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Seite 8 // Glück auf. Fläche. Montag, 06. Oktober 2014 Forschungsprojekt CultNature Stadtquartiere durch produktive Parklandschaften ökologisch aufwerten Die RAG Montan Immobilien liefert für das Forschungsprojekt CultNature Modelle für die Schaffung von Bio-Montan-Parks. FOTOS (2): PLANERGRUPPE OBERHAUSEN Bei dem Forschungsprojekt CultNature trägt die RAG sowohl mit ihrem Know-how als auch mit ihren vorhandenen Flächen zur nachhaltigen Stadt- und Regionalentwicklung in nordrheinwestfälischen Bergbaurückzugsgebieten bei. Die Konzerntocher RAG Montan Immobilien beteiligt sich dazu gemeinsam mit NRW.Urban an der Umsetzungsstudie von CultNature, die unter Federführung des Instituts für Arbeit und Technik der Fachhochschule Gelsenkirchen (IAT) erfolgt und vom Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert wird. Die Beiträge von RAG Montan Immobilien dienen dabei als Modell für die künftige Schaffung von Bio- Montan-Parks im Revier, die dem regionalen Energiewandel sowie der nachhaltigen Quartiersentwicklung Rechnung tragen. Eine ganze Region gewinnt: Wege zu einer nachhaltigen Urbanität Hinter dem Begriff „CultNature“ verbirgt sich ein innovatives Konzept zur Nutzung von Industriebrachen für eine ökologische Stadtentwicklung. Die Flächen sollen sich zu produktiven Parklandschaften entwickeln, die mit ihrer hohen Aufenthaltsqualität wiederum neue Räume für soziale und kulturelle Aktivitäten schaffen. Im Gegensatz zu kunstvoll gestalteten Parkanlagen klassischer Städte mit hohen Unterhaltskosten steht bei den sogenannten Bio-Energie-Parklandschaften von CultNature die Nachhaltigkeit, also die Balance aus ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Tragfähigkeit, im Fokus. Es gilt, die ehemaligen Industrieflächen so zu kultivieren, dass sich dort die Lebens-, Wohn- und Standortqualität verbessert und gleichzeitig ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet wird. Bei einer sukzessiven Entwicklung der Fläche kann CultNature auch als sinnvolle Zwischenlösung für einzelne Parzellen dienen, bis später eine anderweitige Bebauung erfolgt. In den „Bio-Energie-Parks“ werden Felder für schnell wachsendes Gehölz wie Akazien, Pappeln oder Gräser in Parkanlagen eingebunden und Wege mit Plätzen, Zierpflanzungen und Freizeitanlagen geschaffen. Die Parkanlagen sollen neue Freizeitmöglichkeiten eröffnen. Die Gehölz- und Gräserpflanzungen lassen sich wirtschaftlich für die Erzeugung von Fernwärme, Strom, Ethanol und anderen Formen von Bio-Energie nutzen. Gleichzeitig dienen sie der Verbesserung der CO2- Bilanz des Ruhrgebiets und schaffen Ausgleichsflächen. CultNature vermittelt der lokalen und regionalen Wirtschaft anhaltende Innovations- und Wachstumsimpulse. Bei den Projekten setzen die Kooperationspartner auf eine konsequente Beteiligung von Studenten und Auszubildenden, um das Ruhrgebiet für junge, aufgeschlossene, engagierte und kreative Menschen noch interessanter zu machen. Langfristig sichert der Prozess nicht nur die ökologische, sondern auch die wirtschaftliche und soziale Zukunft der Region. Um die Studie voranzutreiben, stellt RAG Montan Immobilien gleich mehrere ehemalige Bergbauflächen zu Forschungszwecken zur Verfügung. Bisher steht noch nicht in Gänze fest, ob sich die Betrachtungsobjekte für eine Nutzung im Sinne von CultNature eignen. Um das herauszufinden, steht die Konzerntochter nicht nur im engen Kontakt mit den Kooperationspartnern im Projekt, sondern arbeitet auch eng mit den jeweiligen Städten zusammen. Darüber hinaus gilt es, Akteursstrukturen und Interessenskonstellationen sowie planungsrechtliche Vorgaben zu beachten, die die Flächenentwicklung begleiten. Mit der Kokerei Graf