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160524_RAG_Online_Nachhaltigkeitsbericht_2015

Mit Hightech in die Ewigkeit Das Wassermanagement der Bergwerke, die sogenannte Grubenwasserhaltung, zählt zu den wichtigsten Aufgaben der RAG. Daher hat das Unternehmen ein Konzept entwickelt, um es langfristig effizient und verantwortungsvoll zu gestalten. Das oberste Gebot dabei: der Trinkwasserschutz. Grubenwasser ist Regenwasser, das in den Boden sickert und auf seinem Weg in den Untergrund Salze und Mineralien aus den Erdschichten löst. Aufgrund dieser Mineralisierung muss ein Kontakt mit trinkwasserführenden Schichten vermieden werden. Um Steinkohle fördern zu können, muss das untertägige Grubengebäude trocken gehalten werden. Das bedeutet, das Grubenwasser permanent an die Oberfläche zu pumpen und in Bäche und Flüsse abzuleiten. Nach dem Ende der Steinkohlenförderung entfällt die betriebliche Notwendigkeit, die untertägigen Betriebsbereiche trocken zu halten. Der Grubenwasserspiegel kann angehoben werden, was in der Regel zu einer geringeren Mineralisierung und Mobilisierung von Schadstoffen führt. Das Konzept der RAG sieht vor, das Grubenwasser zukünftig an zentralen Wasserhaltungsstandorten zu heben und weitestgehend nur noch in größere Flüsse wie Rhein und Saar einzuleiten. Geplant ist, die Zahl von derzeit insgesamt 19 Wasserhaltungen auf sechs an der Ruhr und eine in Ibbenbüren zu senken. Im Saarland ließe sich langfristig und nach entsprechenden Genehmigungsverfahren aufgrund der günstigen geologischen Verhältnisse voraussichtlich ganz auf das Pumpen verzichten und das gesamte Grubenwasser drucklos in die Saar leiten. Insgesamt werden so rund 120 Kilometer Fluss- und Bachläufe an der Saar sowie 240 Kilometer im Ruhrgebiet entlastet. SICHERHEITSABSTAND ZUM TRINKWASSER Um die Grubenwasserkonzepte umzusetzen, bedarf es eines Anstiegs des Grubenwassers. Nur so kann es über untertägige Verbindungen, die sogenannte Wasserwegigkeit, unter der Erdoberfläche den zentralen Wasserhaltungen zufließen. Der wichtigste Aspekt im Konzept: Das Wasser steigt immer nur bis zu einem unkritischen Niveau an, das unterhalb von wichtigen Grundwasserhorizonten liegt. Das Grubenwasserkonzept sieht zum Beispiel einen Sicherheitsabstand zum Trinkwasserreservoir der Haltener Sande von mindestens 150 Metern vor. Gleichzeitig führt die geringere Pumphöhe dazu, dass der Energiebedarf der Wasserhaltungen und damit der CO2-Ausstoß reduziert werden und die Mineralisierung sinkt. Hierzu trägt auch die Umrüstung auf eine moderne Brunnenwasserhaltung mit Tauchpumpen bei. Rund 70 Millionen Kubikmeter Grubenwasser wurden im Jahr 2015 allein im Ruhrgebiet gehoben. Im aktiven Bergbau wird das Wasser über ein System von Pumpenstationen, die über ein Rohrleitungsnetz miteinander verbunden sind, zur Hauptwasserhaltung und von dort nach über Tage gepumpt. Dafür sind unzählige kleine und große Pumpen nötig, die viel Strom verbrauchen. Für die Brunnenwasserhaltung werden energiesparende Tauchpumpen durch Hüllrohre in den Schächten bis ins wasserführende Niveau hinabgelassen. MODERNSTE TECHNIK IM EINSATZ Ein Beispiel für die moderne Brunnenwasserhaltung zeigt der ehemalige Bergbaustandort Walsum, einer der zentralen Wasserhaltungsstandorte, der im Berichtszeitraum den Betrieb aufnahm: Drei doppelflutige Tauchmotorkreiselpumpen, die das Grubenwasser ansaugen und mit einem Druck von rund 80 Bar nach über Tage pumpen, kommen dort zum Einsatz. Davon sind gewöhnlich zwei im Einsatz, die dritte dient als Reserve. Die Tauchpumpe besteht aus Pumpen- und Motoreinheit, ist rund zwölf Meter lang und wiegt etwa 20 Tonnen. Ein dickes Fünf-Kilovolt Kabel versorgt den Motor mit Strom. Zwei übereinander gegenläufig angeordnete Pumpen bauen den Druck auf. Dazu werden sie von einem Motor über eine durchgehende Pumpenwelle angetrieben. Das senkt nicht nur die Krafteinwirkung auf die Pumpe, sondern auch die Strömungs und Ansauggeschwindigkeit. Das bedeutet weniger Verschleiß und gewährleistet einen reibungslosen Betrieb. Ist alles an seinem Platz installiert, wie auf Walsum in etwa 800 Meter Tiefe, können die Pumpen ihre Arbeit für die Ewigkeit aufnehmen. NACHBERGBAU Fallbeispiel 12


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