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4 // Glück auf. Fläche. Montag, 06. Oktober 2014 Montag, 06. Oktober 2014 Glück auf. Fläche. // Seite 5 42 RAG MONTAN IMMOBILIEN RAG-GESCHÄFTSBERICHT 2013 RAG Montan Immobilien Zeche Ewald 1/2/7, Herten Strukturwandel, knallbunt und zukunftsorientiert Gar nicht so einfach: Was verbindet die größte Haldenlandschaft Europas mit der Formel 1? Schließlich ähnelt Herten nicht unbedingt Monte Carlo, die Zeche Ewald ist kein Refugium der Schönen und der Reichen und bei der Halde Hoheward drängt sich nicht der Vergleich mit dem berühmten Stadtkurs auf. Es ist Weltmeister Sebastian Vettel, der die scheinbar unvereinbaren Gegensätze unter einen Hut bringt. Im Sommer 2013 brettert er mit einer feuerroten Seifenkiste die Hoheward-Piste hinunter, und 55 000 Zuschauer haben ihren Spaß beim Red Bull Seifenkistenrennen. RevuePalast Ruhr und Sportschau-Club Vor Sebastian Vettel war schon Udo Lindenberg da. Er zeigte sich von Christian Stratmanns RevuePalast Ruhr begeistert („echt geil hier“), der seit 2009 in der alten Heizzentrale residiert. Und er hatte auch den passenden Song für eine Region im Umbruch parat: „Hinterm Horizont geht’s weiter“, was sonst. Dass die Zeche nach dem Aus im Jahr 2000 nicht zur „verbotenen Stadt“ wurde, dafür sorgte auch die „Extraschicht“, ein gigantisches Kulturfestival im Revier, mit Ewald als fester Größe. Und auch das Fernsehen hat bereits den Unterhaltungswert von Ewald entdeckt. In der Untertagebar des Revue-Palastes bittet ARD-Sportmoderator Alexander Bommes prominente Gäste in den Sportschau-Club. Auch Ludger Spickermann ist einer von den Pionieren auf Ewald, die immer an den Standort geglaubt und viel Geld in die Hand genommen haben, um dort zu investieren: „Eine halbe Mille ist da schon über den Tisch gegangen“, sagt der Altbäckermeister, angesprochen auf die Investitionssumme, die sein Sohn Ulrich in den wunderschönen Pavillon auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Ewald gesteckt hat. Das Prachtstück, das 2009 erbaut wurde, ist heute einer der Hauptanziehungspunkte auf Ewald. Bei schönem Wetter besetzen oftmals schon vormittags zig Radfahrer die rund 100 Plätze innen und die 140 Plätze im Außenbereich. Neue Arbeitsplätze Nach der Schließung der Zeche Ewald entstand ein breites Spektrum, bei dem Showbusiness und Industriekultur auf der einen und Logistik, Handwerk und Hightech auf der anderen Seite eine reizvolle Symbiose eingehen. 1246 neue Arbeitsplätze wurden in den 13 Jahren nach Stilllegung geschaffen, 76 Prozent aller Flächen sind vermarktet. Dabei profitiert man noch heute davon, dass die Verantwortlichen schon 1997 damit begannen, Pläne für die Zeit nach der Stilllegung zu entwickeln, die dann sofort umgesetzt werden konnten. Besondere Bedeutung kommt der „Projektgemeinschaft Ewald“ zu, die 1999 von der ehemaligen Montan Grundstücksgesellschaft mbH (MGG), dem Vorgänger der heutigen RAG Montan Immobilien GmbH, und der Stadt Herten gegründet wurde . Ausschlaggebend für den Erfolg des Projekts ist sicher die gelungene Gestaltung der Fläche, die sich an den Entwurf der Architekten Cino Zucchi aus Mailand, Martin Halfmann aus Köln und des Hamburgers Peter Köster aus dem Jahr 2002 anlehnt. Hervorstechendes Element ist die „historische Schicht“ mit