Bismarck in Gelsenkirchen und einer Teilfläche des Bergwerks Ost in Hamm bringt RAG Montan Immobilien gleich zwei Projekte in die Studie ein. Zeche Heinrich Robert 1/2/4 in Hamm Im September 2010 stellte das ehemalige Bergwerk Ost die Steinkohlenförderung ein. Damals arbeiteten auf der Zeche noch rund 1800 Mitarbeiter, die im Zuge der Stilllegung auf andere Bergwerke der RAG wechselten. Ein Teilbereich des Bergwerks Ost, entstanden aus den Verbünden der vorangegangenen Jahre, war die Zeche Heinrich Robert 1/2/4. Die Teilfläche liegt im Siedlungsrandgebiet, im Südwesten der Stadt Hamm zwischen den Stadtteilen Herringen und Pelkum. Auf dem nordwestlichen Teil der Fläche befindet sich die rund zehn Hektar große Halde Humbert. Die Gesamtfläche beträgt circa 65 Hektar. Direkt im Anschluss der Stilllegung begann die RAG gemeinsam mit der Stadt Hamm die Planung der Folgenutzung. Der Plan sieht vor, Teilflächen des ehemaligen Bergbauareals im Sinne von CultNature zu nutzen. Dabei gilt es aber, das Gesamtentwicklungspotenzial der Fläche in Betracht zu ziehen. Bergwerk West in Kamp-Lintfort Auch für das ehemalige Bergwerk West, das im Dezember 2012 seine Förderung einstellte, prüft RAG Montan Immobilien derzeit Möglichkeiten, Teilflächen nach dem Leitgedanken von CultNature zu gestalten. Eine finale Entscheidung steht jedoch auch hier noch aus. Im Rahmen der sukzessiven Entwicklung der Fläche ist es vorgesehen, einzelne, erst langfristig vermarktbare Baufelder, mit schnellwachsenden Gehölzen zu bepflanzen, um daraus Biomasse zu gewinnen. Das Stichwort dabei lautet „Natur auf Zeit“. Sobald eine bauliche Nutzung der Parzelle möglich ist, kann die Fläche dafür wieder freigemacht werden. Auch die im Osten des Areals geplanten Freiraumflächen lassen sich mit Energiepflanzen gestalten, welche zu unterschiedlichen Jahreszeiten blühen und in unterschiedlichen Zeitabständen geerntet werden. „BEI CULTNATURE STEHT DER GESAMTSTÄDTISCHE GEWINN IM VORDERGRUND “ Prof. Dr. Hans- Peter Noll, Vorsitzender Energie-Plus Standort Lohberg Verknüpfung von Stadtteil, Zechengelände und Haldenlandschaft 91Jahre Steinkohlenbergbau machten Lohberg zu dem, wofür es heute steht: Ein Ort mit Geschichte, ein Ort mit Zukunft. Auch nach Stilllegung des Bergwerks sieht die RAG in dem Dinslakener Stadtteil einen Standort mit wertvollem Entwicklungspotenzial. Im Fokus des Projekts steht, eine sinnvolle Flächennutzung des ehemaligen Zechenareals Lohberg zu finden, die die Anforderungen an nachhaltiges Handeln erfüllt. Das Konzept sieht die Entwicklung eines einzigartigen Energiestandorts vor, bei der eine räumliche Verknüpfung von Stadtteil, Zechengelände und Haldenlandschaft entsteht. Damit setzt das Projekt Maßstäbe bei der Entwicklung ehemaliger Bergbaustandorte. Für die RAG bedeutet nachhaltiger Städtebau, die Wechselwirkung aus sozialen, wirtschaftlichen und Ressourcen schonenden Aspekten in einer Weise zu stärken, die Arbeiten, Wohnen und Erholen gleichermaßen ermöglicht und den Stadtteil zu einem attraktiven Standort der Region macht. Eine innovative und zukunftsorientierte Mischnutzung, die für Lohberg eine hohe Aufenthalts und Wohnqualität bedeutet. Die Idee eines Energie-Plus-Standorts In Dinslaken entwickelt sich das gesamte 40 Hektar große Areal des ehemaligen Bergwerks Lohberg zusammen mit der benachbarten Gartenstadt zum derzeit größten CO2- neutralen Standort in Deutschland. Als Kreativ.Quartier Lohberg (KQL) steht es symbolisch für den Umwandlungsprozess eines ganzen Stadtteils sowie für die Zukunft Dinslakens und als Beispiel für die nachhaltigen Stadtquartiersentwicklungen der RAG Montan Immobilien. Das KQL stellt die Weichen für die Entwicklung eines gesamtökologischen Standorts und eine