Trainingsbergwerk Recklinghausen soll erhalten bleiben

NRW, Stadt Recklinghausen und RAG loten Möglichkeiten aus

Das NRW-Wirtschaftsministerium, die Stadt Recklinghausen und die RAG setzen sich für den Erhalt des Trainingsbergwerks in Recklinghausen-Süd ein. Das erklärten Wirtschaftsminister Garrelt Duin, Oberbürgermeister Christoph Tesche und RAG-Direktor Stefan Hager bei einem Besuch. Minister Duin: „Die Anlage ist in dreierlei Hinsicht ein Gewinn: Zum einen vermittelt sie ein faszinierend realistisches Bild von der Welt unter Tage und wird sich zu einem touristischen Anziehungspunkt entwickeln, der über die Region hinaus strahlt. Zudem können Bergbauzulieferer auch nach dem Ende der Steinkohlenförderung ihren weltweiten Kunden die Qualität der Maschinen demonstrieren. Schließlich erhalten wir den Filmschaffenden eine sehr beliebte Kulisse.“

Die RAG hat nicht die Mittel und Möglichkeiten, das Trainingsbergwerk nach Beendigung der Steinkohlenproduktion 2019 weiter zu betreiben. RAG Direktor Stefan Hager: „Wir als RAG können dem Trainingsbergwerk keine Zukunft geben. Und deshalb sind wir froh, wenn wir Partner finden, denen wir diese Einrichtung übergeben können - in verantwortungsvolle Hände. Wir haben das Trainingsbergwerk technologisch stets auf einem modernen Stand gehalten, aus eigenem Interesse. Und so gibt es heute keinen anderen Ort, an dem man Übertage den Bergbau so authentisch erleben kann wie hier in Recklinghausen.  Eine Chance für die Stadt Recklinghausen und das Revier  als Touristenregion.“

Das NRW-Wirtschaftsministerium mit der Bezirksregierung Arnsberg, die Stadt Recklinghausen und die RAG werden nun gemeinsam erarbeiten, wie die konkrete Zukunft der Einrichtung aussehen und wer das „Bergwerk“ betreiben könnte. Interesse am Erhalt angemeldet haben auch die Bergbaumaschinenhersteller aus NRW - gemeinsam mit dem Netzwerk Bergbauwirtschaft der EnergieAgentur NRW.  So bliebe zumindest ein „Trainingsbergwerk“, um auch weiterhin Maschinen zu testen und Schulungen durchzuführen. Und natürlich könnten dann auch weiterhin viele Besucher einen Blick in die „Unter-Tage-Welt“ werfen – auch ohne Zugang zur Lagerstätte.  

Recklinghausen sei mit der Kohle groß geworden und habe eine enge Verbundenheit zum Bergbau,  betonte Recklinghausens Bürgermeister Christoph Tesche. Tesche weiter: „Daher ist es wünschenswert, das Trainingsbergwerk als ein Stück unserer Zeitgeschichte zu bewahren, als Ort der Begegnung mit dem Bergbau  und zur weiteren Nutzung. So können wir ein touristisches und attraktives Alleinstellungsmerkmal im nördlichen Ruhrgebiet schaffen. Und zugleich würde es neue Arbeitsplätze bedeuten, die wir unabdingbar aufgrund des Endes des Bergbaus in Recklinghausen benötigen.“

Trainingsbergwerk Recklinghausen 

In der Halde auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Recklinghausen II befindet sich das Trainingsbergwerk der RAG.  Mit 1.200 Metern Strecke, unterschiedlichen Gewinnungseinrichtungen, Streckenvortrieben und einem Schacht wird hier die Untertagewelt wirklichkeitsnah dargestellt. Im Trainingsbergwerk sind die wichtigsten Maschinen und Einrichtungen von der Vorleistung über die Gewinnung sowie den Transport bis hin zu Kommunikations- und Steuerungseinrichtungen auf überschaubarem Raum konzentriert. Die RAG nutzt die Einrichtung insbesondere, um Fachkräfte unter realistischen Bedingungen zu schulen. Sogar ein Schacht mit 17 Metern Tiefe steht für Schulungszwecke zur Verfügung.

Auch für Forschungsvorhaben bietet das Trainingsbergwerk gute Bedingungen: Beispielsweise entwickelte hier ein Konsortium von acht europäischen Unternehmen unter der Federführung der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen ein Kollisionswarnsystem für den internationalen Bergbau. Auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt testete im Trainingsbergwerk in Kooperation mit der RAG ein innovatives Schachtinspektionssystem mit Hightech-Modulen für den Altbergbau. 

Darüber hinaus diente das Trainingsbergwerk schon vielfach als Location für Filmaufnahmen. Gedreht wurden hier beispielsweise Szenen für „Das Wunder von Bern“, „Alarm für Cobra 11“ oder „Der letzte Bulle“. 

Ursprünglich entstand das „Grubengebäude“ in der Abraumhalde des 1870 abgeteuften Schachtes „Clerget“, im Volksmund auch „Klärchen“ genannt. Die Anlage wurde erst später in „Recklinghausen II“ umfirmiert und förderte von 1875 bis zur Stilllegung 1972 Steinkohle. Die in der Halde aufgefahrenen Strecken dienten im zweiten Weltkrieg als Lazarett und Luftschutzbunker und wurden danach lange Zeit nicht genutzt. Seit dem Jahr 1975 diente das Trainingsbergwerk dann der RAG als Schulungsstätte. Bis zum Jahr 2003 fuhren Auszubildende in der Halde noch rund 250 Meter Strecke auf. Heute empfängt das Trainingsbergwerk rund 6.000 Besucher pro Jahr und es finden Übungen im Rahmen der beruflichen Fortbildung und Schulungen mit bis zu 100 Personen am Tag statt. Dafür bietet die Anlage neben realistischen unter Tage-Bedingungen auch zwei moderne Multimediaräume und verschiedene Seminarräume.

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