denkmalgeschützten Zechengebäuden wie der Schwarzkaue, der Heizzentrale und den alten Schachtgerüsten, die den Charme des Geländes ausmachen und als „Leuchttürme“ dienen. Über Plätze und Wege ist dieser Bereich mit der neuen Ewaldpromenade verbunden, die von Süd nach Nord parallel zum sogenannten Blauen Band verläuft, einem künstlichen Entwässerungskanal. Er bildet zugleich die symbolische Grenze zwischen dem alten Zechenkern im Westen und den neuen Verwaltungs- und Dienstleistungsflächen im Osten. Als Marktplatz und öffentliches Zentrum war das große Rechteck zwischen Malakowturm und den Gebäuden von Schacht 7 vorgesehen. Zugleich wies das Blaue Band auch Fußgängern und Radfahrern den Weg zu den Halden. So konnte der 750 Hektar große Landschaftspark Hoheward in die Entwicklung des Zukunftsstandortes Ewald eingebunden werden. Bauunternehmer Hannes mit Visionen Alle guten und ambitionierten Pläne für die Umgestaltung eines alten Zechengeländes nutzen wenig, wenn sich keine Pioniere finden. Menschen mit Tatkraft, die bereit sind, sich dort zu engagieren und dafür eben auch viel Geld in die Hand zu nehmen. Ein weiterer davon ist der Bochumer Sanierungsspezialist Ernst-August Hannes . Die Stadt Herten und der Flächenentwickler MGG waren naturgemäß hocherfreut über einen Investor wie Hannes, der die Verwaltung und die Sheddachhalle, die Betriebs- und die Elektrowerkstatt erwarb, um sie mit eigenen Leuten fit für die Zukunft zu machen, und der dabei ein Faible für Vergangenes entwickelte, das vor der Vergänglichkeit bewahrt werden soll. Über 5 000 Quadratmeter verfügt die Firma inzwischen auf Ewald. Zugleich 4 42 RAG MONTAN IMMOBILIEN RAG-GESCHÄFTSBERICHT 2013 RAG Montan Immobilien 14.700 FUSSBALLFELDER umfasst die Gesamtfl äche des Portfolios (10.500 Hektar) an RAG-Flächen, das die RAG Montan Immobilien verwaltet. Rund 9.000 Hektar wurden seit 1977 bereits entwickelt und einer neuen Nutzung zugeführt – vom Stadtquartier über Kreativ- oder Technologieparks und Logistikzentren bis zu naturnahen Freizeitarealen. 14.700 bereitete der Pionier den Weg für weitere Ansiedlungen. So sanierte er die denkmalgeschützte Verwaltung der Zeche und vermietete sie an das IT-Unternehmen PROSOZ, das 14.700 FUSSBALLFELDER umfasst die Gesamtfl äche des Portfolios (10.500 Hektar) an RAG-Flächen, das die RAG Montan Immobilien verwaltet. Rund 9.000 Hektar wurden seit 1977 bereits entwickelt und einer neuen Nutzung zugeführt – vom Stadtquartier über Kreativ- oder Technologieparks und Logistikzentren bis zu naturnahen Freizeitarealen. 1.600 GEBÄUDE und Anlagen aus RAGBestand befi nden sich in der Obhut sich mit 270 1.500 HEKTAR Flächen waren im Jahr 2013 Mitarbeitern und denkmalgeschützten Unternehmenstochter – von 14.700 120 freien Trainern um die bis zum Belange von über 1400 Städten der und Waschkaue Kreisen kümmert. der Ein weiteres Hightech-Flaggschiff auf Ewald ist die ISRA Vision AG, deren Tochter ISRA Surface VISION GmbH führend auf dem Gebiet der Oberflächeninspektion FUSSBALLFELDER umfasst ist,die Gesamtfl die blitzschnell äche des Portfolios (10.500 Hektar) an RAG-Flächen, das die RAG Montan Immobilien mithilfe verwaltet.von Robotern Rund 9.000 erfolgt. Hektar wurden seit 1977 bereits entwickelt und einer neuen Nutzung zugeführt – vom Stadtquartier über Kreativ- oder