RAG_Panorama1

2014_10_06_Glueck_auf_Zukunft

Mont Cenis, Herne: Der ehemalige Zechenstandort verwandelte sich in ein neues Stadtteilzentrum. FOTO: RAG MONTAN IMMOBILIEN/THOMAS STACHELHAUS AUS DEM BILDBAND „WAS BLEIBT IST DIE ZUKUNFT“ ELLERT UND RICHTER VERLAG 2014 Die RAG schafft kreativen Mehrwert für das Land Von Wohnraumentwicklung bis hin zum Ausbau erneuerbarer Energien: Die nachhaltige Nutzung ehemaliger Zechengelände bedeutet gestaltende Verantwortung für die nachfolgenden Generationen. Duhamel in Ensdorf Das überregionale Leitprojekt der RAG  Montan  Immobilien  an  der Saar bildet die Entwicklung einer zukunftsweisenden und nachhaltigen  Folgenutzung  für  die  etwa 100  Hektar  große  Tagesanlage und  Bergehalde  des  ehemaligen Förderstandorts Duhamel in Ensdorf.   Gerade  mal  ein  Jahr  nach dem bewegenden  Abschied  vom Bergbau  im  Saarland  stand  der Masterplan zum Premium-Standort  „Duhamel  –  Geschichte  mit Zukunft”. Die  Entwicklung  erfolgt  in  Kooperation  mit  dem  Land,  den Kommunen und den Bürgern vor Ort.  Sie  arbeiten gemeinsam daran,  etwas zu entwickeln, das sich als  nachhaltig  und  innovativ  erweist,  das zur Region passt, wirtschaftlich  machbar,  ökologisch sinnvoll und attraktiv für die Menschen  ist. In der sich nun anschließenden Phase  zwei  wird  jetzt  der  vorliegende  Masterplan weiter konkretisiert,  um an ausgesuchten städtebaulich  relevanten  Stellen  des InnovationCity Bottrop FOTO: H. BLOSSEY/WAZ FOTOPOOL 1958 1966 1968 1969 1973 1980 Beginn der Kohlekrise mir Feierschichten, dem „Marsch nach Bonn“ von 60 000 Kumpeln und einer Welle von Zechenstilllegungen. Das letzte Grubenpferd namens Seppel wird im August von der Zeche Lothringen in Bochum ans Tageslicht gebracht. Gründung der Ruhrkohle AG (RAG) als Gesamtgesellschaft des Ruhrbergbaus. 19 von 29 Bergwerksunternehmen treten bei. Die erste Strebsteuerwarte kommt auf der Zeche Hansa zum Einsatz – ein erster Schritt hin zur Vollautomatisierung des Abbaus. Über 150 Jahre stand der Bergbau für industrielles Wachstum. Die Kohle sorgte für technische Innovationsschübe und Wohlstand. Im Schatten der Fördergerüste wuchsen ländlich geprägte Gemeinden zu Großstädten mit moderner Infrastruktur heran. Es entstanden Museen, Vereine und historische Stätten, die von der Innovationskraft und den Errungenschaften des deutschen Steinkohlenbergbaus zeugen. Die große Mehrzahl der Zechen ging, was bleibt, ist die Verantwortung für die Regionen und die Menschen, die hier eine Heimat fanden. Flächenrecycling im Fokus Viele der ehemaligen Zechengelände entwickelte RAG Montan Immobilien bereits für eine Folgenutzung. Zwei Faktoren bilden dabei den Rahmen: maßgeschneiderte Konzepte für jeden einzelnen Standort und eine nachhaltige Lösung, die die Umwelt schont und den Menschen nutzt. Die Reaktivierung ehemaliger Industrieflächen ist deshalb auch kein Selbstzweck. In ihrer Nachhaltigkeitsstrategie formulierte die Bundesregierung das Ziel, den Verbrauch neuer Flächen bis Ende des Jahres 2020 auf durchschnittlich 30 Hektar pro Tag zu reduzieren. Ein ehrgeiziges Ziel, bedenkt man, dass in Deutschland täglich etwa 74 Hektar als Siedlungs- und Verkehrsfläche neu ausgewiesen werden. Das entspricht einer Fläche von rund 106 Fußballfeldern. Die Reduzierung des Flächenverbrauchs liegt auch RAG Montan Immobilien am Herzen. Ein Anliegen, das sie durch die Revitalisierung ehemaliger Zechenareale maßgeblich unterstützt. Die stillgelegten