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2014_10_06_Glueck_auf_Zukunft

Verantwortung übernehmen, gestern, heute und morgen Das Erbe des Bergbaus bringt Verpflichtungen mit sich – begonnen bei der Standsicherheit und der Stabilität von alten Schächten bis hin zur verlässlichen Regulierung von Bergschäden. Die RAG steht den Bergbauregionen gegenüber im Wort. Für ihre Aktivitäten legt sie hohe Qualitätsstandards fest. Bis zum 18. Jahrhundert gab es im Bergbau nur begrenzte technische Möglichkeiten zur Kohlenförderung. Die damals zur Verfügung stehenden Techniken ermöglichten es den Bergbaugesellschaften, nur Kohle aus Lagerstätten abzubauen, die nah an der Oberfläche lagen. Erst mit heranschreitender Technologisierung gelang es, Kohle auch aus größeren Tiefen zu fördern. Die Mehrzahl der Zechen ging und mit ihr auch ihre Betreiber. Für die Folgen des Altbergbaus übernimmt die RAG in ihrem Zuständigkeitsbereich die Verantwortung. Um Gefahren vorzubeugen, verfüllt sie die alten Schächte nach hohen Sicherheitsstandards. Das gilt für rund 7300 Tagesöffnungen an Ruhr, Saar und in Ibbenbüren. Es gelten hohe Qualitätskriterien „Tagesbrüche können lange nach Abbauende entstehen. Wir wissen um das Risiko. Deswegen handeln wir proaktiv und betreiben im Sinne von Prävention Gefahrenbeseitigung“, erklärt Stefan Hager, Bereichsleiter Bautechnik/Bergschäden im Servicebereich Standort- und Geodienste. Die Voraussetzung dafür bildet das Fachwissen der Experten im Unternehmen. Sie wissen, wo sich die teilweise bis zu 200 Jahre alten Schächte und Gruben befinden. Seit Mitte der 1970er Jahre verzeichnen Vermessungsexperten der RAG mit den neuesten Technologien alle ehemaligen Lagerstätten. Die Informationen fließen in eine umfangreiche Datenbank ein. 140 000 Blätter in Karten und Risswerken dokumentieren Ort und geometrische Daten für jeden einzelnen Schacht. Eine zusätzliche Risikokennziffer signalisiert die Dringlichkeit der Sanierung. Der Handlungsbedarf hängt entscheidend davon ab, was sich oberhalb der alten Lagerstätten befindet. Ganz oben auf der Liste zur Verfüllung stehen Schächte an Schulen, öffentlichen Gebäuden oder auch Kinderspielplätzen. Liegen alte Schächte in Waldgebieten, sind diese abgezäunt, und Hinweisschilder warnen vor möglichen Gefahren. Unterschiedliche Rezepturen Für die Schachtverfüllung gelten bei der RAG hohe Qualitätsstandards. Und nicht immer verwendet die RAG die gleiche „Rezeptur“, weil jeder Schacht andere Beschaffenheiten aufweist und eigene Besonderheiten besitzt. Unabhängige externe Gutachter entscheiden nach den örtlichen technischen und geologischen Rahmenbedingungen über Verfahren und Material. Bei der Entscheidung über Lavagranulat oder Beton, über Teil- oder Vollverfüllung steht die dauerhafte Stabilisierung der Schächte im Vordergrund. „Standsicherheit der Schächte“ lautet die Verantwortung der RAG, die sie gewissenhaft wahrnimmt. Gestern, heute und auch in Zukunft. Für Schäden aus dem Bergbau geradestehen Weniger als 20 Bergschäden landen vor Gericht. FOTO: U. MICHELS/WAZ FOTOPOOL Die Moderne prägt die Zechen – allen voran die neue Zeche Zollverein. Die Förderrate von Schacht 12 mit 12 000t/ Tag ist im Ruhrbergbau nicht überschritten worden. “Kunst gegen Kohle“ war das Motto frierender Theaterleute, die aus dem Revier Kohle heim nach Hamburg holten: die Geburtsstunde der Ruhrfestspiele. PROZESS DER BERGSCHADENSREGULIERUNG Schadensmeldung u Eingangsbestätigung ja Einwirkung vorhanden? Bearbeitung Ortstermin nein Regulierungsangebot Bergschaden