Technologieparks und Logistikzentren bis zu naturnahen Freizeitarealen. Ein weiterer Baustein in der Entwicklung war die Ansiedlung des Wasserstoff Kompetenzzentrums auf Ewald. Von der Blaupause zum Erfolgsmodell Last but not least: die Logistik. Im hinteren Teil des Ewald- Geländes, auf insgesamt fast 180 000 Quadratmetern, ist ein Logistik-Cluster entstanden, das Strahlkraft für das ganze Ruhrgebiet hat. Begünstigt durch die Nähe zur Autobahn A2 rollen nahezu ständig schwere Lkw über die Industrieallee zu den riesigen Hallen der verschiedenen Firmen. Neben dem weltweit führenden Logistiker ProLogis Germany Management GmbH haben sich dort der Ersatzteildienstleister Panopa und der Fachgroßhandel für Bau- und Industriebedarf HTI Collin & Schulten KG mit ihren hochmodernen Logistikzentren angesiedelt. So konnte das 1999 gegebene Versprechen, 1000 neue Arbeitsplätze auf dem ehemaligen Zechengelände zu schaffen, schon 2008 eingelöst werden. in der Entwicklung – in 66 Projekten, davon 55 im Ruhrgebiet und 11 an der Saar. 1.800 .000 TONNEN Boden, die im Zuge von Baumaßnahmen anfallen, nimmt RAG Montan Immobilien 1.500 HEKTAR Flächen waren im Jahr 2013 in der Entwicklung – in 66 Projekten, davon 55 im Ruhrgebiet und 11 an der Saar. Zeche Lohberg, Dinslaken Keimzelle des größten CO2-neutralen Standorts Deutschlands Förderturm. 1.500 HEKTAR Flächen waren im Jahr 2013 in der Entwicklung – in 66 Projekten, davon 55 im Ruhrgebiet und 11 an der Saar. FUSSBALLFELDER umfasst die Gesamtfl äche des Portfolios (10.500 Hektar) an RAG-Flächen, das die RAG Montan Immobilien verwaltet. Rund 9.000 Hektar wurden seit 1977 bereits entwickelt und einer neuen Nutzung zugeführt – vom Stadtquartier über Kreativ- oder Technologieparks Die Malerin Ulrike Int-Veen ist und Logistikzentren eine der Zwischennutzer in den Büros der Lohnhalle auf bis zu naturnahen Freizeitarealen. Lohberg. Die Künstlerin nutzt mit Atelier und Malschule einige helle, freundliche Räume. Und sie bringt diese Helligkeit auf die Leinwand. Ihre gegenstandslose Malerei greift die Materialien der Region auf: Kohlestaub färbt schwarz, rostiges Eisen liefert rötlich-braunes Pigment. „Lohberg ist für mich vor allem eine große Chance zur Zusammenarbeit“, sagt die Malerin. Und erzählt von den gemeinsamen Projekten mit den anderen Künstlern im Kreativquartier sowie 600 .000 installierte SOLARMODULE auf Flächen und der Entwicklung ihrer Schule für abstrakte Malerei. Die Lohnhalle birgt viele solcher Geschichten. Zum Beispiel auch die der Pressefotografin Peggy Mendel, die sich zurzeit ein weiteres Standbein auf Lohberg aufbauen möchte. Int-Veen und Mendel gehören zur Kreativwirtschaft – und die ist Hauptzielgruppe der Immobilienvermarkter der RAG Montan Immobilien GmbH. Nach der Schließung der Schachtanlage Lohberg im Jahr 2005 schlugen die Verantwortlichen konsequent diesen Weg ein. Das „Kreativ. Quartier Lohberg“ sollte zum Motor der Flächenentwicklung werden. Die Gesamtfläche des im Dezember 2005 stillgelegten Bergwerks umfasst allerdings rund 40 Hektar, zu deren Entwicklung mehr notwendig sein wird als die Ansiedlung einiger Unternehmen. In Gesprächen mit Verantwortlichen der Stadt Dinslaken, Raumplanern, den Anwohnern und interessierten Bürgern wurde ein Gesamtkonzept entwickelt. Nach diesem Konzept