Zechenstandorte befinden sich häufig innenstadtnah und bieten aufgrund ihrer Größe viele Möglichkeiten zur Folgenutzung. Das eröffnet die Chance, Flächen auf der „grünen Wiese“ oder an Stadträndern zu schonen und diese entgegen der jahrelangen Praxis nicht mit Betonklötzen vollzustellen. Anstatt bisher ungenutzten Freiraum zu verbauen, bieten die ehemaligen Zechenstandorte in Innenstadtnähe ausreichend Platz für neue Formen von Arbeiten, Wohnen und Freizeit. Dortmund zeigt ein gutes Beispiel: Auf dem ehemaligen Bergwerk Minister Stein entstanden ein Service- und Gewerbepark sowie ein Stadtteilzentrum mit Wohn- und Freizeiteinrichtungen. Mit der Atomkatastrophe in Japan im Jahr 2011 ging in der Bundesrepublik eine grundlegende Bewusstseinsänderung in puncto erneuerbarer Energien einher. Unabhängig davon stellte die Bundesregierung dafür bereits im Jahr 2010 die Weichen: Energiestrukturen sollen sich ändern, erneuerbare Energien sollen künftig die tragende Säule der Energieversorgung in Deutschland bilden – umweltschonend, zuverlässig und bezahlbar. Auch die RAG bringt ihre Ressourcen in zukunftsweisende Energiekonzepte ein – und das nicht erst seit der Klimawende. Als ökologisches Beispiel für zeitgemäße, nachhaltige Stadtentwicklung steht der ehemalige Zechenstandort Mont Cenis 1/3 in Herne-Sodingen. Schon 1997 legten dort der damalige NRW-Innenminister Franz-Josef Kniola und Oberbürgermeister Wolfgang Becker den Grundstein für die Errichtung eines Energieparks. Er produziert heute Strom und Wärme für das Gelände sowie benachbarte Gebäude mit Hilfe von Methangas und Solarenergie. Überschüsse werden ins örtliche Netz eingespeist. Auf dem Glaskubus der dort errichteten Fortbildungsakademie des Innenministeriums des Landes NRW gewinnt die größte dachintegrierte Solaranlage der Welt umweltschonend Energie. Für die RAG bedeuten erneuerbare Energien weit mehr als Zeitgeist und gesellschaftliche Debatte. Im Jahr 2011 richtete die RAG ihre Unternehmensstrategie neu aus. „Erneuerbare Energien“ bilden neben Führung, Organisation, Personal, Kommunikation, Produktionssystem, Altlasten, Immobilien, Verkauf sowie Vermarktung von Bergbau-Equipment und -Know-how ein Handlungsfeld, wenn es darum geht, die RAG in die Zeit nach 2018 zu führen. Insgesamt engagiert sich das Unternehmen derzeit in über 70 Projekten. Der Erfolg spricht für sich: Mit RAG Montan Immobilien entstehen auf Halden und Freiflächen Wind- und Sonnenenergieanlagen, letztere vor allem im sonnenintensiveren Saarland. Auf einer ehemaligen Kohlenlagerfläche in Sulzbach produziert eine erste Photovoltaikanlage rund sieben Megawatt Strom und versorgt damit etwa 1500 Haushalte. Starke Brise an der Ruhr An der Ruhr setzt die Konzerntochter dagegen stärker auf eine starke Brise. Gemeinsam mit kommunalen Partnern entstehen auf geeigneten Bergehalden Windparks. Neben Wind und Sonne spielen auch nachwachsende Rohstoffe wie Biomasse eine zunehmend wichtige Rolle. In Gelsenkirchen, auf dem ehemaligen Gelände der Kokerei Hassel oder auch auf dem Areal des einstigen Bergwerks Hugo nutzt RAG Montan Immobilien ihre Flächen für den Anbau nachwachsender Rohstoffe zur Energieversorgung. Indes überprüft der Servicebereich Standort- und Geodienste bei der RAG derzeit Möglichkeiten, mit untertägigen Pumpspeicherkraftwerken Beiträge zur heimischen Energieversorgung zu leisten. Ein schlüssiges Konzept soll bis zum Jahr 2018 vorliegen. Die Beispiele zeigen die Vielfalt der Möglichkeiten