Stiftung „Forum Bergbau und Wasser“ nimmt Arbeit auf

Die Treuhandstiftung „Forum Bergbau und Wasser“ beschäftigt sich künftig wissenschaftlich mit den Chancen und Risiken eines Grubenwasseranstiegs nach dem Ende des Steinkohlenbergbaus. Denn hier erkennen die im Kuratorium der Stiftung versammelten Wissenschaftler weiteren Optimierungsbedarf: „Wir haben uns vorgenommen, bestehende Grubenwasserkonzepte kritisch zu überprüfen. Im Dialog mit der Fachöffentlichkeit wollen wir so Grundlagenforschung und anwendungsbezogene Forschungen in diesem Bereich fördern“, umriss Professor Josef Klostermann, Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung, die Ziele der auf fünf Jahre angelegten Stiftungsarbeit.

Aktuell wird aus den Kohlegruben in Nordrhein-Westfalen und im Saarland noch Grubenwasser an die Oberfläche gepumpt oder über Wasserlösungsstollen abgeleitet. Mit Ende des Jahres 2018 entfällt die Notwendigkeit, alle Betriebsbereiche tief unter der Erde frei von Grubenwasser zu halten. Daher ist in Grubenwasserkonzepten vorgesehen, dass das Grubenwasser bis zu einer insgesamt umweltverträglichen Höhe ansteigt. Kritiker der vorliegenden Konzepte befürchten allerdings Auswirkungen auf Trinkwasser und Umwelt. Die Diskussion zeigt: Beim Grubenwasseranstieg gibt es Optimierungsbedarf, den weitere Forschungen decken könnten.

Um diese zu realisieren, hat die Stiftung sechs international anerkannte Experten auf den Gebieten der Hydrogeologie, also der Wissenschaft vom Wasser in der Erdkruste, und des Grubenwassers ins Kuratorium berufen. „Wir sind unabhängig und nur an den Stiftungszweck gebunden: Wissenschaft und Forschung im Bereich Hydrogeologie zu fördern“, erläutert Klostermann. „Unsere Forschungsergebnisse sollen dazu beitragen, nachhaltige ökonomische und ökologische Lösungen für Mensch und Natur zu entwickeln. Denn wir forschen für die Praxis“, ergänzt der ehemalige Direktor des Geologischen Dienstes in Nordrhein-Westfalen.

„Unsere Stiftung führt Forschungsprojekte selbst aus, vergibt aber auch Fördergelder für definierte Projekte über Ausschreibungen an Dritte“, hebt Professor Christian Melchers, stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums, hervor. Bislang hat das Kuratorium Oberthemen identifiziert, die im nächsten Schritt in konkrete Forschungsvorhaben umgesetzt werden sollen. „Daher sind wir daran interessiert, Impulse aus Fachkreisen und der interessierten Öffentlichkeit zu bekommen. Wir wollen daher dialogorientiert unsere bisherigen Arbeitsschwerpunkte in einer Veranstaltung noch in diesem Jahr fachlich diskutieren“, so der Professor von der Technischen Hochschule Georg Agricola in Bochum. Alle Forschungsarbeiten müssen sich dabei an die „Empfehlungen guter wissenschaftlicher Praxis“ der Deutschen Forschungsgesellschaft halten.

Um zu forschen, neue Erkenntnisse zu gewinnen und zu veröffentlichen benötigt die Stiftung finanzielle Mittel. Die RAG stiftete dazu fünf Millionen Euro. „Die RAG kann allerdings keinen Einfluss auf die Stiftung nehmen und ist nicht in ihre Arbeit und Organisation eingebunden“, weist Rainer Lüdtke, Leiter Wissenschaftsstiftungen beim Stifterverband, auf die Unabhängigkeit der Stiftung hin. Lüdtke weiter: „Die Stiftung „Forum Bergbau und Wasser“ ist gemeinnützig und eine Treuhandstiftung des Stifterverbands. Damit stehen wir rechtlich in der Pflicht, das Vermögen ordnungsgemäß zu verwalten. Wir handeln gemäß den „Grundsätzen guter Stiftungspraxis“ und lassen uns darüber hinaus von erfahrenen Wirtschaftsprüfern überprüfen.“

RAG-Vorstandsvorsitzender Bernd Tönjes: „Die RAG hat für die Bergbauregionen Grubenwasserkonzepte erstellt, die den Schutz von Mensch und Natur fest im Blick haben. Der Schutz des Trinkwassers hat oberste Priorität! Gleichzeitig sind wir auch gefordert, die Grubenwasserkonzepte – je nach Stand der Technik – zu optimieren. Denn es geht auch darum, die Ewigkeitsaufgaben so ökologisch und ökonomisch wie möglich durchzuführen. Wir legen großen Wert darauf, dass sich das „Forum Bergbau und Wasser“ autark und unabhängig bewegen kann. Nur so ist sicherzustellen, mögliche Defizite in den Konzepten zu identifizieren. Wir werden alle Vorschläge dieses Expertenkreises berücksichtigen und umsetzen. Dazu haben wir den aus international anerkannten Fachleuten zusammengesetzten Expertenkreis so aufgestellt, dass er völlig weisungsfrei arbeiten kann. Wir versprechen uns vom „Forum Bergbau und Wasser“ auch eine Transparenz, die zur Akzeptanz unserer Grubenwasserkonzepte in der Öffentlichkeit führt.“

„Die Unabhängigkeit der Stiftung war entscheidend dafür, das Geld ohne jegliche fachlichen Vorgaben zu stiften”, erläutert Joachim Löchte, Leiter Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz bei der RAG. „Mit ihrem strikt prozess- und dialogorientierten Ansatz wird sie ganz sicher Optimierungsbedarf für Grubenwasserkonzepte herausfiltern“, so der RAG-Vertreter. Doch die Forschung soll nicht um ihrer selbst willen geschehen. Dazu Löchte: „Wir haben uns dazu verpflichtet, Vorschläge des Expertenkreises zu berücksichtigen und auch in die Praxis umzusetzen.“

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