entwickeln die Stadt und die RAG Montan Immobilien das gesamte Areal des Bergwerks Lohberg zusammen mit der benachbarten Gartenstadt zum derzeit größten CO2-neutralen Standort in Deutschland. Als Kreativ.Quartier Lohberg ist es Symbol für den Umwandlungsprozess eines ganzen Stadtteils sowie für die Zukunft Dinslakens. Durch die Entwicklung eines gesamtökologischen Standorts und die sinnvolle Nutzung vorhandener Ressourcen wird in Lohberg der Baustein zur regionalen Energiewende und für mehr Lebensqualität gelegt. Sechs regenerative Energiequellen zur Erzeugung von Strom und Wärme für neue Wohngebäude, neue Gewerbebauten und neu genutzte Denkmäler werden klimagerecht und energiedeckend genutzt. Das Energiekonzept setzt nach den Vorgaben zu Energieeinsparungen und Niedrigenergiestandards auf Wind, Photovoltaik, Grubengas und –wasser, Geothermie und Biomasse. Langfristig werden deutliche Einsparungen, mehr Unabhängigkeit sowie Preisund Versorgungssicherheit erzielt. Es wird darüber hinaus so viel grüne Energie gewonnen, dass diese in den gesamten Stadtteil Lohberg exportiert werden kann. Kreativlandschaft auf Lohberg Im Zentralbereich mit der besonderen Atmosphäre der alten Industriedenkmale befindet sich das eigentliche Kreativ.Quartier. Dort haben sich inzwischen zahlreiche Künstler und Handwerker niedergelassen. Die Rahmenplanung für die Gesamtfläche gliedert sich in Nord-Süd-Richtung in zwei weitere klar umgrenzte Gebiete. Im Süden des Areals ist Raum für die Ansiedlung von Gewerbebetrieben. Vom neuen Bergpark aus erschließt in Zukunft ein 25 Meter breiter Corso als Nord-Süd- Achse für Fußgänger und Radfahrer das gesamte Gelände. Im Norden – in unmittelbarer Nähe zur Lohberger Gartenstadt – entsteht ein Wohnquartier, das unterschiedliche Zielgruppen ansprechen soll. Der Bergpark sieht auf neun Hektar Fläche eine ausgewogene Gestaltung der Landschaft und Natur vor – unter anderem mit einem idyllischen Weiher. Nach Osten geht das Gelände in eine rund 300 Hektar umfassende Haldenlandschaft über. Die Halde Lohberg ist bereits begrünt, auf der Halde „Lohberg Erweiterung“ wurde die Anlieferung von Abraum im Jahr 2010 abgeschlossen. Im nächsten Jahrzehnt entsteht in Lohberg ein innovatives Stadtquartier, das tausend Menschen Raum zum Arbeiten und Wohnen bietet. Zeche Gneisenau, Dortmund Champions League der Flächensanierung Dortmund und der Fußball, das ist eine besondere Geschichte. Europa liegt dem BVB wieder zu Füßen, kaum eine andere Mannschaft spielt einen solch begeisternden Tempofußball. Aber Spitzenklasse verkörpert Dortmund auch in anderen Disziplinen. Zum Beispiel auf Gneisenau. „Was wir hier machen, ist die Champions League der Flächensanierung“, sagt RAG Montan Immobilien-Projektleiter Thomas Schürkamp. Früher arbeitete hier eine der größten Zechen Europas samt angeschlossener Kokerei, abgegrenzt durch hohe Mauern. Heute ist Gneisenau offen und grün – Skater, Jogger, Spaziergänger und Radler finden hier ihr Eldorado. Zugleich ist Gneisenau längst das neue Zentrum des alten Bergbaustadtteils Derne. Das Einkaufszentrum mit Aldi und Rewe, aber auch der Dienstleistungsriegel mit Ärzten, Apotheke, Sparkasse und Drogeriemarkt ziehen Besucher aus der Nachbarschaft an. Blicken wir zurück: 1985 ist letzte Seilfahrt auf Gneisenau, Schicht am