für die zukünftige Nutzung ehemaliger Zechengelände und ihre nachhaltige Entwicklung. Nachhaltigkeit im Flächenmanagement geht für die RAG aber noch einen Schritt weiter. Sie will neue Impulse setzen. Im Kern geht es darum, die ehemaligen Bergbauareale auch für die nachfolgenden Generationen attraktiv zu gestalten und langfristig wertvolle Lebensräume zu schaffen. An der Ruhr errichtet die RAG Montan Immobilien gemeinsam mit kommunalen Partnern Windparks auf geeigneten Bergehalden. FOTO: PATRICK PLEUL/DPA Zeche Zollverein: Bei der „Extraschicht“ verzaubern leuchtende Blumen die Besucher. FOTO: U. VON BORN/WAZ FOTOPOOL Die jährlichen Neueinstellungen der RAG erreichen mit 5744 Nachwuchskräften ihren Höhepunkt. Die erste Ölkrise erfordert Maßnahmen zur Sicherung der Energieversorgung. Eine Folge: autofreie Sonntage in Deutschland. Masterplans  Vorschläge  zur  konkreten  Ausgestaltung von Freiräumen  einzubringen, aber auch um die  bisherigen  Planungen  vertiefend  auf  ihre  technische,  wirtschaftliche,   ökologische  und rechtliche  Machbarkeit  hin  zu prüfen. Seit  zwei  Jahren  präsentiert  sich Bottrop  als  Modellstadt  und Labor  für  die  Energiewende.   Der  Anspruch  der „InnovationCity“  lautet,   in  der  Innenstadt  sowie  in sechs  weiteren Stadtteilen  die CO2-Emissionen  bis  zum Jahr  2020  zu halbieren und so  schließlich die  Lebensqualität  zu steigern. Ein  Managementteam  identifizierte  hierfür  125 Einzelprojekte in fünf Handlungsfeldern.  So soll die Abwärme der Kokerei  Prosper  Schulen  beheizen, ein  Krankenhaus  lässt  sich  energetisch  sanieren, und eine Kläranlage  wird  energieautark.  Ein  anderes  Projekt schafft  sogenannte Zukunftshäuser und baut jeweils  drei Ein  und Mehrfamilienhäuser sowie  Geschäftshäuser  zu  Plusenergiehäusern  um. Eine „Energiewende von unten” nennen  es  die  Verantwortlichen, da  der  Plan  nur  funktioniert, wenn  die  Bevölkerung  auch tatsächlich aktiv mitmacht. So,  wie  die  Stadt  ihren Beitrag  leisten  muss, müssen  Eigentümer zur energetischen Sanierung  ihrer Häuser Bereitschaft zeigen. Unterstützung bei der  Entscheidung erhalten  sie  durch die Industrie, die das Projekt  finanziert. Die  Handwerkerleistungen  bezahlen  die Eigentümer,  für  den Rest  kommen  die  Unternehmen  auf. Als  Träger  des  Modellprojekts  tritt  der  Initiativkreis  Ruhr auf,  ein  Zusammenschluss  von rund  60  Ruhrgebiets-Unternehmen,  zu denen auch die RAG gehört.   Zudem  zählt  RAG  Montan Immobilien  seit  kurzem  zu  den Gesellschaftern des Projekts. Auch mit dem Fahrrad ist die Himmelsastronomie der Halde Hoheward zu erreichen. FOTO: W. QUICKELS/WAZ FOTOPOOL Mont Cenis, Herne Der ehemalige Zechenstandort verwandelte sich in ein neues Stadtteilzentrum. Leuchtturm und Herzstück ist die NRW-Fortbildungsakademie, errichtet aus Glas und 56 Fichtenstämmen. Wasserspiele, Erdkanäle und große Tore verhindern im Sommer ein Überhitzen. Auf dem Dach erzeugt eine der weltweit größten Solaranlagen mit 3185 Modulen bis zu 750 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr und versorgt die Akademie sowie die angrenzenden Gebäude und Haushalte. Rund um das „Energiebündel“ entstanden Wohnungen und Arztpraxen, aber auch soziale Einrichtungen wie ein Kindergarten und parkähnliche Strukturen. Einzelhandelsangebote runden die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten des Standorts ab.


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