Ablehnung mit Begründung nein nein nein ja Schriliches Einverständnis durch Eigentümer ja Schlichtung Klage Geldzahlung Reparatur durch Fachfirmen Abschluss der Regulierung Ein Schacht wird mit Beton verfüllt. RAG-Team bei der geophysikalischen Untersuchung. FOTOS: GRABEN/WAZ FOTOPOOL Der Vertrag über die „Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl“ überträgt erstmals nationale Hoheitsrechte auf eine supranationale Behörde und wird so zum Fundament der Europäischen Union. Die Steinkohlenförderung erreicht mit über 120 Millionen Tonnen in 153 deutschen Bergwerken ihren Höhepunkt. Stefan Hager lässt erst gar keinen Zweifel aufkommen: „Natürlich bleibt die Regulierung von Bergschäden dauerhaft gesichert. Die RAG bildete dazu – auch für die Zeit nach dem Auslauf des deutschen Steinkohlenbergbaus im Jahr 2018 – Rückstellungen”, betont der Bereichsleiter Bautechnik/ Bergschäden (BGB) im Servicebereich Standort- und Geodienste. Einvernehmliche Einigung Rund 35 000 Bergschäden melden Betroffene an Saar und Ruhr der RAG jedes Jahr. Weniger als 20 von ihnen landen vor Gericht, rund 120 Schäden bei der Schlichtungsstelle in Essen, die meisten Fälle finden hier eine einvernehmliche Einigung. Der größte Teil der Schäden bewegt sich dabei nicht in großen Kategorien. „Etwa 90 Prozent der Schadensfälle belaufen sich auf unter 5000 Euro”, erklärt Hager. Ob Risse im Mauerwerk oder Feuchtigkeitsschäden im Fundament – bei Vor-Ort-Terminen prüfen und erkennen die Mitarbeiter, ob bergbauliche Entwicklungen die Schäden verursachten. Sind die Ansprüche gerechtfertigt, können Hauseigentümer zwischen finanzieller Entschädigung oder Reparatur durch die RAG wählen. „Die Betroffenen lassen die Schäden eher reparieren, wenn sie an Standorten mit aktivem Bergbau auftreten. Fälle in stillgelegten Regionen regeln wir eher durch Geldentschädigungen”, berichtet Hager aus der Praxis. Bearbeitung über 2018 hinaus Nachhaltigkeit bei der Schadensregulierung umfasst für die RAG drei Komponenten: den fairen Umgang miteinander, ein transparentes Verfahren und vorausschauendes Handeln. Das stellen unter anderem ein standardisiertes Bearbeitungsverfahren, zertifiziert nach internationaler Norm DIN EN 9001, und Rücklagen sicher. Selbstverständlich bearbeitet das Service- Center auch über das Jahr 2018 hinaus Schadensmeldungen zentral von Herne aus. iDie RAG bietet Betroffenen eine kostenlose Hotline an bei Schäden am Haus, bei Neu- und Umbauvorhaben, montags bis freitags von 7.30 bis 16 Uhr, donnerstags bis 18 Uhr: s 0800/2 72 72 71 oder 0800/1 01 02 04 ALTBERGBAU Der Altbergbau umfasst Standorte, mit denen der Bergbau vor mehreren Hundert Jahren im südlichen Ruhrgebiet begann. Er hinterließ allein in Nordrhein-Westfalen insgesamt 50 000 Tagesöffnungen. Etwa 17 000 davon lassen sich Unternehmen wie E.on, RWE oder auch ThyssenKrupp als Bergbaunachfolgegesellschaften zuordnen. Nur 4700 Tagesöffnungen fallen in den Verantwortungsbereich der RAG. In Fällen ohne Rechtsnachfolger kümmert sich das Land Nordrhein Westfalen um die Standsicherheit der jahrhundertealten Schächte. Die unterschiedlichen Zuständigkeiten und verschiedenen Standards führen jedoch mancherorts zu komplizierten Situationen. Das Know-how der RAG im Umgang mit dem Altbergbau ist dabei weltweit einzigartig. Von dem speziellen Expertenwissen können bei Bedarf auch andere profitieren. Der Förderturm der ehemaligen Zeche Erin in Castrop. FOTO: KLAUS HARTMANN/WAZ FOTOPOOL 1928 1946/47 1951 1956


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