Schacht, eine mehr als 100-jährige Tradition endet. Bis zu 6 300 Kumpel fuhren einst auf Gneisenau ein. Heute erinnern nur noch der wuchtige Doppelbock-Förderturm und das inzwischen weltweit einmalige Tomson Fördergerüst, benannt nach dem ehemaligem Bergwerksdirektor Eugen Tomson, an die alte Herrlichkeit – zwei Landmarken, die unter Denkmalschutz stehen, ebenso wie die Schachthalle über Schacht 2. Doch drum herum regt sich heute neues Leben. Bis dahin hat es allerdings fast zwei Jahrzehnte gedauert. „Wir sind jetzt auf einem guten Weg. Strukturwandel führt ja nie direkt von Punkt A nach Punkt B“, sagt Thomas Schürkamp und meint die zahlreichen Hindernisse, die überwunden werden mussten. Hilfreich war dabei der 2010 unterschriebene städtebauliche Vertrag zwischen Dortmund und der RAG Montan Immobilien GmbH, worin zum Beispiel festgelegt ist, dass das Grünflächenmanagement von der Stadt erledigt wird. Ihrerseits finanzierte die RAG Montan Immobilien GmbH mit 4,5 Millionen Euro den Ausbau der Gneisenauallee und machte damit die gewerbliche Erschließung des Areals erst möglich. Der 1,3 Kilometer lange Straßenabschnitt führt in Ost-West-Richtung direkt zur B236 und sorgt damit für die Anbindung an die A1, die A3 und die A 40/44. Eine Hauptschlagader, von der ein ganzer Stadtteil profitiert. Bruno Schreurs verfolgt diese Entwicklung mit erhöhter Aufmerksamkeit. Als ehemaliger SPD-Ratsherr für Derne und Vorsitzender des Aufsichtsrats der von der RAG Montan Immobilien und der Stadt Dortmund gemeinsam gebildeten Projektgesellschaft Gneisenau war er von Beginn an in die Prozesse eingebunden, die zur Entwicklung eines neuen Stadtteils gehören. „Wir haben lange darum gekämpft, welche Art von Einzelhandel auf Gneisenau angesiedelt werden sollte“, erzählt er. Mit dem östlichen Bereich, wo künftig neben dem Einkaufszentrum noch ein Fachmarktzentrum die Anziehungskraft von Gneisenau erhöhen soll, ist er sehr zufrieden: „Hat alles gut geklappt. Das Einkaufszentrum kommt gut an.“ Einzelhandel strahlt über Derne hinaus Noch einmal zurück zur Gneisenauallee, die das Gelände fast schnurgerade durchschneidet und eine säuberliche Trennung der jeweiligen Nutzungen ermöglicht. Südlich der Erschließungsstraße sind im östlichen Bereich Flächen für Gewerbe- und Handwerksbetriebe vorgesehen, die gut nachgefragt werden. Weiter westlich und gut abgeschirmt durch das 18 Hektar große Landschaftsbauwerk, den Stadtteilpark zwei, das aus einem parkähnlichen Gelände und einem Aussichtshügel besteht, bietet sich eine Fläche als Standort für einen Autohof und verschiedene Logistikunternehmen an. Im Schatten des Einkaufszentrums entstand ein Stadtteilpark für Spaziergänger, Jogger und Walker. Die benachbarte Skateranlage wurde gemeinsam mit Jugendlichen aus Derne, dem Jugendamt und der Arbeiterwohlfahrt geplant. Ein neuer Radweg sorgt für den Lückenschluss der Trasse zwischen Lünen und dem Bahnhof Derne. Bleibt der Bereich Wohnen. An der Straße Auf der Wenge, dem ehemaligen Sportplatz, und an der Kornblumenstraße werden auf insgesamt rund 25 600 Quadratmetern Wohnbauflächen für Einfamilienhäuser und seniorengerechte Geschoßwohnungen entwickelt, die von der Nähe zum Stadtteilzentrum und der neuen „grünen Lunge“ Dernes, dem Stadtteilpark Gneisenau, profitieren. Es sieht so aus, dass sich der altehrwürdige Zechenstandort tatsächlich neu erfunden hat. Bruno Schreurs bringt es auf den Punkt: „Das hier ist eine Erfolgsgeschichte.