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N a c h h a l t i g k e i t Steinkohle Bergbaukul tur und soziale Verantwor tung 1 3 Industriegeschichte lebendig machen und nachhaltig sichern Rund 400.000 Besucher zieht das Deutsche Bergbau-Museum (DBM) in Bochum Jahr für Jahr an. Es gilt als das bedeutendste Haus seiner Art weltweit. Auf rund 8000 Quadratmeter Ausstellungsfl äche kann man die Geschichte des Bergbaus bis zu seinen Ursprüngen zurückverfolgen. Den Höhepunkt jedes Besuchs bildet der zweieinhalb Kilometer lange Rundgang im angeschlossenen Anschauungsbergwerk. Die Dauerausstellung stellt nicht nur Techniken dar, sondern zeigt auch die gesellschaftlichen und kulturellen Einfl üsse des Bergbaus auf. Das DBM engagiert sich zugleich als renommiertes Forschungsinstitut der Montangeschichte, das sich unter anderem der Erfassung, dem Schutz und der Präsentation von Kulturgütern widmet. Wissenschaftler entwickeln in einem eigenen Forschungsschwerpunkt Verfahren zur nachhaltigen Sicherung von Zeugnissen und Leistungen des Bergbaus. Dazu gehören neben Dokumenten, Gerätschaften und Produkten auch ganze Landschaften und Reviere. Know-how-Transfer stellt Nachsorge auf dem Stand der Technik sicher Überliefertes Wissen zu teilen und voneinander zu lernen gehörte schon immer zu den wesentlichen Aspekten der Bergbaukultur. Die gute Tradition der Bergleute setzt sich auf wissenschaftlicher Ebene fort. Seit Jahren engagiert sich die RAG in verschiedenen Kooperationen für den Wissenstransfer insbesondere im Bereich Geoingenieurswesen. Gemeinsame Forschungsaktivitäten mit Hochschulen und anderen Unternehmen der Region sowie Austauschprogramme wie das „Ruhr Fellowship” für Studierende aus den USA dienen seit jeher der Vermehrung und Weitergabe von Fachwissen. Zunehmend stehen dabei Fragestellungen der bergbaulichen Nachsorge im Vordergrund, beispielsweise beim Labor für Geotechnik und Nachbergbau, das die RAG-Stiftung im Oktober in Kooperation mit der Technischen Fachhochschule (TFH) Georg Agricola eröff nete. Das Labor gehört zum künftigen „Nachsorgezentrum Nachbergbau”, in dem beide Partner ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten zum Umgang mit Bergbaufolgen bündeln. Um die Umwidmung von untertägigen Anlagen zwecks Speicherung regenerativer Energien geht es im gemeinsamen Forschungsprojekt mit der Universität Duisburg- Essen. Das Projekt prüft die Möglichkeit von „Unterfl ur-Pumpspeicherwerken” in stillgelegten Schachtanlagen. Geschichte erforschen, bewahren und öff entlich zugänglich machen Die im Jahr 1998 gegründete Stiftung Bibliothek des Ruhrgebiets (SBR) fördert die Erforschung und Dokumentation der Geschichte und Gegenwart des Ruhrgebiets. Das SBR trägt dafür Sorge, die ihr übertragenen historischen Buchbestände und Archive zu schützen, zu erhalten, sinnvoll zu nutzen, wissenschaftlich zu erforschen, zu erweitern und öff entlich zugänglich zu machen. Im Kuratorium vertreten sind die RAG-Stiftung, die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE), die Ruhr-Universität Bochum sowie die Stadt Bochum. Den Vorsitz hat RAG-Vorstandsvorsitzender Bernd Tönjes inne. Erinnerungs- und Ehemaligenkultur Kultur- und Erinnerungsarbeit zum Bergbau fi ndet an ehemaligen und noch aktiven Bergwerksstandorten in vielerlei Form statt. Zu den wichtigen Zentren gehören zahlreiche Geschichtskreise, die es sich zur Aufgabe machen, technisches Wissen und Gepfl ogenheiten des Bergbaus zu bewahren. Ehemalige Bergleute dokumentieren hier unter anderem in Form von Ausstellungen, Theaterstücken oder Publikationen das kulturelle Erbe ihres Industriezweigs. Sie suchen den Dialog, vor allem auch mit der jüngeren Generation. „Das Interesse für die damalige Bergarbeiterära, aber auch für die Zeit des beginnenden Rückzugs der Steinkohle ist groß”, weiß der 80-jährige Günter Stoppa aus eigener Erfahrung zu berichten. Der ehemalige Reviersteiger, der viele Jahre auf der Zeche Zollverein arbeitete, blieb seinem Arbeitsplatz bis heute treu. Mehrmals pro Woche führt er Gäste durch das Industriedenkmal, das seit 2001 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. „Die Kameradschaft, die im Bergbau immer selbstverständlich und zugleich überlebensnotwendig war, fasziniert die Menschen”, sagt Stoppa. Je mehr die Zeit voranschreite, umso stärker wachse das Bedürfnis, mehr über Traditionen und Arbeitsethos der Bergleute zu erfahren, betont er. REVAG organisiert Kultur- und Bildungsarbeit Geschichtskreise wie der, in dem sich Günter Stoppa und viele seiner ehemaligen Kollegen engagieren, besitzen im Ruhrgebiet eine lange Tradition. Die meisten der Aktivitäten organisiert die Revierarbeitsgemeinschaft für kulturelle Bergmannsbetreuung e.V. (REVAG) unter ihrem Dach. Der auch als Weiterbildungsträger anerkannte und durch die RAG geförderte Verein bietet im Rahmen seiner „Kulturarbeit Bergbau” ehemaligen und aktiven Beschäftigten sowie interessierten Mitbürgern ein umfangreiches Angebot, das von Geschichte über Literatur bis hin zur bildenden Kunst reicht. Industriedenkmal: der über 30 Meter hohe Malakoff turm der ehemaligen Schachtanlage Prosper II in Bottrop. FOTOS: RAG-ARCHIV (2), VOLKER WICIOK, STIFTUNG BIBLIOTHEK DES RUHRGEBIETS


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