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N a c h h a l t i g k e i t Steinkohle Nachbergbau 1 7 Umgestaltung von Bächen und Flüssen von Vorfl utstörungen verbessern die Lebensqualität in den industriell geprägten Regionen.  Seit Beginn der industriellen Kohlenförderung gilt es, das in die Gruben eindringende Wasser abzufangen und abzupumpen – denn einfl ießendes Wasser macht die Arbeit unter Tage unmöglich. Die RAG muss Grubenwasser jedoch nicht nur aus aktiven Bergwerken fördern, sondern auch aus stillgelegten Gruben. Nur so lässt sich verhindern, dass die Grubenbaue volllaufen und sich das Tiefenwasser mit dem Grundwasser mischt. An zurzeit 23 sogenannten „Wasserhaltungsstandorten“ sammelt die RAG das Wasser des Steinkohlenbergbaus aus den aktiven sowie sämtlichen stillgelegten Bergwerken. Modernste Pumptechnologie sorgt dafür, dass das Wasser aus mehreren Hundert Metern Tiefe über Steigleitungen zutage gefördert und von dort aus überwiegend in speziellen Grubenwasserleitungen in nahe gelegene Flüsse eingeleitet wird. Dass es heute nur noch 23 Wasserhaltungen in den Steinkohlenbergbauregionen gibt, ist auch das Ergebnis einer umsichtigen Planung bereits seit Gründung der RAG im Jahr 1969. Zu diesem Zeitpunkt förderten allein an der Ruhr circa 60 Bergwerke die Steinkohle. Zusätzlich zu diesen Bergwerken, die eigenständige Wasserhaltungen unterhalten mussten, existierten be reits sieben zentrale Wasserhaltungen. So waren im Ruhrgebiet damals insgesamt rund 70 Wasserhaltungen in Betrieb. Während früher das zutage geförderte Grubenwasser vorwiegend in den nächsten Bach, sogenannte Vorfl uter, geleitet wurde, baute die RAG in den letzten Jahren eigenständige Grubenwasserleitungen. Sie nehmen das Grubenwasser der zentralen Was ser hal tungs stand or te auf und leiten es zu größeren Flüssen – im Ruhrgebiet beispielsweise in Emscher und Lippe, im Saarland in die Saar und im Tecklenburger Land in die Ibbenbürener Aa. Naturnahe Umgestaltung Dadurch entlastet die RAG die kleineren Ne - bengewässer vom Grubenwasser und trägt entscheidend zur Verbesserung der Wasserqualität bei. Darüber hinaus schafft sie damit die Vo - raus setzung zur naturnahen Umgestaltung der Gewässer. In der Vergangenheit setzte die RAG bereits mehrere solcher Bauvorhaben um. Der Erfolg spricht für sich: Insgesamt konnte das Unternehmen so rund 130 Kilometer Nebenläufe vom Grubenwasser entlasten. Für die Grubenwasserleitungstrassen nutzt die RAG auch stillgelegte Bahnstrecken, die sie in Kooperation mit anderen Planungsträgern zu attraktiven Radwegen umgestaltet und somit auch zur Steigerung des Freizeitwerts der Landschaft beiträgt. Da die Trassen unterirdisch verlaufen, sind sie nur während der laufenden Bauphase sichtbar. Nach Inbetriebnahme gibt es an der Oberfl äche keinerlei Beeinträchtigung, so dass das Landschaft sbild nachhaltig erhalten bleibt. Auch wenn die Leitungen von der Oberfl äche aus nicht zu sehen sind, hält sie die RAG doch stets im Blick. „Das Unternehmen übernimmt die Verantwortung und stattet die Grubenwasserleitungstrassen beim Bau mit Leckageüberwachungen aus – auch wenn es keine gesetzliche Verpfl ichtung dafür gibt. Die Maßnahme unterstützt uns dabei, mögliche Störungen frühzeitig zu erkennen und zu beheben“, un - terstreicht Marcus Kampen, Gruppenleiter In dustriebau im Servicebereich Standort- und Geodienste. Neuer Raum für Flora und Fauna Auch bei der Regulierung von Störungen an Vorfl utern im Bergschadensbereich, wie zum Beispiel der Veränderung des Fließverhaltens von kleineren Nebengewässern, setzt die RAG auf eine ökologische und naturnahe Gestaltung. Damit trägt sie zum nachhaltigen Management im Gewässersektor bei. Die früher übliche Ableitung von Oberfl ächenwasser über geradlinige, zum Teil tief im Einschnitt liegende Graben- und Bachsysteme entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen. Die RAG realisiert gemeinsam mit Behörden, Eigentümern und weiteren Beteiligten die hierfür erforderlichen Maßnahmen. Dazu zählen beispielsweise naturnahe, sogenannte „mäandrierende“ Bäche – geschwungene Flussbiegungen mit fl ach auslaufenden Auenbereichen –, die der Natur mehr Raum für ihre Entwicklung geben. Darüber hinaus können durch die Auswirkungen des Steinkohlenabbaus senkungsbedingt Vernässungsbereiche entstehen, die ihrerseits als zusätzliche Biotope einen sinnvollen Beitrag zur Verbesserung der Umweltbedingungen leisten. Denn die neue ökologische Um - gebung schafft die Voraussetzung dafür, dass sich dort weitere Tier- und Pfl anzenarten ansiedeln können. Die umsichtigen Planungen schaffen so neuen Lebensraum. „Bei der Planung und Gestaltung berücksichtigt die RAG viele, teilweise auch gegensätzliche Interessen, begonnen bei Nutzungsansprü chen über Naturschutzvorgaben bis hin zu Bauverfahren“, erläutert Christoph Börgmann, Mitarbeiter im Servicebereich Standort- und Geodienste in der Gruppe Vorfl uter, Landwirtschaft Ruhr. Sein Gruppenleiter Achim Schulte unterstreicht: „Im Fokus unserer Arbeit steht, Ökologie und Wirtschaft lichkeit in Einklang zu bringen. So schaff en wir Mehrwerte, ohne zusätzliche Kosten zu generieren.“ Durch ihr nachhaltiges Wassermanagement fördert die RAG die angestrebte hohe Gewässerqualität und die ökologische Regeneration und Entwicklung. Das erhöht nicht zuletzt die Lebens- und Arbeitsqualität für die Menschen vor Ort und setzt Impulse für eine zukunft sorientierte, positive Entwicklung der Städte und der Landschaft in den Bergbauregionen. FOTOS: RAG-ARCHIV; ILLUSTRATIONEN: DIETER DUNEKA Die RAG setzt auf eine natur - nahe, ökologische Gestaltung der Nebengewässer in Berg bau regionen, wie hier am Gartroper Mühlenbach in Hünxe. Bochum/Gelsenkirchen: Im Verlauf der Erzbahntrasse, die heute ein attraktiver Radweg ist, verlegte die RAG Leitungen für das Grubenwasser.


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