“ Zeche Zollverein, Essen Lebendiges Industriedenkmal im Essener Norden Der 9. Januar 2010: ein Tag, den man nicht vergisst. Sturmtief „Daisy“ fegt über das Land, Schnee und Kälte behindern das öffentliche Leben. Ein ganz schlechtes Omen für die Eröffnungsfeier des Kulturhauptstadtjahres auf Zollverein, die im Freien stattfinden soll. Was dann geschieht, ist magisch, ein Wintermärchen. Tausende pfiffen auf Wind und Wetter, feierten eine gigantische Party im und auf dem UNESCO Welterbe Zollverein, das nun endgültig seinen Platz im nationalen Gedächtnis gefunden hatte. Als Essen und das Ruhrgebiet zur Kulturhauptstadt 2010 gewählt wurden, erhielt Zollverein eine enorme Anziehungskraft. Gewiss, an Ruhm mangelte es schon vorher nicht: Wegen ihrer strengen geometrischen Formen und der symmetrischen Anordnung als „schönste Zeche der Welt“ bezeichnet, wurden die Anlage rund um das imposante Doppelbock-Fördergerüst von Schacht XII und die benachbarten Schächte 1/2/8 im Jahr 2001 zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt, als einzigartiges Industriedenkmal. Es war ein Meisterwerk der jungen Architekten Martin Kremmer und Fritz Schupp, die Übertagebauten exakt auf die optimalen Abläufe von Kohleförderung und Aufbereitung abzustimmen: Am 1. Februar 1932 ging Schacht XII in Betrieb, während alle anderen Förderschächte auf Zollverein stillgelegt wurden. Ebenfalls nach den Plänen von Fritz Schupp wurde dann von 1957 bis 1961 die Kokerei Zollverein gebaut, auch sie eine Anlage der Superlative. Doch Zollverein konnte der Kohlekrise nicht standhalten. Am 23. Dezember 1986 war nach 135 Jahren Bergbau Schicht im Schacht. Eine Zäsur, auch für Essen, wo es nun keine Zeche mehr gab – dafür aber den per Ministererlass eine Woche zuvor unter Denkmalschutz gestellten Zollverein. Dass sich die Kokerei ohne Kohleförderung nicht halten konnte, lag auf der Hand. Am 30. Juni 1993 wurde die einst größte und modernste Kokerei der Welt stillgelegt. Schacht XII: Gedächtnis des Ruhrgebiets Zollverein fordert dem Besucher einiges ab, erschließt sich nicht auf Anhieb, verlangt Entdeckergeist und Stehvermögen. Hier kommt auf rund 100 Hektar, also auf einer Million Quadratmetern, vieles zusammen, was scheinbar nicht zusammengehört: Kathedralen der Industriekultur wie die gigantische Kohlenwäsche mit dem wunderbaren Ruhr Museum auf dem Gelände von Schacht XII, dahinter die Kokerei. Auf der Eisbahn, die entlang der Koksbatterien eingerichtet wurde, tummeln sich im Winter Hunderttausende. Bei schönem Wetter wird das Werksschwimmbad geöffnet, 2001 von Daniel Milohnic und Dirk Paschke aus alten Industriecontainern gebaut. Eislaufen oder Schwimmen also an einem Ort, an dem bis 1993 Kohle zu Koks gebacken wurde. Doch Zollverein bietet nicht nur Industriekultur und Events. Hier hat sich ein Zentrum der Kreativwirtschaft entwickelt, das in NRW seinesgleichen sucht. Nur wenige Hundert Meter östlich der riesigen Kohlenwäsche hat das japanische Architektenteam SANAA, gebildet von Ryue Nishizawa und Kazuyo Sejima, die minimalistisch reduzierte Formensprache aufgenommen, die in den 1920er-Jahren von Fritz Schupp und Martin Kremmer entwickelt