Grundwasser und Oberflächengewässern. Sie spielen für uns überall dort eine Rolle, wo sich der Bergbau wasserwirtschaftlich auswirkt. Wenn wir zum Beispiel Grubenwasser in einen Fluss einleiten, dürfen wir vereinbarte Zielwerte im Gewässer für Stoffe wie Eisen oder Chlorid nicht überschreiten. Wie können Sie das garantieren? Zum einen führen wir in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW selbst regelmäßig Wasseranalysen durch. Zum anderen kontrollieren die Behörden laufend die Wasserqualität. Wie veränderten sich die Anforderungen im Laufe der Jahre? Früher ging es im Wesentlichen darum, Wasser schadlos in Flüsse abzuführen. Dabei galt es vor allem, dass die Gruben im aktiven Bergbau trocken bleiben, in Senkungsbereichen Landwirtschaft möglich ist und Hauskeller nicht volllaufen. In den letzten Jahrzehnten verschärften sich mit steigendem Bewusstsein für Umwelteinflüsse auch die Anforderungen für einen verantwortungsvollen, nachhaltigen Umgang mit Wasser im Bergbau deutlich. Heute steht auch die Frage im Fokus, wie sich Einleitungen von Oberflächen-, Grund- oder Grubenwasser auf die Gewässerqualität auswirken. Die RAG hat sich schon immer für die Verbesserung der Überwachungsmethoden eingesetzt. Vor welchen künftigen Herausforderungen steht die RAG? Im Jahr 2015 läuft der mit Behörden und Öffentlichkeit vereinbarte „erste Bewirtschaftungsplan” aus, die Schritte zum Erreichen der Ziele sind dann neu abzustecken. Wir gehen davon aus, dass sich die geltenden Anforderungen an Oberflächengewässer und Grundwasser weiter verschärfen. Dem passen wir unsere Maßnahmen laufend an, zum Beispiel, wenn es darum geht, wie wir die Nebenflüsse des Rheins zielgerichtet entlasten. Grubenwasser erreicht Temperaturen von 20 bis 30 Grad – und bietet deshalb viel Potenzial für eine intelligente energetische Nutzung. Zusammen mit den Stadtwerken Bochum nutzt die RAG in Bochum- Werne seit Oktober 2012 Grubenwasser aus der stillgelegten Zeche Robert Müser, um drei Gebäude klimaschonend zu beheizen: die Willy-Brandt-Gesamtschule, die Von-Waldthausen-Grundschule und die Hauptwache der Bochumer Feuerwehr. Das bundesweit einmalige Geothermie-Projekt reduziert den CO2-Ausstoß im Vergleich zur konventionellen Wärmeversorgung um mindestens 245 Tonnen pro Jahr – für NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin ein „hochspannender regionaler Ansatz” zur Umsetzung der Energiewende. Zeche Zollverein, 14. Sohle: In der Pumpenkammer in rund tausend Metern Tiefe arbeiten immer zwei von insgesamt sechs großen Kreiselpumpen ständig auf vollen Touren. Circa 9000 Liter Wasser schafft die Anlage über zwei Steigleitungen pro Minute an die Tagesoberfläche – mit dem immensen Anfangsdruck von rund hundert bar. Um den energetischen Aufwand für den Betrieb der Anlage so gering wie möglich zu halten, arbeitet die RAG kontinuierlich an innovativen Sparmaßnahmen. Das geschieht unter anderem im Rahmen ihres Energiemanagementsystems nach internationaler Norm. Die systematische Erschließung der Steinkohle lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Bis heute erlebt der Tiefbergbau eine einzigartige industrielle Entwicklung, die wegen der voranschreitenden Technisierung die Kohlenförderung in immer größeren Tiefen möglich machte. Allein im Ruhrgebiet beläuft sich die Zahl der ehemaligen Zechen auf mehrere Tausend. 2018 – das Ende der Steinkohlenförderung Doch Ende 2018 stellen die letzten Bergwerke der RAG ihre Förderung ein. Was bleibt, ist die Verantwortung. Schon heute steht die RAG dafür gerade, dass durch die Auswirkungen des industriellen Bergbaus kein Grubenwasser in aktive Bergwerke gelangt. Ebenso wird erfolgreich verhindert, dass es sich mit dem darüber liegenden Grundwasser mischt. Dieser Verpflichtung bleibt die RAG auch nach Auslauf des deutschen Steinkohlenbergbaus treu. Um die Umwelt intakt zu halten, bildet das systematische Wassermanagement für die RAG deshalb eine der wichtigsten Ewigkeitsaufgaben – an der Ruhr ebenso wie an der Saar und in Ibbenbüren: Grubenwasser muss abgepumpt werden – heute und über 2018 hinaus. Rund 100 Millionen Kubikmeter Grubenwasser pro Jahr fördert die RAG aktuell an insgesamt neun Standorten im Ruhrrevier – eine Herausforderung, die sich nur mit Fachwissen, mit einem leistungsstarken Team, mit Hilfe modernster Technologie und mit hohem finanziellem Einsatz bewältigen lässt. Rund 100 Millionen Euro muss die RAG entlang der Ruhr und der Saar dafür insgesamt jährlich aufwenden. Dabei geht sie sehr sorgsam mit ihren finanziellen Mitteln um: Um die Ewigkeitskosten sukzessive zu reduzieren, nutzt das Unternehmen schon heute verschiedene Optionen und entwickelt sie stetig weiter fort. Ökonomische Stellhebel nutzen Einen Stellhebel stellt die Pumpentechnologie selbst dar. Statt Kreiselpumpen setzt die RAG verstärkt auf die sogenannte „Brunnenwasserhaltung“. Dabei kommen moderne Tauchpumpen zum Einsatz, die, von der Erdoberfläche abgelassen, direkt im Grubenwasser hängen. Der Vorteil der neuen Pumpen: Die bei Kreiselpumpen notwendigen Kosten für einen Maschinenraum unter Tage und die Frischluftzufuhr entfallen. Einen weiteren Ansatz gibt es bei der Fördertiefe des Grubenwassers – aktuell liegt sie in der Ruhrregion im Schnitt bei 950 Metern, an der Saar immerhin noch bei 800 Metern. Das Ziel lautet, das Grubenwasser so weit wie möglich ansteigen zu lassen – allerdings ohne dass es mit dem Grundwasser in Berührung kommt. „Bei allen wirtschaftlichen Überlegungen: Der Schutz des Grund- und Trinkwassers besitzt für uns oberste Priorität“, unterstreicht Professor Dr. Peter Fischer, Leiter des Servicebereichs Standort- und Geodienste. „Der Abstand liegt in der Regel deshalb bei mehreren Hundert Metern.“ Die jeweilige Fördertiefe beeinflusst dabei die Wirtschaftlichkeit der Wasserhaltungen. Je geringer die Fördertiefe ist, desto niedriger fallen auch die Pumpkosten aus. Neben der Fördertiefe spielt außerdem die Zahl der Wasserhaltungsstandorte eine bedeutende Rolle. Folglich führt eine Reduzierung der Standorte zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit. Markus Roth. FOTO: RAG/VOLKER WICIOK


2014_10_06_Glueck_auf_Zukunft
To see the actual publication please follow the link above