sinnvolle Nutzung vorhandener Ressourcen. Ein Baustein, den das Unternehmen im Prozess der regionalen Energiewende legt. Innovative Quartiersentwicklung und Zentralcluster Im Norden von Dinslaken entsteht ein neues Stadtquartier zum Arbeiten und Wohnen für rund 1000 Menschen. Die Stadt und die RAG Montan Immobilien entwickeln die Fläche gemeinsam nach den Grundsätzen von Nachhaltigkeit. Dabei verfolgen sie neue und innovative Wege im Bereich der Stadt- und insbesondere in der Quartiersentwicklung. Das Kreativ.Quartier Lohberg soll ein Miteinander von neuer Architektur und denkmalgeschützten Gebäuden prägen. Dies gilt für die Neubauareale und vor allem für das Zentralcluster, den Kernbereich rund um die Lohnhalle. Moderne Plus- Energiegebäude verdich- ten das Quartier und verweisen zugleich auf den zukunftsorientierten Aspekt des Projekts. Der standort-prägende Altbestand an Gebäuden fügt sich in das Konzept einer nachhaltigen Flächennutzung ein, bei der der historische Bezug zur Region nicht verloren geht. Die denkmalgeschützten Gebäude bieten sich vorrangig für kulturelle und kreativwirtschaftliche Zwecke an. Das Zentralquartier mit einer Mischung aus Vergangenheit und Moderne ist spannend für Kunst und Kultur. Neue Energie für Lohberg Das grundlegende Ziel lautet, ein CO2-neutrales Quartier mit innovativen Gebäudequalitäten zu schaffen. Das Energiekonzept setzt nicht nur auf einen Energieträger. Auf der Fläche können zusätzlich Sonnenenergie und Grubengas aktiviert werden. Die Haldenlandschaft eignet sich für die Nutzung von Windenergie. Eine gezielte Bewirtschaftung der Grünbereiche kann zur Erzeugung von Biomasse als Energieträger beitragen. Der erzeugte Strom soll unter anderem vor Ort für den Betrieb von Wärmepumpen eingesetzt und wirtschaftlich vermarktet werden. Überschüssiger Strom soll in die Gartenstadt Lohberg und ins Stadtgebiet von Dinslaken fließen. Das Zechenareal Lohberg: Energiestandort mit... FOTO: HARST Kreativität. FOTO: RAG MONTAN IMMOBILIEN der Geschäftsführung von RAG Montan Immobilien über die Idee eines „produktiven Parks“. Herr Prof. Dr. Noll, welche konkreten Ziele verfolgt CultNature? Das Projekt CultNature entstand aus einer stadtsoziologischen Perspektive, bei der Brachen als städtebaulicher Missstand identifiziert wurden und überlegt wurde, wie man solche Stadtgebiete attraktiver gestalten kann, ökologisch und ökonomisch, und um für die Menschen drum herum eine höhere Lebensqualität zu erzeugen. Hier setzen die Projektpartner von CultNature, IAT, NRW.Urban und RAG Montan Immobilien an, mit der Idee eines „produktiven Parks“. Wir wollen Parklandschaften realisieren, die dauerhaft Erträge abwerfen, aus denen die Pflege sichergestellt werden kann. Das kann zum Beispiel über Biomasse gelingen, die anschließend energetisch Verwendung findet. Damit könnte CultNature auch einen Beitrag zur regionalen Energiewende leisten. Aber darum geht es bei CultNature nicht alleine, hier steht der gesamtstädtische Gewinn im Vordergrund. Schließt das Prinzip von Cult- Nature eine herkömmliche immobilienwirtschaftliche oder industrielle Nutzung aus? CultNature folgt ökonomischen Prinzipien. Ohne Ertrag ist die städtebauliche Qualität einer begrünten ehemaligen Brachfläche nicht dauerhaft sicherzustellen. Mit CultNature schaffen wir es, die Qualität solcher Brachflächen aufzuwerten, die dann immer noch zu einem späteren Zeitpunkt entwickelt werden können. Die Zwischennutzung macht die Fläche für potenzielle Investoren interessanter. Insofern zeigt sich deutlich, dass CultNature Teil einer immobilienwirtschaftlichen Langfriststrategie sein kann. Sozusagen eine Entwicklung mit Warteschleife. Prof. Dr. Noll


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