wurde. In Sichtweite des SANAA ist auch ein Neubau für den Fachbereich Gestaltung geplant, in dem junge Kreative zu Designern von morgen ausgebildet werden sollen. Das 7000 Quadratmeter große Projekt wurde allerdings durch den Ausstieg eines arabischen Investors 2012 verzögert. Jetzt wird damit gerechnet, dass der Neubau auf Zollverein 2016 kommen wird. Zum Pflichtprogramm jedes Zollverein Besuchers gehört auch das reddot design museum, das zwischen Kohlenwäsche und SANAA-Gebäude liegt und eine der größten Ausstellungen zeitgenössischen Designs weltweit zeigt. Rund 180 000 Menschen zieht es pro Jahr ins Museum, wo sie bestes Design für viele Alltagsgegenstände bewundern können. Kokerei Zollverein: Bürostandort mit industrie-historischer Kulisse Auf dem Flachdach des Unternehmenssitzes der RAG Montan Immobilien auf Zollverein geht es zu wie im Bienenstock: Rund 15000 Honigbienen wurden hier angesiedelt, um einen Impuls zu setzten für die Bienenfans aus dem Ruhrgebiet, sich zu einem Imkernetzwerk zusammenzuschließen und so gemeinsam etwas gegen das Bienensterben zu tun. Natürlich kommen am Ende auch etliche Gläser der goldgelben Köstlichkeit „Honig vom Welterbe Zollverein“ heraus. Die Idee zum Honigprojekt stammt vom Vorsitzenden der Geschäftsführung von RAG Montan Immobilien, Prof. Dr. Hans-Peter Noll. In seinem Arbeitsalltag spielen die Bienenstöcke allerdings eine untergeordnete Rolle. Die Vermarktung der Flächen in der Nähe des Firmensitzes ist eine von mehreren großen Zukunftsaufgaben der RAG. Die Postanschrift Im Welterbe 1–8 sei eine einzigartige Adresse, die auch andere Unternehmen attraktiv finden, warb Noll bei der Eröffnung des Unternehmenssitzes im März 2012. Auch die imageträchtigen Adressen Im Welterbe 9–24 suchen noch nach neuen Nutzern. Gut 30 Millionen Euro investierte die Immobilientochter der RAG AG in die Entwicklung des Standorts. Dafür baute die RAG Montan Immobilien ihren Unternehmenssitz, investierte in die Baureifmachung und Erschließung der Fläche sowie in die Sanierung zweier Altgebäude, die vermietet werden sollen. Daneben stehen auf dem Kokereiareal 72 000 Quadratmeter Neubaufläche für weitere Firmenansiedlungen zur Verfügung. Parallel dazu entwickelte die Stiftung Zollverein in Zusammenarbeit mit der RAG Montan Immobilien und der NRW Urban für das Welterbe immobilienwirtschaftliche Leitlinien. Diese gelten als Planungsgrundlagen, um die städtebauliche Qualität des Weltkulturerbes zu sichern, den umliegenden Stadtteilen neue Impulse zu geben und eine marktgerechte Entwicklung zu steuern. Zusätzlich wurde ein Programm für die denkmalgeschützten Bestände der Stiftung Zollverein erarbeitet, die ebenfalls vermarktet werden. „Ein Ort, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in sich vereint. Und eine Symbiose aus Wurzeln, Tatkraft und Visionen“, resümiert Hermann Marth, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, die das Weltkulturerbe Zollverein erfolgreich managt. Vorbild für Landschaftsgestaltung: Grünpflege im neu gestalteten Stadtteilpark 55 000 Besucher kamen 2013 zum Seifenkistenrennen auf der Halde Hoheward. FOTOS (4): RAG MONTAN IMMOBILIEN Gneisenau. Der erste Welterbelauf Zollverein begeistert Läufer und Besucher. Blick auf die „Extraschicht“ von der Halde Lohberg. Das Café Ewald: von der Brötchenbude zur zentralen Anlaufstelle für Besucher. FOTOS (2): RAG MONTAN IMMOBILIEN Kokerei Zollverein: Weltkulturerbe mit Werksschwimmbad und Büroimmobilien. FOTO: RAG MONTAN IMMOBILIEN Das Einzelhandelszentrum bringt Leben nach Derne. FOTO: RAG MONTAN IMMOBILIEN „Extraschicht“ auf der Zeche Lohberg. FOTOS (2): RAG MONTAN IMMOBILIEN Revue Palast Ruhr statt Heizzentrale. Künstlerin Ulrike Int-Veen nutzt die Lohnhalle auf Lohberg als Atelier. 4 600 .000 installierte SOLARMODULE auf Flächen und Gebäuden der RAG vor allem im sonnenreichen Saarland erzeugen auf umweltfreundliche Weise Energie. 384 MITARBEITER arbeiten an den beiden Standorten Essen-Zollverein und Sulzbach an der Saar. pro Jahr im Bodenmanagement an und verwertet sie nachhaltig zur landschaftlichen Gestaltung von Flächen, Sicherungsbauwerken, Biomasseparks und Parkanlagen oder der Schaffung von tragfähigem Baugrund. 042_RAG_GB-2013 42 16.05.14 15:50 4 42 RAG MONTAN IMMOBI LIEN RAG-GESCHÄFTSBERICHT 2013 RAG Montan Immobilien 600 .000 installierte SOLARMODULE auf Flächen und Gebäuden der RAG vor allem im sonnenreichen Saarland erzeugen auf umweltfreundliche Weise Energie. 384 MITARBEITER arbeiten an den beiden Standorten Essen-Zollverein und Sulzbach an der Saar. 1.600 GEBÄUDE und Anlagen aus RAGBestand befi nden sich in der Obhut der Unternehmenstochter – von der Waschkaue bis zum denkmalgeschützten Förderturm. 1.800 .000 TONNEN Boden, die im Zuge von Baumaßnahmen anfallen, nimmt RAG Montan Immobilien pro Jahr im Bodenmanagement an und verwertet sie nachhaltig zur landschaftlichen Gestaltung von Flächen, Sicherungsbauwerken, Biomasseparks und Parkanlagen oder der Schaffung von tragfähigem Baugrund. 042_RAG_GB-2013 42 16.05.14 15:50 4 42 RAG MONTAN IMMOBI LIEN RAG-GESCHÄFTSBERICHT 2013 RAG Montan Immobilien 600 .000 installierte SOLARMODULE auf Flächen und Gebäuden der RAG vor allem im sonnenreichen Saarland erzeugen auf umweltfreundliche Weise Energie. 384 MITARBEITER arbeiten an den beiden Standorten Essen-Zollverein und Sulzbach an der Saar. 1.600 GEBÄUDE und Anlagen aus RAGBestand befi nden sich in der Obhut der Unternehmenstochter – von der Waschkaue bis zum denkmalgeschützten Förderturm. 1.800 .000 TONNEN Boden, die im Zuge von Baumaßnahmen anfallen, nimmt RAG Montan Immobilien pro Jahr im Bodenmanagement an und verwertet sie nachhaltig zur landschaftlichen Gestaltung von Flächen, Sicherungsbauwerken, Biomasseparks und Parkanlagen oder der Schaffung von tragfähigem Baugrund. 042_RAG_GB-2013 42 16.05.14 15:50 Gebäuden der RAG vor allem im sonnenreichen Saarland erzeugen auf umweltfreundliche Weise Energie. 384 MITARBEITER arbeiten an den beiden Standorten Essen-Zollverein und Sulzbach an der Saar. 1.600 GEBÄUDE und Anlagen aus RAGBestand befi nden sich in der Obhut der Unternehmenstochter – von der Waschkaue bis zum denkmalgeschützten Förderturm. 1.800 .000 TONNEN Boden, die im Zuge von Baumaßnahmen anfallen, nimmt RAG Montan pro Jahr im Bodenmanagement an und verwertet sie nachhaltig zur Gestaltung Schaffung von von Flächen,tragfähigem Sicherungsbauwerken,Baugrund. Biomasseparks 1.50 0 HEKTAR Flächen waren im Jahr 2013 in der Entwicklung – in 66 Projekten, davon 55 im Ruhrgebiet und 11 an der Saar. 042_RAG_GB-2013 Seite


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